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Digitale MuseumsangeboteMuseum online: Diese Lern-Angebote gibt es für Kinder

Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen

Museum online: Diese Lern-Angebote gibt es für Kinder

von Katja Evers, MDR KULTUR

Stand: 10. Februar 2021, 04:00 Uhr

Der Unterricht, das Treffen mit Freunden oder Freizeitbeschäftigungen – für Kinder findet in der Corona-Pandemie das meiste online statt. Auch viele Museen in Mitteldeutschland versuchen digital Angebote bereitzustellen und wandern dabei auf dem schmalen Grad zwischen aktiver Wissensvermittlung und einer möglichen Überforderung der Kinder am Bildschirm. MDR KULTUR hat in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nachgefragt, ob und wie das bisher funktioniert und stellt einige der Angebote vor.

Es ist ein Paradox: Eigentlich sollen die Kinder doch weg vom Bildschirm – weniger Smartphone und Tablet, mehr Brettspiele, Bücher und Natur. Doch in der Pandemie ist genau das oft der einzige Weg, trotzdem Angebote bereitzustellen. Viele Museen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen etwa setzen weiter auf Wissensvermittlung, nun aber digital. Sie alle versuchen dabei, die Kinder interaktiv einzubinden. Doch die Konkurrenz im Netz ist groß, die Ressourcen oft knapp und nicht selten fehlt die nötige Rückkopplung.

Thüringen: Mit Maulwurf Archie die Steinzeit erkunden

Das Thüringer Museum für Ur- und Frühgeschichte etwa hat eigens eine Kinderplattform geschaffen. Zusammen mit dem Maulwurf Archie können die Kinder lernen, ob Steinzeitmenschen schon Pommes mit Ketchup mochten oder woran man erkennt, ob ein Schädel weiblich ist. Fragen, die Kinder vor und in der Pandemie selbst gestellt haben und weiterhin stellen können. Doch bisher kommen die Fragen nur nach gezielter Aufforderung, so Museumspädagogin Manuela Tiersch. Die Hemmschwelle sei einfach höher als wenn man ein Video ansehe. Und auch die Klickzahlen seien schwierig zu deuten: "Ich sehe jetzt zwar, dass zum Beispiel bestimmte Themen besonders häufig angeklickt werden. Ich weiß aber nicht, ob das etwas ist, was von den Kindern ausgeht oder etwas, das von den Lehrern zum Beispiel gezielt als Fragestellung im Raum stand."

Kirsten und Felix machen mit der Instagram-Aktion #kulTÜRöffner auf die Klassik Stiftung Weimar aufmerksam. Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar

Die Klassik Stiftung Weimar bewertet die Klickzahlen ihres Angebots dennoch als positiv. Für Instagram etwa hat die Stiftung das Format #kulTÜRöffner entwickelt, eine Live-Führung an Orten, die nicht öffentlich zugänglich sind. In der Digitalen Werkstatt werden Kinder mit kurzen Videoclips in eine Thematik eingeführt und dann mit einer kurzen Anleitung zum Mitmachen aufgefordert – etwa zum Thema Buchbinden. Darunter finden sich Videos zum Bauhaus, die auch auf den Plattformen der Bauhausinstitutionen zu finden sind.

"Gedankenmeer und Funkelflausen" ist ein Projekt der Grafikerin und Illustratorin Julia Penndorf aus Leipzig. Bildrechte: Julia Penndorf

Aktiv auffordern möchte auch das Lindenau-Museum Altenburg. Etwa  mit dem Illustrationsprojekt "Gedankenmeer & Funkelflausen" oder der Aktion "…allein im Studio", bei der sich die Kinder künstlerisch eigene Geschichten ausdenken können. Es ist ein Gedanke, den viele Museen verfolgen: Die Kinder sollen per Bildschirm animiert werden, davon auch wieder wegzukommen.

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Sachsen: Festungs-Raten, Vulkankuchen und Urzeit-Mobile

Bildrechte: Festung Königstein/Axel Bierwolf

Die Festung Königstein bietet etwa ein Ratespiel zu Begriffen rund um die Festung an mit Spielkarten zum Downloaden und Ausdrucken. Auf der Seite des Naturkundemuseums Chemnitz gibt es ein Rezept für einen Vulkankuchen, aber auch Bastelanleitungen für beispielsweise ein Urzeit-Mobile. Die gibt es auch im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz oder dem Druckkunstmuseum in Leipzig (via Facebook, YouTube).

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Dass die Kinder selbst aktiv werden, sei auch bei ihnen ein wichtiges Anliegen, so Claudia Schmidt von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Aus den verschiedenen Häusern, etwa der Sempergalerie oder dem Residenzschloss, gäbe es deshalb eine Reihe von interaktiven Angeboten. Beispielweise eine Anleitung, um ein Gemälde aus Stein zu erstellen oder eine Wahrnehmungsübung für zu Hause, bei der es darum geht, ein Gummibärchen mit allen Sinnen zu erfassen. Die digitale Vermittlung sei dabei schwieriger, so Claudia Schmidt. Man wisse nicht, welche Erfahrungen die Kinder mitbrächten. Die Angebote müssten etwas deshalb allgemeiner werden, "die Aufgabenstellungen gleichzeitig aber sehr viel präziser". Und es gehe auch darum, dass die Kinder nicht zu schnell die Lust verlören.

Das Naturkundemuseum kann in 2D erkundet werden. Sogar US-Senator Bernie Sanders scheint einen Gastauftritt zu haben. Bildrechte: Naturkundemuseum Leipzig

Das Naturkundemuseum Leipzig hat deshalb zu einer ganz anderen Vermittlungsvariante gegriffen: In einem Retro-Spiel können die Kinder das Museum erkunden. "Man bewegt sich durch das Museum sozusagen und findet da kleine, versteckte Inhalte", so Monika Hegenberg, Leiterin von Bildung und Vermittlung im Naturkundemuseum. Die Inhalte reichen von Videos zu Dinosauriern oder der Eiszeit, über kleine Audiospuren – etwa, wenn man an einem Klavier vorbeiläuft – bis hin zu Erklärtexten und Bastelanleitungen. Das Museum und der Avatar sind dabei in 2D und pixeliger Retro-Optik gestaltet. Eine Art Museumsführung, allerdings bewusst ohne tatsächlich zu führen, so Hegenberg: "Es schien so, dass das Interesse nicht so groß ist, wenn ich jetzt eine Führung durchs Museum mache und man mich einfach abfilmt." Wie viele andere glaubt sie aber, dass die Kinder oft von den digitalen Angeboten bereits gesättigt seien.

Sachsen-Anhalt: Spiele, Rätsel und ein Podcast

Mit der Masse der Angebote im Netz, könne man nicht mithalten, erklärt etwa Nina Mütze von den Luthergedenkstätten. Bei ihnen gäbe es einige Angebote, die sie sonst auch in den Museen durchgeführt hätten – z.B. Kurzfilme, Bastelanleitungen, Rätsel zur Reformationszeit. Aber, der Ansatz "ist und bleibt das Arbeiten mit den Kindern vor Ort in unseren Museen, denn nur hier kann das Original wirklich erlebt werden." Das bestätigt auch Franziska Gaumnitz-Freund von den Museen in Magdeburg. "Ein Museumsbesuch kann nur bedingt ersetzt werden." Die Tierstimmenrätseln, Schattenspielen oder Zeichenvorlagen von gotischen Fenstern brächten nur bedingt die erhofften Rückmeldungen.

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Bildrechte: Kunstmuseum Moritzburg Halle

Das ist auch das Hauptproblem vieler Museen: Durch die fehlenden Rückmeldungen entstünden Angebote, ohne die Nachfrage zu kennen. Es sei ein Arbeiten ins Blaue hinein, so Theresa Leschber vom Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale): "Das zeigt einfach mehr, dass der Austausch fehlt und dass Kinder und Jugendliche für uns Impulsgebende sind." Im Kunstmuseum Moritzburg holt man deshalb die Zielgruppe bewusst auf die Macherseite, etwa mit einem Jugendpodcast – von Jugendlichen für Jugendliche. Daneben werden die Kinder aufgerufen, sich Schuhe aus Zeitungspapier zu basteln oder eigene Kleider zu entwerfen wie Karl Lagerfeld. Eine Museumskatze führt die Jüngeren durch das Museum und interagiert mit dem, was auf den Gemälden dargestellt ist, beispielsweise mit der gelben Kuh von Franz Marc. Im Bestfall soll das die Kinder animieren, auch selbst zu malen.

Online, um dann offline zu kreativ zu werden also. Etwas, das wohl auch nach der Pandemie bleiben wird, glaubt Theresa Leschber, genau wie ihre Kolleginnen und Kollegen aus Sachsen und Thüringen. Denn das Digitale sei auch ohne Pandemie längst Lebensrealität der Kinder. Trotzdem hoffen die Museen, bald wieder den persönlichen Austausch haben zu können. Das Digitale sei kein Ersatz, aber auf Dauer eine schöne und nicht mehr wegzudenkende Ergänzung.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 12. Dezember 2020 | 13:15 Uhr