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Palais im Großen GartenInteraktive Ausstellung bringt Notre-Dame nach Dresden

von Andreas Roth, MDR KULTUR

Stand: 05. August 2022, 09:50 Uhr

Der Brand von Notre-Dame erschütterte 2019 die Welt, sieben Stunden lang stand die berühmte Kathedrale in Flammen. Mit dieser Szene beginnt die interaktive Ausstellung "Notre-Dame de Paris – Weltreise einer Kathedrale" im barocken Palais des Großen Gartens in Dresden. Auf circa 850 Quadratmetern wird die Geschichte von Notre-Dame mittels 3D und Augmented Reality aufgerollt – von den Plänen ihrer Erbauung bis zum Wiederaufbau.

Im Dresdner Großen Garten steht neuerdings eine Kathedrale. Nicht irgendeine: Es ist keine Geringere als Notre-Dame de Paris. Das gotische Bauwerk wird seit dem verheerenden Feuer im April 2019 restauriert – in Form einer interaktiven Ausstellung aber geht sie auf Weltreise. Und ist nach ersten Stationen in Dubai, Paris und Washington nun im barocken Palais im Dresdner Großen Garten zu sehen.

"Unsere Idee war: Wenn keiner mehr in die Kathedrale kommen kann, bringen wir die Kathedrale zu den Menschen in aller Welt", sagt Bruno de Sa Moreira vom französischen Start-up Histovery. Seine Firma entwickelt seit Jahren für renommierte Museen in vielen Ländern eine neuartige Technik: Mit Tablets in den Händen können Besucherinnen und Besucher auf Zeitreise gehen. So können sie nun auch in der Dresdner Ausstellung an 22 Stationen Notre-Dame erkunden.

Interaktive Reise durch die Geschichte von Notre-Dame

Es ist ein Ritt durch die Jahrhunderte. Vom Brand vor drei Jahren geht es zurück an die Wiege der Kathedrale in das Jahr 1180. Steinmetze bearbeiten riesige Blöcke, Arbeiter balancieren auf schwindelerregenden Gerüsten, Pferde schleppen Material herbei – auf den Tablets scheint all das fast lebendig zu sein.

Notre-Dame im Jahr 1180: Die Bauphase der Kathedrale dauerte knapp 200 Jahre (1163-1345). Bildrechte: Histovery

"Es geht bei dieser Ausstellung nicht um ein Gebäude", sagt Katja Jaeckel von Histovery. "Das Hauptaugenmerk lenken wir auf die Personen, die Notre-Dame erträumt, erdacht, gebaut, verändert, auch zerstört haben. Es ist eine Begegnung mit Menschen – und zwar nicht nur mit den Berühmten."

Auf ihrem Tablet können Besucherinnen und Besucher in die Vergangenheit eintauchen. Sich umsehen, heranzoomen, tiefer in die Geschichte einsteigen – und dabei Überraschendes entdecken. Zum Beispiel, dass das finstere Mittelalter gar nicht finster war, sondern hell und farbenfroh. Historisch sei alles verbürgt und geprüft, versichert Katja Jaeckel: "Wir arbeiten immer mit wissenschaftlichen Kommissionen." Darunter waren Feuerwehrleute aus dem April 2019 ebenso wie Mittelalter-Expertinnen.

Die Ausstellung zeigt die wichtigsten Stationen in der Geschichte Notre-Dames, wie etwa die Kaiserkrönung Napoleons I. im Jahr 1804. Bildrechte: Histovery

Dresdner Palais als idealer Ausstellungsort

Dass die vom Brand zerstörte Kathedrale Notre-Dame nun ausgerechnet im barocken Palais im Dresdner Großen Garten wieder lebendig wird, ist kein Zufall. Nicht nur, weil die französischen High-Tech-Historiker von Histovery bereits mit den Schlössern in Meißen und Moritzburg zusammengearbeitet haben. Es ist der von Zerstörungen gezeichnete Innenraum des Dresdner Palais, der einen eindrucksvollen Rahmen für die Wiederauferstehung von Notre-Dame bildet.

Das Palais im Großen Garten Dresden bietet eine beeindruckende Kulisse für die Notre-Dame-Ausstellung. Bildrechte: Histovery

"Das Palais im Großen Garten hat seine eigenen Brandwunden durch den Krieg", sagt Christian Striefler, der Direktor der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten in Sachsen. "Man hat fast das Gebäude von Notre-Dame hierher gebracht und man sieht die Wunden der Zerstörung dennoch."

Notre-Dame ist wie das Haus einer universellen Familie.

Bruno de Sa Moreira, Histovery-Gründer

Die Geschichte der Pariser Kathedrale ist ohnehin reich an Verwerfungen – und ist auch damit ein universales Symbol. Denn Notre-Dame zeigt das ganze Drama zwischen einer säkularen Gesellschaft und der Religion. Nach der Französischen Revolution war das Gotteshaus verwüstet worden, die Revolutionäre machten einen Tempel der Vernunft aus ihm – und ein Weindepot. Später wurde Notre-Dame verstaatlicht. Nach dem Brand 2019 aber gab es eine weltweite Welle der Trauer – und der Hilfsbereitschaft, dieses Gotteshaus zu retten.

"Unsere Ausstellung wurde das erste Mal in einem nicht-christlichen Land gezeigt, in Dubai, auf der Weltausstellung", sagt der Histovery-Gründer Bruno de Sa Moreira. "Und ganz unabhängig von Glauben und Kultur war das Publikum von der Kathedrale berührt. Notre-Dame ist wie das Haus einer universellen Familie."

Die interaktive Ausstellung "Notre-Dame de Paris – Weltreise einer Kathedrale" ist ein Erlebnis für die ganze Familie. Bildrechte: Histovery

Mehr Informationen zur Ausstellung

"Notre-Dame de Paris – Weltreise einer Kathedrale"
6. August bis 8. Januar 2023
Großer Garten I Hauptallee 10, 01219 Dresden
Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr

(Redaktionelle Bearbeitung: Rebekka Adler)

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 06. August 2022 | 08:45 Uhr