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20 Jahre nach der JahrhundertflutHochwasser 2002: Wie flutsicher sind die Kunstsammlungen Dresden heute?

von Grit Krause, MDR KULTUR

Stand: 09. August 2022, 16:03 Uhr

Vor 20 Jahren wälzten sich die Wassermassen durch die Städte und Dörfer in Sachsen und Sachsen-Anhalt und hinterließen eine grenzenlose Verwüstung. Betroffen vom sogenannten Jahrhunderthochwasser waren damals auch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Glücklicherweise konnten die Kunstschätze gerettet werden, dennoch soll sich eine solche Situation nicht wiederholen. Im Zuge des Hochwasserschutzes wurde eine Arche für das Depot gebaut.

Das Foto vom Zwingerhof, der vollkommen unter Wasser steht, ging um die Welt und hat sich ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt. In einem Bildband*, der kurze Zeit nach dem Jahrhunderthochwasser erschienen war, sieht man noch einmal das ganze Ausmaß der Katastrophe. So auch in der Gemäldegalerie Alte Meister.

Als im August 2002 das Wasser der Weißeritz, die sich einen Weg durch ihr ursprüngliches Flussbett gebahnt hatte, quasi durch die Hintertür in die Gemälde-Depots der Kunstsammlungen im Semperbau und im Albertinum flutete, musste schnell gehandelt werden, um die wertvollen Ölgemälde sowie die historischen Rahmen, die dort aufbewahrt wurden, ins Trockne zu bringen.

*Caroline Möhring, Johannes Schmidt: Gegen den Strom. Die Rettung der Dresdner Kunstschätze vor dem Hochwasser im August 2002.

Lebendige Erinnerungen an das Hochwasser 2002

Bei mir kommt sie schon immer wieder, die Erinnerung, das ist so ein gewisses gutes Gefühl, dass man das irgendwie bewältigt hat und dass wir es geschafft haben, dass kein Gemälde wirklich bleibenden, schlimmen Schaden erlitten hat oder gar zerstört worden ist.

Uta Neidhardt, Oberkonservatorin für Niederländische Malerei der Gemäldegalerie Alte Meister

Der Dresdner Semperbau stand im Sommer 2002 unter Hochwasser. Hier waren zahlreiche Kunstschätze der Kunstsammlungen Dresden gelagert, die gerettet werden konnten. Bildrechte: imago images / STAR-MEDIA

Uta Neidhardt, Oberkonservatorin für Niederländische Malerei in der Gemäldegalerie, berichtet, dass zahlreiche Menschen gekommen seien und die Bilder im Akkord vor den rasant steigenden Wassermassen aus den tiefer gelegenen Räumen im Semperbau in die Belle Etage der Alten Meister gerettet haben. Dort waren sie dann unter Anleitung der Kunsthistorikern in den Ausstellungssälen abgestapelt worden. Auch davon existieren Bilder, die damals die bekannte Fotografin Barbara Klemm aufgenommen hatte: Stapel von Gemälden unter dem "Heiligen Hieronymus" von Anthony van Dyck.

Wie die Kunstsammlungen Dresden ihre Werke künftig schützen wollen

In den Staatlichen Kunstsammlungen ist man sich sicher, dass sich die Ereignisse keinesfalls so wiederholen werden wie 2002, denn in den Jahren danach wurden diverse Vorkehrungen getroffen, um die Museen und ihre wertvollen Werke künftig vor einer Überflutung zu schützen.

Das eindrucksvollste, wenn auch nur  für einen kleinen ausgewählten Kreis zugänglich und für Besucherinnen und Besucher nahezu unsichtbar, ist dabei das neue Zentraldepot. In luftiger Höhe schwebt förmlich dieser raffinierte Bau in 17 Metern Höhe, im Dach des Albertinums.

"Arche Noah" für die Kunst

2002 wurden zahlreiche Kunstschätze der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vor der Flut in Sicherheit gebracht. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/David Brandt

Wenn man im Innenhof des Albertinums steht und nach oben blickt, kann man nur erahnen, dass sich darüber noch eine ganze Etage mit den Bilder-Depots befindet und darüber noch eine weitere mit den neuen Restaurierungswerkstätten, die ebenfalls während der Flut 2002 teilweise zerstört worden waren. Es ist eine "Arche Noah" für die Kunst, wenn man so will, die seit 2010 genutzt und tatsächlich auch "Arche" genannt wird. 

Die Konstruktion ist ja tatsächlich so, wir sind der Dachform gefolgt, so dass es so aussieht wie ein Schiff. Und das zweite ist eben "Arche" im Sinne von, die Dinge, die uns als Sammlung, die der Welt wichtig sind, sind dort bewahrt.

Michael John, Leiter der Abteilung Technischer Dienst in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Kunstschätze in Experten-Händen

Für sein Engagement bei der Rettung der Kunstschätze, nicht nur der über 2.000 Gemälde, sondern auch der schwergewichtigen Skulpturen, die im Keller des Albertinums standen, ist Michael John, Leiter der Abteilung Technischer Dienst in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Seither ist er beim Thema Flut ein gefragter Experte, wenn es um den Schutz von Kulturgut geht. So leitete er viele Jahre den Notfallverbund Dresden, der in Katastrophenfällen aktiv wird, und berät im Rahmen des bundesweiten SILK-Projekt, dem "Sicherheitsleitfaden Kulturgut". 

Dass sein Haus inzwischen dem Hochwasser trotzen kann, zeigte sich 2013, als die nächste Flut kam - mit einem Pegel von 8,76m nur knapp unter den 9,40m von 2002. Die Schutzmaßnahmen, wie ein Hochwassermanagementplan, die von der Stadt installierten Flutschutzwände, Hochwasserentlastungsbrunnen, waren keinesfalls umsonst gewesen, denn dieses Mal blieb der Zwingerhof trocken.

(Redaktionelle Bearbeitung: Sabrina Gebauer)

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 08. August 2022 | 06:15 Uhr