Museumseröffnung Sächsische Industriegeschichte interaktiv entdecken: Das Erlebnismuseum in Frankenberg

Sachsens Pioniergeist entdecken – das ist ab sofort in Frankenberg bei Chemnitz möglich. Unter diesem Motto hat jetzt, nach Corona-Verzögerungen, das neue Erlebnismuseum "ZeitWerkStadt“ eröffnet. Das Museum widmet sich der sächsischen Industriekultur und besonderen Erfindungen aus Frankenberg und Sachsen. Dabei bietet das interaktive Museum Geschichte zum Mitmachen für Jung und Alt.

Ein Exponat im Erlebnismuseum Frankenberg.
Die digitalen Begleiterinnen und Begleiter stehen in Erlebnismuseum digital bereit. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Dass das neue Erlebnismuseum "ZeitWerkStadt" im sächsischen Frankenberg auf Interaktion setzt, zeigt sich gleich am Museumseingang. Hier bekommen die Gäste eine kleine rote Münze, den sogenannten "Frankenberg-Taler", überreicht. Sie gewährt nicht nur den Eintritt ins Museum, sondern aktiviert die digitale Begleitung des Museums an den verschiedenen Exponaten.

Wer und was hinter der "ZeitWerkStadt" steckt

Die "ZeitWerkStadt" ist in ein Gebäude gezogen, das während der Landesgartenschau 2019 als Veranstaltungs- und Blumenhalle zwischengenutzt wurde. Geplant und entwickelt hat das Museum seit 2016 die Hamburger Agentur "Leisurework Group". Sie hat an einem internationalen Wettbewerb teilgenommen und gewonnen - so entdeckten die Hamburger auch Sachsen ganz neu. Die Herausforderung für das Unternehmen war, die unterschiedlichen Sammlungen und ehemaligen Museen zusammenzuführen. 2020 wurde das Projekt abgeschlossen.

Ein Mann und zwei Kinder stehen vor einer Projektion.
Erste Gäste im TimeCube Bildrechte: ZeitWerkStadt

Aber von vorne: Wer durch das Drehkreuz in den Ausstellungsbereich tritt, landet über eine Wendeltreppe im sogenannten "TimeCube", einem großen, quadratischen Raum mit 116 Monitoren. Die Rundumprojektion ist in Europa einmalig und begrüßt kleine und große Museumsgäste zur Einstimmung mit einem 360-Grad-Video. In drei Versionen – für Erwachsene, Kinder und auf Englisch – laufen Filme, die sich der Frage stellen, was Pioniergeist eigentlich heute und früher bedeutet hat. Die Antworten auf die Frage begleiten die Besuchenden durch das gesamte Museum, denn: Pioniergeist ist in der Kleinstadt Frankenberg zuhause und vielfältig.

Stadt- und Industriegeschichte miteinander verknüpfen

Vom "TimeCube" geht es weiter in die obere Ausstellungsetage. Schon auf dem Boden der Wendeltreppe, weist ein Zeitstrahl auf die bedeutenen Jahreszahlen hin, in denen Frankenberg Historie schrieb. Etwa 1926, als die erste Autobuslinie von Frankenberg nach Chemnitz fuhr.

Oben angekommen begrüßen dann die digitalen Begleiterinnen und Begleiter, für die man sich entscheiden muss. Wer soll Sie durch die Ausstellung begleiten und die Geschichte Frankenbergs und Sachsens durch seine Augen erzählen? Etwa ein Stadthistoriker, Postbote oder Druckerlehrling? Oder eine Ingenieruin, Weberin, eine Schülerin? Die Auswahl ist vielfältig. Für die kleinen Gäste wartet Museumsmaskottchen und Roboter Friedhelm.

Was das Museum so besonders macht, erzählt Musuemsleiter Tobias Müller: "Dass wir zum einen ein Stadtgeschichtsmuseum sind, zum anderen aber auch ganz starken Fokus auf die Industriegeschichte und die Fahrzeug-Geschichte legen, die hier für Frankenberg steht."

Dass wir über multimediale Bereiche versuchen, eine Vermittlung zu machen, die in anderen Museen hier in der Region so nicht erfolgt.

Tobias Müller, Museumsleiter

Auf den Spuren der Industriekultur wandeln

Gemeinsam mit den digitalen Gastgeberinnen und Gastgebern lädt die Ausstellung dazu ein, auf den Spuren der Industriekultur zu wandeln. Dabei lernen Besucherinnen und Besucher, wie der technische Fortschritt des 19. Jahrhunderts die Stadtgeschichte Frankenbergs geprägt hat. Wenn sie an einer Station den "Frankenberg-Taler" auf eine Plattform legen, erzählen die von ihnen ausgewählten Figuren drauf los.

An einer Station erzählt der Postbote etwa, wie die Zigarrenproduktion in Frankenberg der Stadt Wohlstand brachte: "Vieles zu meiner Zeit entstand noch in völliger Handarbeit. So auch die Zigarren, die ich so gerne mag. So ein Rollbrett zum Zigarre-Machen haben wir hier ausgestellt. Die Zigarrenfabriken von Frankenberg und speziell Buchheim& Richter stellten wohlschmeckende Zigarren her, die bis ins ferne Ausland exportiert wurden."

Leuchtende Ideen aus Sachsen

In Frankenberg waren viele Industriezweige zuhause – dazu gehörten nicht nur die Zigarrenproduktion, deren Spuren man heute noch in Frankenbergs Innenstadt nachspüren kann. Auch die Frankenberger Druckerei Roßberg, die die erste moderne Zeitung der Welt produzierte oder die sächsische Teppichmanufaktur finden in der "ZeitWerkStadt" ihren Platz.

Authentische Exponate wie die Druckwalze der Druckerei oder ein riesige Webmaschine, die sogar bis 2020 noch zum Weben von Teppichen benutzt wurde, sind hier zum Greifen nah. Und das dank verschiedener Stifterinnen und Stifter, die über die Museen hinaus, ihre privaten Sammlungen zur Verfügung gestellt haben. Das schönste: Anfassen ist in der "ZeitWerkStadt" ausdrücklich erlaubt und erwünscht.

Ausstellungseindrücke aus dem Erlebnismuseum Frankenberg

Ein Exponat steht auf einem Podest mit Leuchtschrift.
Die Druckpresse, mit der Carl Gottlob Roßberg mit Holzschliffpapier 1845 einen Teil des "Intelligenz-und Wochenblattes" nach heutigem Maßstab gedruckt hat. Bildrechte: ZeitWerkStadt
Ein Exponat steht auf einem Podest mit Leuchtschrift.
Die Druckpresse, mit der Carl Gottlob Roßberg mit Holzschliffpapier 1845 einen Teil des "Intelligenz-und Wochenblattes" nach heutigem Maßstab gedruckt hat. Bildrechte: ZeitWerkStadt
Blick in die Ausstellungs
Die Ausstellungswand, in der sich zahlreiche sächsische Erfindungen verstecken... Bildrechte: ZeitWerkStadt bereitstellen.
Erlebnismuseum Frankenberg
...zum Beispiel die Melitta-Kaffeefilter. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Viele Garnrollen hängen in einem Gestell.
Diese Webmaschine wurde bis 2020 noch zum Weben von Teppichen genutzt. Ein Stück von Sachsens Pioniergeist. Bildrechte: ZeitWerkStadt
Ein Exponat im Erlebnismuseum Frankenberg.
Verschiedene Zigarrenunternehmen hatten in Frankenberg ihren Sitz... Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Ein Exponat im Erlebnismuseum Frankenberg.
...und die Zigarren schafften es in die ganze Welt. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé
Zwei Kinder sitzen auf Hockern und halten sich Telefonhörer ans Ohr.
Mit Friedhelm können Kinder die "ZeitWerkStadt" ganz spielerisch entdecken. Bildrechte: ZeitWerkStadt
Blick in die Ausstellungs
Mit dem roten Frankenberg-Taler wird die Ausstellung digital erlebbar. Bildrechte: ZeitWerkStadt bereitstellen.
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So reichhaltig wie die Frankenberger Industrielandschaft ist auch der Themenschatz des Museums. Auf rund 1.800 Quadratmetern Ausstellungsfläche lassen sich auch Melitta-Kaffeefilter entdecken. Warum? Die Erfinderin ist die in Dresden geborene Melitta Bentz. Sie ärgert sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts über Kaffeesatz in ihrem Kaffee und erfindet prompt aus einer Blechdose und einem Löschpapier den Vorreiter der heutigen Melitta-Filter.

Wissen und Spaß gehen Hand in Hand

Eine Frau betrachtet ein Exponat im Erlebnismuseum Frankenberg.
Selbst Hand anlegen und interaktiv ein Barkas-Modell bauen: Die "ZeitWerkStadt" macht es möglich. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Was besonders die Erwachsenen freuen dürfte, sind die Spuren der Autoindustrie. Das ehemalige Fahrzeugmuseum Frankenberg hat Modelle für das Erlebnismuseum zur Verfügung gestellt. Etwa Framo-Wägen, die die Anfänge der Automobilindustrie in Sachsen beleuchten sowie Modelle der, für die DDR typischen, Barkas-Wägen. Wer Lust hat, kann sich interaktiv sogar ein eigenes Barkas-Modell zusammenstellen.

Für die kleineren Gäste gibt es die Industrie- und Stadtgeschichte aber ebenfalls zum Anfassen. Der kleine rostige Roboter Friedhelm führt die Kinder an vielen Mitmach-Stationen durch das Museum. Quizz-Fragen ermuntern die kleinen Gäste dazu, sich im Museum umzublicken und so die Themenvielfalt zu erfassen. Besonderer Ansporn: Jede richtige Antwort zaubert dem kleinen Roboter neue Ersatzteile an den Maschinen-Leib.

Wissen mit Spaß verknüpfen, das gelingt im Erlebnismuseum Frankenberg auf beeindruckende Weise. Mit seinen vielen interaktiven und haptischen Exponaten ist es nicht nur für kleine Entdecker und Entdeckerinnen interessant.

Mehr Informationen Für Besucherinnen und Besucher öffnet das Museum erstmals am 15. Juli um 10 Uhr die Türen. Danach sind die Öffnungszeiten wie folgt:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Solange die Inzidenz im Landkreis Mittelsachsen unter 10 liegt, kann das Museum ohne Testpflicht und Maske besucht werden. Es wird aber zur eigenen Sicherheit empfohlen, den Mindestabstand einzuhalten und bei Bedarf eine Maske zu tragen.

Was sonst so in Sachsens Museen los ist

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Nachmittag | 14. Juli 2021 | 15:45 Uhr

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