"Family Affairs" Fotografie: Kunsthalle Erfurt zeigt besondere Familienporträts

Die Ausstellung "Familiy Affairs" in der Kunsthalle Erfurt zeigt Fotografien von Familien: neue Perspektiven jenseits der traditionellen Aufstellung mit Mutter, Vater, Kind. Fotografinnen und Fotografen aus 20 Ländern, unter anderem aus Deutschland, Finnland, Australien oder Südafrika zeigen, wie divers Familien heute sind und hinterfragen Geschlechterrollen. Zu sehen sind intime Momente junger Eltern genauso wie Momente des Abschieds. Die Schau läuft bis zum 26. Februar 2023.

Drei Frauen verschiedenen Alters liegen mit geschlossenen Augen aneinandergeschmiegt auf einem roten Sofa
Drei Generationen auf einem Sofa vereint: "Three Generations" von Elinor Carucci ist in der Ausstellung "Family Affairs" in der Erfurter Kunsthalle zu sehen. Bildrechte: Elinor Carucci

Die Erfurter Kunsthalle zeigt ab Freitag in der Ausstellung "Family Affairs" besondere Familienfotos. Rund 130 Arbeiten von mehr als 20 zeitgenössischen Fotografinnen und Fotografen aus Deutschland, Frankreich, Finnland, den USA, Israel oder Südafrika erkunden darin, was Familie heute bedeutet.

Familienfotos als Spiegel der Gegenwart

Kurator Ingo Taubhorn möchte mit alten Sehgewohnheiten brechen, was für ihn heißt, "nicht nur die Vater-Mutter-Kind-Familien zu sehen", sondern Familie "in ihrer gesamten Diversität zu feiern". Divers wie die gezeigten Familienmodelle sind dabei auch die künstlerischen Zugänge zum Thema. Ausgewählt hat Taubhorn Arbeiten, die in den vergangenen zehn bis 15 Jahren entstanden sind, um festzuhalten, wie internationale Fotografinnen und Fotografen das Genre neu entdecken und die damit verbundenen Normen hinterfragen.

Zwei junge Afrikanerinnen mit verschränkten Armen versetzt hintereinander stehend
Basierend auf Fotoalben und Kleidungsstücken reinszeniert die südafrikanische Multimediakünstlerin Lebohang Kganye Porträts ihrer Mutter. Durch digitale Fotomontage verbinden sich Vergangenheit und Gegenwart. Bildrechte: Kunsthalle Erfurt / Lebohang Kganye
Zwei junge Afrikanerinnen mit verschränkten Armen versetzt hintereinander stehend 4 min
Bildrechte: Kunsthalle Erfurt / Lebohang Kganye
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Intime Momente junger Eltern, Regenbogenfamilien, Chaos und Abschied: Die Kunsthalle Erfurt zeigt in der Fotografieausstellung "Family Affairs", wie divers Familien heute sind und hinterfragt Geschlechterrollen.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 03.12.2022 06:00Uhr 04:00 min

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Zu sehen sind sehr persönliche Arbeiten und politische Statements, überkommene und neue Rollenbilder werden reflektiert. Die Fotografien zeigen intime Momente des Elternseins und des Älterwerdens, das Leben in seiner Fülle und den Abschied davon. Dass Menschen in Familien nicht nur Liebe und Halt, sondern ebenso Gewalt und Verzweiflung erfahren können, auch diese Facette hat Taubhorn in seiner Auswahl nicht außer Acht gelassen.

Erfurter Ausstellung "Family Affairs" beleuchtet Rollenbilder

Taubhorn ist Kurator des Hauses der Photographie an den Deichtorhallen Hamburg. Dort war die Ausstellung coronabedingt nur kurze Zeit zu sehen, in Erfurt läuft sie nun bis zum 26. Februar 2023.

Vertreten ist darin etwa Katharina Bosse mit ihrer Serie "A Portrait of the Artist as Young Mother". Eines der Bilder zeigt sie als junge Mutter halb entblößt mit zwei kleinen Kindern auf dem Arm und beim Stillen, der Titel spielt an auf den bestehenden Zwiespalt, die Rolle als Mutter mit Beruf und Berufung zu vereinen.

Eine junge Mutter mit Säugling und Kleinkind auf dem Arm unter Bäumen
Katharina Bosse zeigt ihre Sicht auf die Mutterrolle: "A Portrait of the Artist as a Young Mother" in der Ausstellung "Family Affairs" in Erfurt. Bildrechte: Kunsthalle Erfurt / Katharina Bosse

Familien-Aufstellung mit Doppelsinn

Fotograf Daniel Schumann hat für seine zwischen 2011 bis 2013 entstandene Serie "International Orange" Regenbogen-Familien in Kalifornien "klassisch" aufgestellt. "Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit homo- und heterosexuelle Familien zusammen in San Francisco leben", sagt Schumann über seine Erfahrungen während der Arbeit an der Serie. So wird das tradierte Bild von der Mutter-Vater-Kind-Familie auf doppelte Weise hinterfragt. 

Eine lächelnde junge Familie mit zwei Kindern vor ihrem Haus
"Diane, Jing, Dao und Tai", 2012: Für seine Serie "International Orange" porträtierte Daniel Schumann Regenbogen-Familien in Kalifornien. Bildrechte: Kunsthalle Erfurt / Daniel Schumann

Das macht auch Fotografin Jamie Diamond mit ihren "Constructed Family Portraits", sie castete via Internetrecherche Fremde, die einander ähnlich sehen und lud sie zum Fototermin in ein Hotel zum vermeintlichen Familien-Porträt.

Kunsthalle Erfurt zeigt Familien in allen Lebensphasen

So beleuchtet die Schau Geschlechterrollen und Familienbilder als kulturelle Konstruktionen. Genauso zeigt sie, was Familienbande – ob "echte" oder Wahlverwandte – im besten Fall geben: letzten Halt. Davon zeugen die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der renommierten US-amerikanischen Fotografin Nancy Borowicks zu "The Family Imprint", sie widmete sie ihren Eltern, die gleichzeitig an Krebs erkrankten.

Ein Mann und eine Frau im Sessel mit Infusion am Arm, sie liest ihm vor
Von Liebe und Verlust erzählen die Familienbilder der Fotografin Nancy Borowick, ihre Serie "The Family Imprint" widmete sie ihren Eltern. Zu sehen in der Kunsthalle Erfurt. Bildrechte: Kunsthalle Erfurt / Nancy Borowick

Die Ausstellung "Familiy Affairs" läuft bis zum 26. Februar 2023. Geplant ist auch ein Begleitprogramm für Schülerinnen und Schüler, die selbst kreativ werden können. Ebenso gibt es Kuratorenführungen.

Angaben zur Ausstellung "Family Affairs. Familie in der aktuellen Fotografie"
3. Dezember 2022 – 26. Februar 2023

Kunsthalle Erfurt
Fischmarkt 7
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 11 bis 18 Uhr
Donnerstag: 11 bis 22 Uhr

Quelle: Kunsthalle Erfurt, Redaktionelle Bearbeitung: Katrin Schlenstedt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. Dezember 2022 | 08:45 Uhr

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