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Bei der Ausstellungsplanung im Kunstraum "BIAS FLINTA* Projects" Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

"BIAS FLINTA* Projects"Neue Plattform für Kunst von Frauen und queeren Personen in Dresden

von Adina Rieckmann, MDR KULTUR

Stand: 13. Januar 2022, 04:00 Uhr

Auch auf dem Kunstmarkt haben es Künstlerinnen schwerer als ihre männlichen Kollegen, wahrgenommen zu werden. Der Projektraum "BIAS FLINTA* Projects" in Dresden will mehr öffentlichen Wirkung ermöglichen. Er ist ausschließlich für Frauen, queere Menschen und politische Kunst vorgesehen. Die Idee dazu hatte die Künstlerin Lisa Maria Baier, die zuletzt um die Debatte und den Abriss ihrer Installation "Kulisse" – eine Kritik am restriktiven Abtreibungsverbot in Polen – präsent war.

In der Dresdner Neustadt ist gerade eine Plattform ausschließlich für Frauen, queere Menschen und für politische Kunst entstanden. Zwei junge Künstlerinnen dachten sich, wenn ihre langgeplanten Ausstellungen in diesen schwierigen Zeiten immer und immer wieder abgesagt werden, dann eröffnen sie eben einen eigenen Raum. Gemeinsam ziehen Lisa Maria Baier und Katina Rank ihr Ding durch.

Provokante Kunst in Sachsen

Die Idee dafür hatte Lisa Maria Baier. Die 33-Jährige ist bekannt für ihre politischen Provokationen. Deshalb entbrannte in Görlitz ein Streit um ein prämiertes Kunstwerk, das Kritik am restriktiven Abtreibungsverbot im Nachbarland Polen übte.

Lisa Maria Baier vor ihrem Kunstwerk "Kulisse" in Görlitz, das mittlerweile von der Stadt entfernt wurde Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Baier, gebürtige Görlitzerin, wehrte sich juristisch gegen die folgende Kündigung des Vertrages und den angedrohten Abbau – und verlor. Die Neißestadt ließ die umstrittene Installation "Kulisse" vor der maroden Stadthalle kostenpflichtig abbauen und fordert Geld von Baier zurück – immerhin 9.000 Euro. Andere würden sich jetzt vielleicht entmutigen lassen, die Dresdnerin stattdessen suchte sich Verbündete – und gründete zusammen mit ihrer Künstlerkollegin Rank einen eigenen Off Space.

Eigener Kunstraum für Frauen und Queere in Dresden

"BIAS FLINTA* Projects" – so nennt sich der neue Projektraum, dieser Off-Space in Dresden. "Manchmal braucht man solch einen Anstoß wie in Görlitz," sagt Baier. Ohne diesen hätte sie vielleicht nie den Mut gehabt, einen eigenen Raum nur für Frauen und nur für politische Kunst zu eröffnen, erzählt sie weiter.

Lisa Maria Baier will auch provozierende Kunstwerke zeigen können. Bildrechte: dpa

Ich wollte nicht mehr Angst haben müssen, dass meine oder andere Kunst einfach so abgebaut wird, weil sie kritisch ist, weil sie jemanden nicht gefällt oder nicht passt.

Die Künstlerin Lisa Maria Baier

Der Off-Space von Baier und Rank versteht sich als Schutzraum für junge weibliche und queere Künstlerinnen, auf dass sie im täglichen Kampf um Sichtbarkeit für ihre Kunst nicht aufgerieben werden.

Mehr Ausstellungen von Frauen

Frauen sind in der Kunstwelt immer noch unterrepräsentiert. Zwar sind laut Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler mittlerweile über 60 Prozent der Absolventen von Kunstschulen weiblich, die meisten Ausstellungen zeigen jedoch mehr Arbeiten von Männern. In Ausstellungen mit Kunst vor und um 1900 sieht es freilich noch düsterer aus: Gerade einmal ein Prozent der Bilder in diesen Ausstellungen stammen von Frauen.

Künstlerinnen mit aktuell gezeigten Werken. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

Rank kennt diese Zahlen auch. Sie spricht davon, dass die Gesellschaft immer noch patriarchalisch bestimmt sei. Sie erzählt von ihren zwei Kindern und davon, dass ihr schon an der Kunstakademie oft gesagt wurde, dass sie das niemanden gegenüber erwähnen dürfe und auch nicht, warum sie nicht gleich nach der Geburt wieder im Atelier gestanden hätte.

So was hört keiner meiner männlichen Kollegen. Sondern nur ich - weil ich Mutter bin. Ich habe nicht Zeit, ständig im Atelier zu sein, um Kunst zu produzieren.

Katina Rank über die Schwierigkeiten als Frau Künstlerin zu sein

Neue Chancen in Dresden

Susan Donath ist die erste Künstlerin, die diesen neuen Raum bespielen darf. Sie stellt Künstlerstatements vor, die auch auf die Rolle von Künstlerinnen in Zeiten der Pandemie hinweisen. Die Dresdnerin ist froh, dass sie hier die Chance erhält, ihre Arbeit zeigen zu können.

Der Projektraum "BIAS FLINTA* Projects" in der Rudolf-Leonhard-Strasse 19 in Dresden Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

Normalerweise arbeite sie viel in Tschechien und kuratiere dort Ausstellungen. Das bleibe ihr derzeit pandemiebedingt verwehrt, erzählt sie und auch: "Es geht mir gar nicht nur um das schnöde Geld, dass ich für mich, meine beiden Kinder zum Leben benötige." Donath geht es darum, wahrgenommen zu werden, denn sie finde derzeit als Künstlerin kaum statt.

Mit diesem Raum kann ich ein Zeichen setzen: Ich, Susan Donath, Künstlerin, ich arbeite.

Susan Donath über den Projektraum "BIAS FLINTA* Projects"

Die Debatte um das Kunstwerk von Lisa Maria Baier in Görlitz

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Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | 12. Januar 2022 | 19:00 Uhr