Ausstellung SLUB Dresden zeigt unkonventionelle Künstlerbücher der späten DDR

Ausstellung "Common Sense" in der SLUB Dresden 4 min
Bildrechte: SLUB Dresden/Ramona Ahlers-Bergner

Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) zeigt bis Anfang Juli originalgrafische Künstlerbücher und -zeitschriften aus ihrem Bestand. Wie Kuratorin Simone Fleischer am Dienstag sagte, gehört dazu auch der Almanach "Common Sense". Die Ausstellung mit dem Titel "Der gemeinsame Nenner" widmet sich damit einem Genre, das besonders im letzten Jahrzehnt der DDR ein wichtiges Publikationsmedium für Kunstschaffende, Schriftstellerinnen und Schriftsteller war.

Blick auf ein Künstlerbuch: Auf einer Papierbahn steht ein langer Text in dem Wörter mit Farbmarkierungen hervorgehoben sind. Das Titelblatt ist mit kindlichen Malereien verziert.
Die Künstler Ulrich Tarlatt und Jörg Kowalski haben dieses bunte Künstlerbuch gemeinsam gestaltet. Bildrechte: SLUB Dresden/Ramona Ahlers-Bergner

Künstlerbücher gewähren Einblick in die späte DDR

Nach Angaben der Bibliothek nutzten Künstlerinnen und Künstler in der DDR schon Ende der 70er-Jahre Künstlerbücher als Medium, um ihre Gedanken und auch Kritik an der gesellschaftlichen Realität der späten DDR zu äußern.

Blick auf das Kunstbuch "Corse": Grob geschöpftes Papier wird von einem Holzstab zusammengehalten, auf dem Titelblatt steht Text und eine rot-schwarze Grafik.
Künstlerbuch von Ulrich Tarlatt, 1991 erschienen in der edition augenweide. Bildrechte: SLUB Dresden/Ramona Ahlers-Bergner

In Kleinstauflagen und Eigenregie hergestellt, unterliefen sie damit die restriktiven Genehmigungsverfahren im Verlagswesen. So entstanden eigenwillige und unkonventionelle Bücher und Periodika, die in Auflagen von oft nur 10 bis 30 Stück außerhalb der üblichen Wege in der DDR vertrieben wurden. Die damalige Landesbibliothek in Dresden erwarb diese Publikationen seit Anfang der 80er-Jahre und ab 1989 auch den Almanach – vom ersten Band bis zum Abschluss der Reihe 2018.

Grafik- und Künstlerbuchsammlung in Dresden seit 1986

Die Dresdner Schau setzt den Almanach in den Kontext der 1986 gegründeten Grafik- und Künstlerbuchsammlung der SLUB, deren Schwerpunkt auf der nonkonformen Buchkunst der späteren DDR liegt. "Eine wunderbare Gelegenheit, neue Fragen an ihre Geschichte, an die Provenienz der Objekte, an Protagonisten und Sammlungsprofil zu stellen", so Kuratorin Fleischer.

Blick in die Ausstellung "Common Sense" in der SLUB Dresden: Bücher liegen auf einem Podest unter Glas, im Hintergrund hängen Drucke an der Wand.
In der Vitrine sind frühe Erwerbungen der Grafik- und Künstlerbuchsammlung der SLUB Dresden zu sehen. Bildrechte: SLUB Dresden/Ramona Ahlers-Bergner

Weitere Informationen Die Ausstellung "Der Gemeinsame Nenner.
30 Jahre Künstlerbuch-Almanach COMMON SENSE und die Grafik- und Künstlerbuchsammlung der SLUB" ist bis zum 3. Juli zu sehen.

Adresse:
Zellescher Weg 18
01069 Dresden

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Februar 2022 | 08:10 Uhr

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