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Curt Elschner-GalerieEisenach: Thüringer Museum bringt Kunstschatz wieder ans Licht

von Ruth Breer, MDR THÜRINGEN

Stand: 02. Februar 2022, 09:44 Uhr

Das Thüringer Museum Eisenach zeigt in seiner ersten Ausstellung nach der Sanierung des Stadtschlosses einen wahren Kunstschatz. 30 Jahre lang waren die Bilder, die hauptsächlich aus der privaten Kunstsammlung des Mäzens und Hoteliers Curt Elschner stammen, der Öffentlichkeit verborgen. Unter dem Titel "Mensch. Licht. Natur." sind die Kunstwerke, die einen Querschnitt durch die Malerei des 19. Jahrhunderts zeigen, in der nach ihm benannten Galerie im Schloss erstmals wieder zu sehen.

Lange vermisst! Endlich! – So freuen sich Eisenacher im Gästebuch des Thüringer Museums und kündigen an: "Wir kommen nochmal". Grund ihrer Freude ist die neue Ausstellung "Mensch. Licht. Natur." Sie zeigt erstmals seit 30 Jahren wieder eine Auswahl an Gemälden aus den eigenen Beständen, vorwiegend aus der Sammlung von Curt Elschner, die der Hotelier und Mäzen dem städtischen Museum im Jahr 1927 in Form einer Stiftung zur Verfügung stellte.

Zu sehen sind rund 50 Bilder – "ein Querschnitt durch die Malerei des 19. Jahrhunderts mit sehr repräsentativen Werken dieser Zeit", sagt Achim Heidenreich, Kulturamtsleiter und amtierender Museumschef.

Ausstellung zeigt Bilder der Weimarer Malerschule

Die Bilder stammen vor allem aus dem deutschen Raum und entsprechen dem Stil der Düsseldorfer, Weimarer und Münchner Malerschule. Friedrich Preller der Ältere ist mehrfach vertreten, Heinrich Zügel, Josef Israels, Mihály von Munkàcsy oder Ludwig von Gleichen-Rußwurm. Die Auswahl wurde zum einen nach dem Motiv getroffen, sagt Heidenreich.

Zu sehen sei fast immer der Mensch in seiner Lebenswirklichkeit, egal ob im großbürgerlichen Salon mit exotischer Topfpflanze oder beim Musizieren, ob Mutter mit Kindern beim Putzen der Kupferkessel oder Netzflickerinnen bei der Arbeit. Zum anderen stünden die Maler bei diesen Werken "mit einem Bein in der Moderne": Zu erkennen sei eine neue Denkweise, die herangereift sei, dass es nämlich beim Malen darum gehe, Licht darzustellen, so Kulturamtsleiter Heidenreich.

Aus der Stiftung Curt Elschner-Galerie stammt das Ölgemälde "Kesselputzerinnen" von Walther Firle (1859-1929). Bildrechte: Ruth Breer/MDR Thüringen

Gemälde von Anselm Feuerbach noch unter Verschluss

Auch Werke von Franz von Lenbach und Anselm Feuerbach finden sich in der Eisenacher Sammlung, sind aber derzeit noch nicht ausgestellt. Feuerbachs Gemälde "Romeo und Julia" soll bis zum Frühjahr präsentiert werden, verspricht Heidenreich. Das Werk gehe immer wieder auf Reisen, sei auch international sehr gefragt. Umso stolzer sei das Thüringer Museum, das Bild in seinem Magazin zu haben – und demnächst auch in der Ausstellung.

Schloss mit Rokoko-Saal nach 30 Jahren fertig saniert

Geduld haben die Eisenacher Kunstfreunde bereits gelernt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Das Schloss hat die Stadt Eisenach seit der Wende in kleinen Schritten saniert. Der Nordflügel mit seinem besonderen Schmuckstück, einem Rokoko-Saal, kam als letzter an die Reihe. Dann gab es längere Debatten über das künftige Ausstellungskonzept. Zwischenzeitlich sollte es für 300.000 Euro ausgeschrieben werden.

Die vorherige Museumsleitung stand bei Teilen des Stadtrats und der Bürgerschaft in der Kritik. Nun hat der Kulturamtsleiter den Job mitübernommen und innerhalb recht kurzer Zeit mit dem Museumsteam eine Ausstellung auf die Beine gestellt. Sie beleuchtet auch die Sammlungsgeschichte.

Das Schmuckkästchen im Nordflügel des Stadtschlosses: der Rokoko-Saal liegt auf dem Rundgang durch die Gemälde-Ausstellung. Bildrechte: Ruth Breer/MDR Thüringen

Galerie bereichert die Thüringer Kunstwelt bis heute

Es war wohl ein Glücksfall, dass sich vor knapp einhundert Jahren in Eisenach zwei Männer begegneten, deren Anliegen so gut zusammenpassten. Auf der einen Seite Oberbürgermeister Friedrich Janson mit dem Anliegen, die Stadt kulturell stärker zu profilieren. Und auf der anderen der erfolgreiche Hotelier, Kunstsammler und Mäzen Curt Elschner, der seine Sammlung gern öffentlich präsentieren wollte.

Wer war der Kunstsammler und Hotelier Curt Elschner?

Das Portrait von Curt Elschner zeigt den Mäzen im Jahr 1925 – zwei Jahre vor der Gründung seiner Galerie in Eisenach. Bildrechte: Ruth Breer/MDR Thüringen

Curt Elschner war ein sehr erfolgreicher Unternehmer. Im Jahr 1876 in der Nähe des thüringischen Apolda geboren, betrieb er in mehreren Städten Hotels, Restaurants und Café. Das größte war das Hotel "Excelsior" in Berlin, das zeitweise als das größte des Kontinents galt und mit einem Tunnel mit dem gegenüberliegenden Anhalter Bahnhof verbunden war.

Von der luxuriösen Ausstattung der damaligen Häuser zeugen Postkarten, die in der Ausstellung zu sehen sind. Auch das Hotel auf der Wartburg hatte Elschner gepachtet. Für sein Mäzenatentum wurde er mit mehreren Ehrenbürgerwürden ausgezeichnet, so auch in Eisenach. Von der Universität Würzburg, der er eine Sternwarte spendiert hatte, erhielt er den Ehrendoktortitel.

"Sie werden, verehrtester Herr Oberbürgermeister, für Eisenach wirklich eine Galerie bekommen, die für Thüringen hoffentlich eine Zierde sein wird", schrieb Elschner im Jahr 1925 an Janson. Zwei Jahre später wurde die Stiftung Curt-Elschner-Galerie gegründet, die vom Thüringer Museum seither mitgepflegt wurde. "Bürgerschaftliches Engagement der 1920er Jahre", sagt Achim Heidenreich.

Das Thüringer Museum ist im Nordflügel des Eisenacher Stadtschlosses beherbergt, das in den vergangenen Jahren aufwändig saniert wurde. Bildrechte: Ruth Breer/MDR Thüringen

Eisenacher Gemäldesammlung umfasst rund 400 Werke

In die neugegründete Stiftung in Eisenach brachte Elschner zunächst vor allem diejenigen Werke ein, die in seinem bayerischen Feriendomizil hingen. Später erwarb er gezielt im Kunsthandel Gemälde für die städtische Galerie. Ankäufe der Museumsleitung und weitere Schenkungen Elschners und anderer privater Geber erweiterten in der Folge den Bestand.

Dabei wurde immer mehr Wert auf Stadtbezug und Regionalität gelegt. Während der DDR-Zeit wurde die Stiftung auf Antrag der Stadt aufgelöst – unrechtmäßig, sagt Heidenreich. Erst im Jahr 2001 nahm sie wieder ihre aktive Tätigkeit auf. Zur Gemäldesammlung gehören mittlerweile rund 400 Kunstwerke. Wie viele davon zur Elschner-Stiftung gehörten, lässt sich nach Angaben des Kulturamtsleiters noch nicht genau sagen.

Das Gemälde "Masken" (1957) von Franz Markau gehört zum Bestand des Thüringer Museums und ist in der Ausstellung im Eisenacher Schloss zu sehen. Bildrechte: Ruth Breer/MDR Thüringen

Ausstellung zur DDR-Geschichte der Galerie geplant

Die aktuelle Ausstellung bezeichnet Heidenreich als ersten Aufschlag. Noch in diesem Jahr sollen weitere Werke gezeigt werden. Gleichzeitig wird versucht, die Herkunft der Bilder zu klären. Der Kulturamtsleiter könnte sich auch Ausstellungen zu denjenigen Gemälden vorstellen, die das Museum in der DDR-Zeit gesammelt hat. Aber er macht auch darauf aufmerksam, dass noch viel zu tun ist.

Das betrifft zum einen die Magazine, die technisch erneuert werden müssten. Aber auch der Zustand der Gemälde sei "nicht immer einwandfrei". Es gebe "erhöhten Restaurierungsbedarf". Bei einigen Werken in der Ausstellung wird diskret auf diesen Bedarf hingewiesen. Heidenreich hofft auch da wieder auf bürgerschaftliches Engagement – der 2020er Jahre.

Das Thüringer Museum mit der Curt Elschner-Galerie befindet sich seit 1931 im Eisenacher Schloss. Bildrechte: Ruth Breer/MDR Thüringen

Weitere Informationen"Mensch.Licht.Natur. Bilder aus der Curt Elschner-Galerie und dem Thüringer Museum Eisenach"

Thüringer Museum Eisenach
Markt 24
99817 Eisenach

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr

Für den Museumsbesuch gilt aktuell die 2G-Regel.

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Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | "Marlene" | 30. Januar 2022 | 21:20 Uhr