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Raubkunstobjekte aus Benin gibt es auch in den Beständen des Museums für Völkerkunde in Leipzig. Bildrechte: dpa

Koloniales RaubgutBenin-Bronzen: Sächsisches Kabinett macht Weg für Rückgabe frei

Stand: 12. Juli 2022, 15:54 Uhr

Die Verhandlungen zur Rückgabe der Raubkunst aus sächsischen Museen sollen aufgenommen werden. Ziel ist eine Kooperation mit Nigeria, bspw. über Leihgaben an die Sächsischen Kunstsammlungen. Das betrifft Benin-Bronzen in den Völkerkundemuseen von Leipzig und Dresden.

Das sächsische Kabinett hat Verhandlungen zur Rückgabe der Benin-Bronzen zugestimmt. Das gab das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus am Dienstag bekannt. Die Verhandlungen mit der Bundesrepublik Nigeria betreffen insgesamt 262 Objekte der Benin-Sammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) aus den Völkerkundemuseen in Dresden und Leipzig.

Umgang mit kolonialem Raubgut

Das Kulturministerium und die SKD wurden vom Kabinett damit beauftragt, mit der nigerianischen Seite über den künftigen Besitz (bspw. Leihgaben und Präsentation in Deutschland) und über weitere Kooperationen zu sprechen. Ziel sei es, Rechtssicherheit über sämtliche Bestände zu erhalten, die Erkenntnisse transparent darzustellen und gegebenenfalls Rückführungen zu veranlassen. Vorausgegangen war die Unterzeichnung einer bundesweiten gemeinsamen Erklärung von Deutschland und Nigeria zum Umgang mit dem kolonialen Raubgut der Benin-Bronzen in deutschen Museen.

"Die Rückübertragung des Eigentums der Benin-Bronzen ist ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der Kolonialgeschichte", sagte Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU). Damit eröffne sich auch die Chance für Kooperationen sächsischer und nigerianischer Museen. "Denn Kultur ist seit Jahrhunderten ein wichtiger Brückenbauer und die Grundlage für unsere Zusammenarbeit."

Kooperationen und Ausstellungen

"Wir hatten die bewusste Entscheidung getroffen, die Benin-Bronzen in Sachsen vor der Unterzeichnung der Erklärung nicht auszustellen", sagte Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen (SES) innerhalb der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Leiterin des GRASSI Museums für Völkerkunde zu Leipzig, des Museums für Völkerkunde Dresden und des Völkerkundemuseums Herrnhut. "Mit dem heutigen Tag ergeben sich zukunftsgewandte Möglichkeiten der Kollaborationen und neue Ausstellungsformate."

Über die Benin-BronzenDie Bezeichnung "Benin-Bronzen" ist ein Sammelbegriff für mehrere tausend Objekte aus dem Palast des Königreichs von Benin im heutigen Nigeria. Britische Kolonialtruppen eigneten sich die Objekte durch die gewaltvolle Plünderung des Königspalasts 1897 an und brachten die Objekte nach Großbritannien. Über Versteigerungen oder private Verkäufe in London, aber auch über den Handel auf dem afrikanischen Kontinent gelangten die Objekte dann in großer Zahl in europäische und nordamerikanische Sammlungen, davon ca. 1.100 nach Deutschland. Sie stehen derzeit im Mittelpunkt in der Debatte um koloniales Raubgut in deutschen Museen. Die SKD haben mit 262 Objekten deutschlandweit den zweitgrößten Bestand an Benin-Bronzen in ihren Sammlungen, welche auf diese Plünderung zurückgehen.

Quelle: Pressemitteilung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft Kultur und Tourismus, DPA; Redaktionelle Bearbeitung: Hanna Romanowsky

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 12. Juli 2022 | 16:30 Uhr