Künstlerinnenporträt Zwischen Naturtalent und Selbsbewusstsein: Die Thüringer Malerin Helene Rimbach

Im Alter von 20 Jahren hat die Künstlerin Helene Rimbach derzeit schon eine Ausstellung im Erfurter Naturkundemuseum. Ihre Tierporträts faszinieren durch ihren Detailreichtum. Wie sie damit umgeht, an der Kunsthochschule "wegen mangelnden Talents" abgelehnt worden zu sein und was sie am Malen von Vögeln fasziniert - ein Portrait.

Zwei Lappengeier- Tier-Porträt von Helene Rimbach
Beim Betrachten von Rimbachs Tierporträts kann man sich in dem Detailreichtum verlieren Bildrechte: Naturkundemuseum Erfurt / Helene Rimbach

Lange Locken, Nickelbrille und Hut – zur Vernissage hat sich die zwanzigjährige Helene Rimbach ein bisschen flippiger in Szene gesetzt als sonst. Sie will etwas mehr wie eine aus der Kunstszene wirken. Dabei hat Rimbach Beachtliches vorzuweisen. Schon mit 14 holte sie mit ihren Zeichnungen Preise, vorwiegend waren es detailgetreue Vogelskizzen. Das Porträt eines Halsbandsittichs überzeugte die Jury eines Vogel-Zeichen-Wettbewerbs. Von da an war sie mit ihren Porträts der gefiederten Tierwelt bei den Ornithologen landauf und landab gefragt. Immer wieder bekam sie Aufträge für Plakate, Zeitschriften, Flyer.

Helene Rimbach, eine junge Frau mit Brille und Hut
Die Künstlerin Helene Rimbach Bildrechte: Naturkundemuseum Erfurt / Helene Rimbach

Fürs Kunststudium abgelehnt

Rimbach ist im thüringischen Bad Liebenstein groß geworden. Dort hat sie im Ortsteil Schweina die Kinder- und Jugendkunstschule besucht. Sie probiert sich aus, hat in ihrer Kunstlehrerin eine Förderin und Kritikerin, die sie ermuntert, bei der Stange zu bleiben und sich um ein Kunststudium zu bewerben. Doch damit hat es nicht geklappt. Mit ihrer Bewerbungsmappe kam sie an der Kunsthochschule in Leipzig nicht an.

Ich habe immer gezeichnet, seit ich denken kann und ich wollte immer Kunst studieren.

Helene Rimbach

Sie wurde abgelehnt "mangels künstlerischen Talents". Dort meinte man, sie sei schon zu fertig, sie könne nicht mehr geformt werden. Zu fertig mit 20 Jahren? Rimbach lässt das so nicht stehen: "Also Talent habe ich ja wohl."  Und Selbstbewusstsein. Ihren Traum hat sie nicht begraben, aber erstmal auf Eis gelegt. "Ich werde immer weiter malen und zeichnen, mal sehen, was da noch kommt", sagt sie.

Talent und Begeisterung geerbt

Ihr Talent hat sie wohl geerbt, denn schon ihr Urgroßvater war Malermeister. Der hat nicht nur Wände angestrichen sondern sie auch kunstvoll verziert. Er wollte immer Kunst studieren, durfte es aber nicht. Rimbach erläutert: "Damals waren die Zeiten andere. Aber ich erinnere mich an ein Pferd, das er gezeichnet hatte, das hing in der Wohnstube meiner Oma. Und ich habe ihn bewundert, wie toll er zeichnen konnte."

Aktuell studiert Rimbach an der Bauhaus-Universität in Weimar Architektur. Irgendwie lag auch das nahe. Ihre Mutter ist Architektin, ihr Vater Landschaftsarchitekt. Er ist auch ihr strengster Kritiker und hat sie auf die Fährte gesetzt, Tiere zu zeichnen. Der Hobbyornithologe nahm sie als kleines Mädchen mit zum Wasservögelzählen.

Tier-Porträts von Helene Rimbach, Ein seitlicher Kopf eines schwarzen Jaguars vor schwarzem Grund
Ein schwarzer Jaguar vor schwarzem Grund Bildrechte: Naturkundemuseum Erfurt / Helene Rimbach

Für den Verein der Ornithologen zeichnete die kleine Helene dann Vögel, ganz akribisch, jede Feder so genau, dass die Buntstiftzeichnungen fast wie Fotos wirken. Nach einer Reise in den Krüger-Nationalpark in Südafrika, da war sie in der 1. Klasse, kamen die Big Five dazu. Bei ihren Geparden kann man jedes Schnurrhaar sehen. Und immer wenn ihr ein Gedanke kommt, was sie aufs Papier bringen könnte, wird schnell eine Skizze draus und so liegt auch neben ihrem Bett immer ein Zeichenblock. Im Laufe der Jahre kamen viele, viele Tierporträts zusammen.

Erste große Ausstellung in Erfurt

Die Ornithologen und Freunde des Vaters wussten von den vielen Tierbildern und vermittelten Rimbach an das Erfurter Naturkundemuseum. Das feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag und damit die "Faszination Natur".

Mit ihren erst 20 Jahren hat Rimbach hier bis 24. April eine erste große Ausstellung. 90 Tierporträts sind zu sehen. "Als ich für die Ausstellung angefragt wurde, war ich erst erschrocken. Ich wusste nicht, ob ich überhaupt so viele Werke habe, um zwei Räume zu füllen." Am Ende musste sie sogar viel aussortieren. Alle Werke in der Ausstellung hat sie im Alter zwischen 14 und 19 Jahren gezeichnet.

Die Schau zeigt Rimbachs ganze Bandbreite. Viele ihrer Bilder entstehen mit Farbstiften, aber auch Pastellkreiden und Graphitstifte kommen zum Einsatz. Häufig arbeitet sie auch mit Mischtechnik, bei der in einem Bild zwei oder mehrere Techniken angewandt werden.

Tier-Porträts von Helene Rimbach, Keith Richards von den Rolling Stones neben einem Geier
Beäugt hier Keith Richards von den Rolling Stones den Geier – oder ist es umgekehrt? Bildrechte: Naturkundemuseum Erfurt / Helene Rimbach

Porträts von Ozzy Osbourne, Freddy Mercury oder Keith Richard

Ihre Reihe "Schräge Vögel" zeigt ihren Sinn für Humor. Sie bringt Künstler mit Vögeln zusammen. Ozzy Osbourne, der Lead-Sänger der Heavy-Metal-Band "Black Sabbath" erinnert sie an eine Eule. Freddy Mercury von Queen singt einen Papagei an und Gitarrist Keith Richard von den Rolling Stones bekommt einen Geier zur Seite. Ähnlichkeiten rein zufällig.

Es sind große, bunte Bilder – immer noch sehr realistisch, nah am Original, weder verfremdet noch abstrakt. Doch ihre Stilrichtung ist inzwischen vielseitiger. Mittlerweile finden sich auch abstraktere Werke und verschiedene Malstile.

Zeichnung des Queen-Sängers Freddie Mercury mit einem vor ihm sitzenden Kakadu
Der Queen-Sänger Freddie Mercury war ein Paradiesvogel – so wie der Kakadu, den Helene Rimbach neben ihm porträtiert hat Bildrechte: Naturkundemuseum Erfurt / Helene Rimbach

Ölfarben würden ihr zu sehr im Kinderzimmer stinken

Rimbach illustriert Märchen- und Kinofilme, übt sich in  Porträts von Menschen und Landschaften. "Aber Tiere haben es mir besonders angetan", sagt sie. Gern würde sie auch mit Ölfarben malen, doch "die stinken und ich male ja in meinem Kinderzimmer. Ölfarben und Schlafen, das verträgt sich nicht." Ein Atelier hat sie noch nicht. "Das wird noch", gibt sie sich optimistisch. An ihren Zeichnungen sitzt sie oft wochenlang. Wenn dann nach hunderten Stunden ein Werk fertig ist, oder fertig scheint, könne sie kaum noch beurteilen, ob es wirklich gut ist. Ihr fehle dann einfach die Distanz, sagt Rimbach.

Papageitaucher - Tier-Porträt von Helene Rimbach
Ein Papageitaucher, seit 2015 gilt die Tierart als gefährdet Bildrechte: Naturkundemuseum Erfurt / Helene Rimbach

Für die einen ist die Thüringerin ein Ausnahmetalent, das noch viel Potential hat, für andere eine, die einfach nur gut malen kann. Sie wäre aber nicht die junge, selbstbewusste Frau mit einer eigenen Ausstellung, wenn die Kritik sie aufhalten würde: "Jetzt studiere ich Architektur und dann werden wir sehen, was noch kommt", gibt sie sich optimistisch.

Die Ausstellung "Faszination Natur"

Naturkundemuseum Erfurt
Große Arche 14
99084 Erfurt

Die Ausstellung der Künstlerin Helene Rimbach ist bis 24. April zu sehen.

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr | Jeder 1. Dienstag im Monat eintrittsfrei.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. März 2022 | 19:00 Uhr

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