Zeitreise "Zwinger Xperience": Das Museum der Zukunft in Dresden erleben

In die Geschichte des Dresdner Zwingers kann man nun in einer multimedialen Ausstellung eintauchen. Was steckt hinter dem martialischen Namen "Zwinger"? Wie groß sollte der Bau eigentlich noch werden? Und warum war August der Starke so ein Orangen-Fan? Aufwendige Projektionen und Virtual-Reality lassen die Vergangenheit des berühmten Bauwerks und die utopischen Pläne August des Starken lebendig werden.

Zwinger Xperience, Ballonflug
Besucherinnen in der Ausstellung Zwinger Xperience Bildrechte: Thomas Schlorke

In Dresden erweckt jetzt ein neues Ausstellungsprojekt die Geschichte des Zwingers zu neuem Leben: "Zwinger Xperience" startet am 30. Juni, wie das Schlösserland Sachsen mitteilte. Das Besondere daran: Es gibt keine Exponate. Stattdessen lassen aufwendige Projektionen und Virtual-Reality-Erlebnisse die Besucherinnen und Besucher in die Vergangenheit eintauchen. Bisher beherbergte der Zwinger zwar mit der Gemäldegalerie oder der Porzellansammlung selbst hochkarätige Ausstellungen – mit viereinhalb Millionen Gästen pro Jahr! –, über die Geschichte des historischen Orts gab es bis jetzt nur wenig zu erfahren.

Über zehn Jahre Entwicklung und drei Millionen Euro stecken in dem Projekt des Schlösserlandes Sachsen. Augen und Ohren sind hier laut MDR KULTUR-Landeskorrespondentin Birgit Fritz permanent gefragt: "Man hat das Gefühl, mit einem Ballon über den Zwinger zu fliegen oder mit dem Fahrrad durch die Zeit, wobei man wirklich selber in die Pedale treten muss, mit einer großen 3D-Brille auf der Nase, einen Schaltknüppel in der Hand."

Man bekommt wirklich in kurzer Zeit eine große Fülle von Wissen geliefert.

MDR KULTUR-Landeskorrespondentin Birgit Fritz

Menschen sitzen in VR-Bikes
Mit VR-Brille und Schaltknüppel geht es in "Zwinger Xperience" mit dem VR-Bike durch die Zeit. Bildrechte: Thomas Schlorke

Warum heißt der Zwinger eigentlich Zwinger?

In der Ausstellung erfährt man unter anderem, woher der irreführend martialische Name des Bauwerks stammt. Namensgebens war die Lage zwischen innerer und äußerer Befestigungsmauer. Der Zwinger-Bau begann mit einer Skizze des Fürsten August des Starken 1709. Für die Jahrhunderthochzeit 1719 seines Sohnes Friedrich August II. mit Kaisertochter Maria Josepha von Österreich wurde er zur monumentalen Festarchitektur mit rund 670 Figuren, die in Nischen und auf Simsen stehen.

Menschen an Medienstationen
Alle Informationen sind in der Ausstellung multimedial aufbereitet. Bildrechte: Thomas Schlorke

Damit aber nicht genug: Es gab noch viel größere Vorhaben von August dem Starken, auch über diese fast grenzenlosen Pläne erfahren Interessierte in der Ausstellung mehr, Pläne, "die sich bis zur Elbe hinzogen. Dann wäre der Zwinger sozusagen nur der Vorgarten gewesen", erzählt Landeskorrespondentin Fritz. Ein Versailles in Dresden. Passiert ist davon nichts, doch in der Schau werden die Träume des Kurfürsten zum Leben erweckt.

Das ist nach den historischen Plänen, nach der Forschung gearbeitet worden.

MDR KULTUR-Landeskorrespondentin Birgit Fritz
Zwinger Xperience, Ballonflug 7 min
Bildrechte: Thomas Schlorke

Sächsischer Kurfürst als Orangenliebhaber

Ausgangspunkt für den Zwinger war die Orangerie des Fürsten. Eine Leidenschaft von August dem Starken, damals eine Luxussammlung, teuer wie das Porzellan. Sie dienten zur Selbstdarstellung und Erhöhung des Fürsten, erklärt Landeskorrespondentin Fritz. "Das wird in der Ausstellung auch sehr anschaulich gemacht. Die Orangen sind die goldenen Früchte der Hesperiden und er, August der Starke, er hat sie."

Menschen betrachten Orangen
Am Anfang des Dresdner Zwingers stand die kurfürstliche Orangerie. Gäste der Ausstellung erfahren dabei auch, warum August der Starke seine Orangenbäume so liebte. Bildrechte: Thomas Schlorke

Schließlich sind auch die Zerstörung und der Wiederaufbau des Dresdner Wahrzeichens Thema der Ausstellung. Schnell wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Wiederaufbau des Zwingers begonnen, während ein großer Teil der Stadt noch in Trümmern lag. Landeskorrespondentin Birgit Fritz erklärt: "Der Zwinger hat für Dresden eine große ideelle Bedeutung, die weit über seine kunsthistorische hinausgeht." Ein Stück davon wird in der immersiven Ausstellung "Zwinger Xperience" nun für alle Interessierten erfahrbar.

Mehr Informationen Zwinger Xperience

Dresdner Zwinger
Bogengalerie L
Theaterplatz
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
täglich 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr

Eintritt:
10 Euro, ermäigt 8 Euro
Kinder 6 bis 16 Jahre: 3 Euro

im Kombiticket mit der Ausstellung "Festung Xperience":
(je 3 Tage gültig)
16 Euro, ermäßigt: 13 Euro
Kinder 6 bis 16 Jahre: 5 Euro

Corona-Schutz-Maßnahmen:
Aktuell ist kein tagesaktueller Negativtest erforderlich. Am Eingang werden die Kontaktdaten erfasst. Das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes in der Ausstellung ist Voraussetzung für den Besuch. Die VR-Brillen werden nach jedem Gebrauch gereinigt und desinfiziert. Zusätzlich wird ein Einweg-Gesichtsschutz angeboten, der vor dem Aufsetzen der Brille angezogen werden kann.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Juni 2021 | 07:10 Uhr

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