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"Unter blauen Himmeln" im AngermuseumAltmeister trifft Newcomer: Wolfgang Mattheuer und Markus Matthias Krüger in Erfurt

von Wolfgang Schilling, MDR KULTUR

Stand: 02. August 2022, 14:25 Uhr

In der neuen Ausstellung im Angermuseum Erfurt mit dem Titel "Unter blauen Himmeln" treffen gleich zwei Größen ihres Fachs aufeinander: der 1981 geborene Markus Matthias Krüger und Wolfgang Mattheuer (1927-2004). Der gemeinsame Fixpunkt der aus unterschiedlichen Generationen stammenden Maler, die beide an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) studierten, ist die "Leipziger Schule". Trotz des Altersunterschieds von über 50 Jahren begegnen sich ihre Werke in Erfurt auf Augenhöhe.

"Unter blauen Himmeln" – so der Titel der Ausstellung – sind hier in Erfurt gleich zwei Künstler unterwegs, die ihre malerische Schule in Leipzig gefunden haben. Der Direktor des Angermuseums, Kai Uwe Schierz, stellt uns den einen, Wolfgang Mattheuer, bezugnehmend auf seine hier gezeigten Bilder, als einen Landschaftsmaler vor, der in der Tradition der neuen Sachlichkeit steht, aber auch deutliche Bezüge zum Schaffen eines Hans Thoma im 19. Jahrhundert sowie zu den Malern der deutschen Romantik erkennen lässt.

"Verlorene Mitte" von Wolfgang Mattheuer (1982): Zu sehen in der aktuellen Ausstellung im Angermuseum Erfurt. Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Altmeister aus dem Vogtland trifft auf Newcomer aus der Altmark

Der 1927 in Reichenbach geborene Mattheuer stirbt 2004 und damit ein Jahr bevor Markus Matthias Krüger sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig aufnahm. Dem 1981 in Gardelegen in Sachsen-Anhalt Geborenen stand die weite Welt der Kunst und ihrer Ausbildungsstätten offen. Warum hat er gerade Leipzig als seine malerische Schule ausgewählt? Der lange schlaksige Typ mit den Hippie-Haaren und dem kleinen Schnauzer stellt sich selbst als einen bodenständigen Typ vor, der nicht groß rumkommen muss und sich das, was er zum Auffüllen der eigenen Defizite braucht, in der näheren Umgebung sucht.

Fixpunkt "Leipziger Schule" 

Und so bewarb er sich als in Halle ansässiger Mensch nicht nur in Leipzig, sondern aus pragmatischen Gründen auch an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Geworden ist es dann Leipzig, wo er heute noch lebt und arbeitet. Von 2005 bis 2013 hat er an der HGB studiert, zuletzt als Meisterschüler bei Annette Schröter. Womit eine Verbindungslinie zur "Leipziger Schule" und dem Schaffen von Wolfgang Mattheuer gezogen werden kann – den wir hier auch neu entdecken können. Denn viele seiner in Erfurt gezeigten Bilder stammen aus privaten Sammlungen. Man erkennt sie, ohne sie kennen zu können.

Der Leipziger Maler Wolfgang Mattheuer gehörte seit Mitte der 60er-Jahre zu den prägenden Persönlichkeiten in der Leipziger Kunstszene. Bildrechte: dpa

Die Bilder von Markus Matthias Krüger kann, muss man aber noch nicht kennen. Seine hyperrealistischen gemalten, in ihrer Wirkung fast schon surrealen Landschaften brennen sich aber sofort ein. Nicht nur wegen des zeichenhaft in Flammen stehenden Baumes inmitten einer fast militärisch aufgereihten Waldanordnung am künstlichen See. Oder der Heuballen, die variantenreich auf abgemähten Feldern paradieren, wie die Eigenheime in immer wieder überfluteter Landschaft, in der es schon lange keine Menschen mehr gibt. Er könne Figuren malen, sagt der Maler. Doch die können seinen Bildern, die er selbst als Zeichen oder Skulpturen sieht, nichts Substanzielles hinzufügen, würden deren Botschaft eher verwässern, erklärt der 41-Jährige.

Markus Matthias Krüger studierte, genau wie Mattheuer, an der HGB Leipzig. Bildrechte: Galerie Schwind

Im Angermuseum Erfurt vereint: Wolfgang Mattheuer und Markus Matthias Krüger

Man kann sich dem Endzeitgrusel dieser wie auf einer Modelleisenbahnplatte konstruierten Kunstlandschaften kaum entziehen. Womit wir bei der Arbeitsweise des Malers wären, die Krüger fast wie einen Konstruktionsprozess beschreibt. Ausgehend von einer mit Kohlestift gezeichneten Horizontlinie berechnet er die Größenverhältnisse des Dargestellten mit dem Taschenrechner, zieht offenbar Perspektivlinien mit Fäden von den Wänden seines Ateliers auf die Leinwände, setzt Fixpunkte für noch Fehlendes, spricht von Vektoren und Massen, die es in Einklang zu bringen gilt.

"Überschwemmte Siedlung" von Markus Matthias Krüger (2019) Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Doch er wird dabei nicht zum seelenlosen Konstrukteur. "Irgendwann kommt der Stein ins Rollen, fängt das Bild an, von selber zu wachsen, und man reagiert auf die Dinge, die man vorher angestoßen hat", beschreibt er seinen Arbeitsprozess, an dessen Ende eine faszinierende Malerei steht, die ihre Botschaft nicht vordergründig plakativ, sondern eher emotional verpackt an den Betrachter weiterreicht. In jedem Fall auf Augenhöhe mit den Werken des Altmeisters Mattheuer. Zwei Große ihres Fachs sind hier in Erfurt unter ihren, im Übrigen, nicht nur strahlend blauen Himmeln vereint.

Wolfgang Mattheuers Gemälde "Schrebergärten und Neubauten" (Neumark im Vogtland), 1972 Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Informationen zur Ausstellung

  • "Markus Matthias Krüger und Wolfgang Mattheuer – Unter blauen Himmeln"
  • Ausstellungsort: Angermuseum Erfurt, Anger 18, 99084 Erfurt
  • Laufzeit: 31. Juli bis 6. November 2022
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr

(Redaktionelle Bearbeitung: Rebekka Adler)

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 02. August 2022 | 16:10 Uhr