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Zeitgenössische KunstStatt Leerstand: Neuer Ausstellungsort in Dessau belebt die Stadt mit Kunst

von Sandra Meyer, MDR KULTUR-Landeskorrespondentin

Stand: 18. Juli 2022, 04:00 Uhr

Dessau ist um eine kulturelle Attraktion reicher: In unmittelbarer Nähe zum Bauhaus-Museum hat die Kunsthalle Dessau in der Innenstadt eröffnet. Der Anhaltische Kunstverein hat damit nach der Orangerie des Georgiums einen neuen Standort gefunden – in einer ehemaligen Ladenzeile, die früher ein Sportgeschäft beherbergte. Nach jahrelangem Leerstand sollen hier nun experimentierfreudige Ausstellungen die Kunstszene aufmischen und die Stadt beleben. Eröffnet wird die neue Kunsthalle am 17. Juli mit der Schau "Episoden aus der Pandemie".

Es mutet an wie ein kleines Wunder: die über Jahre verwahrloste Ladenzeile in der Dessauer Innenstadt – zentral gelegen zwischen Bauhaus-Museum und Rathaus – ist zu einem feschen Kulturort geworden. Denn nach langem Ringen ist es dem Kunstverein gelungen, die Räume für sich zu beanspruchen, sagt dessen Vorsitzender Gerhard Lambrecht. Das Geschäft sei komplett entkernt worden und der finanzielle Aufwand dementsprechend hoch. Aber mithilfe von Stadt, Politik und der kommunalen Wohnungsgesellschaft sei es gelungen. "Jetzt sind wir auf der Zielgeraden", so Lambrecht.

Statt Laminat, zerschlissenen Türen und Gerümpel, nun edle weiße Galerieräume. Über Jahre war der Kunstverein Gast in der Orangerie des Georgiums, wo man auch zukünftig gerne mal wieder ausstellen wird, sagt Lambrecht. Doch nun hat man endlich einen eigenen ansprechenden und mit 250 Quadratmetern wesentlich größeren Ausstellungsort, den man ganz selbstbewusst Kunsthalle nennt.

Kunsthalle in Dessau kann mit Halle und Magdeburg mithalten

Bereits 1902 habe es eine Kunsthalle in Dessau gegeben, erklärt Lambrecht. Auch der Anhaltische Kunstverein hatte vor Jahren schon eine Kunsthalle. Zuletzt betrieb der Verein den Kunstraum 22 im Georgium – unter dem Begriff Kunsthalle habe man nun aber neue Möglichkeiten gegenüber dem bisherigen Kunstraum, so Lambrecht.

Wir brauchen uns vor Halle und Magdeburg nicht zu verstecken.

Gerhard Lambrecht, Vorsitzender Anhaltischer Kunstverein Dessau

"Es soll auch ein Veranstaltungsort sein, der außer den Ausstellungen die Stadt entsprechend belebt, und deshalb kann man mit dem Begriff Kunsthalle auch entsprechend arbeiten", schließt Lambrecht ab.

In der neuen Kunsthalle Dessau sind u.a. Arbeiten der deutsch-polnischen Installationskünstlerin Monika Grzymala und der Künstlerin und Kuratorin Katrin Günther zu sehen. Bildrechte: Gerhard Lambrecht/Anhaltischer Kunstverein Dessau

Erste Ausstellung in Dessauer Kunsthalle zu Corona

Ein Anspruch, der in der ersten Ausstellung zum Thema Corona durchaus eingelöst wird. Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus den USA, Frankreich, Russland oder aus der Region sind hier zu sehen. Sie alle haben im Lockdown die Kunst als Vehikel, um diese Zeit hinter sich zu lassen oder um deren Stimmungen einzufangen. Allerdings mit ganz unterschiedlichen Ausdrucksformen, die man hier miteinander in Verbindung bringt, sagt Künstlerin und Mitkuratorin Katrin Günther.

"Es gibt Arbeiten in einem ganz großen Spannungsfeld, inhaltlich, formal wie auch emotional", so die Kuratorin. Dazu zählen großformatige Tuschezeichnungen auf Leinwand, plastische Arbeiten mit tierischem Material auf Photovoltaik oder "Zeichnungen, die wie Pingpong auf Papier und Maltafeln zwischen Berlin und Moskau hin und her gegangen sind, wie in einem zeichnerisch-malerischen Gespräch", erklärt Katrin Günther. "Es gibt von dem Kurator der Kunsthalle Bahnitz einen Film über die Kunsthalle, über das Leben in einer sozialen Gemeinschaft im Bahnitzer Dorf während der Corona-Pandemie", ergänzt die Kuratorin.

Zeitgenössische Kunst und ein Ort für Experimente

In solch modernem Ausstellungsambiente wirken die Kunstwerke allerdings auch ganz anders, sagt Günther, die selbst auch Professorin ist – und verweist auch noch mal auf das neue Logo. Entworfen von der Kunsthochschule Anhalt klebt es als Buchstabenreihung am Fenster und macht die Passanten neugierig. Zu Recht, findet sie, denn man verstehe sich als Ort der zeitgenössischen Kunst, aber auch als Ort des andauernden Experiments – und das scheint schon jetzt perfekt gelungen.

Auch Kunstwerke der Bildhauerin Iris Schieferstein sind in der neuen Ausstellung in Dessau zu sehen. Bildrechte: Gerhard Lambrecht/Anhaltischer Kunstverein Dessau

"Die schöne Perspektive ist: Es kann sich entwickeln. Da ist nichts fertig, es ist nichts, was etabliert und großartig jetzt schon vor uns steht, sondern es hat einen Wahnsinnsgestaltungsspielraum", so die Kuratorin. "Wir haben jetzt alle Möglichkeiten, so wie mit dieser Ausstellung, frei, mit offenen Augen, einfach Dinge anzufangen, zu kreieren, im Prozess zu bearbeiten, ohne schon hinten das Ziel zu sehen – in der Gemeinschaft auch im ständigen Streit und in ständiger Reibung. Und das macht halt Spaß."

Die Kunsthalle in Dessau verspricht: Zeitgenössische Kunst im Experimentiermodus. Möglich wird das alles aber nur durch viel ehrenamtliches Engagement, dem es geschuldet ist, dass Dessau nun um eine kulturelle Attraktion reicher ist.

Angaben zur AusstellungAusstellung "Episoden aus der Pandemie"
Vom 17. Juli bis 4. September 2022

Mit Werken von mit Gregor Bannan, Emmanuel Bornstein, Vladimir Potapov, Katrin Günther, Monika Grzymala Suminagashi, Tim Lauterwald, Bodo Rau und Iris Schieferstein.

KUNSTHALLE Dessau
Ratsgasse
06844 Dessau

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Samstag, 11 bis 17 Uhr

Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic

Kultur in und um Dessau erleben

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 16. Juli 2022 | 08:45 Uhr