Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
MDR KULTUR im RadioMDR KULTUR im FernsehenÜber unsKontaktSuche

10. Juni bis 23. Oktober100 Jahre Naturkundemuseum Erfurt: Eine Ausstellung zum Staunen

von Mareike Wiemann, Landeskorrespondentin Thüringen

Stand: 10. Juni 2022, 16:24 Uhr

Vor 100 Jahren wurde das Erfurter Naturkundemuseum gegründet. Es ist heute mitten in der Innenstadt in einem früheren Waidspeicher untergebracht, wo der Platz sehr begrenzt ist. Um den großen Geburtstag angemessen zu feiern, breitet sich das Naturkundemuseum deswegen aus, bis in die Erfurter Kunsthalle. Dort findet ab dem 10. Juni die große Jubiläumsausstellung statt. Ein Rundgang.

"Faszinatur", so lautet der Titel dieser Schau, der wirklich treffend gewählt ist. Denn direkt zu Beginn wird in der Kunsthalle auf den Wow-Effekt gesetzt: Eine große Tierherde kommt der Besucherin entgegen, eine Rappenantilope führt sie an, ein Weißschwanzgnu knapp dahinter, ein Amurtiger folgt, obendrüber fliegen Kolkrabe, Singschwan und Bartgeier. "Wenn der Besucher hereinkommt, soll er zunächst von diesem Zug der Tiere magisch angezogen werden", so wünscht es sich Sheila Baumbach, am Naturkundemuseum Erfurt für Vermittlung zuständig.

Eindrucksvoll in der Jubiläumsschau des Erfurter Naturkundemuseums: der Zug der Tiere. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Doch allzu lange vermag der Blick gar nicht auf diesen großen Tieren verweilen, denn es gibt eine Fülle von Objekten zu entdecken: an den Wänden Federn in schillernden Farben, weiter hinten Dutzende Käfer, Spinnen, Schmetterlinge und andere Insekten aus aller Welt, in großen Glasvitrinen perfekt inszeniert. "Hier zeigen wir einfach mal, wie schön Insekten sein können", so Museumsdirektor Matthias Hartmann, "denn viele ekeln sich ja davor. Wir wollen aber zeigen, welche großartigen Tiere, und auch welche ungewöhnlichen Tiere es gibt."

Arbeitsalltag des Naturkundemuseums Erfurt erleben

Der ganze Stolz des Museums: Diese Insektenarten wurden erstmals von den Mitarbeitenden entdeckt. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Diese Ausstellung ist tatsächlich ein Fest fürs Auge. Doch aufs rein Optische, das war für Direktor Hartmann von Beginn an klar, wollte er sich bei den Planungen nicht beschränken. Das Ziel vielmehr – den vielfältigen Arbeitsalltag eines Naturkundemuseums selbst ins Museum holen: "Wir können gute Ausstellungen machen. Wir können auch Informationen gut vermitteln. Aber wir sind natürlich als Museum auch angehalten zu zeigen, was wir eigentlich im Hintergrund machen. Was der Besucher nie sieht, oder so gut wie nie sieht. Wir zeigen also auch, warum wir sammeln, wofür wir sammeln und wie wir sammeln."

Bei der Frage – Wofür sammeln? – geht es etwa um die Forschungstätigkeit des Museums. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unternehmen regelmäßig Expeditionen, hauptsächlich nach Südostasien und in den Himalaya. Aber auch zuhause, vor Ort in Thüringen, wird die heimische Tierwelt unter die Lupe genommen. Wertvoll für die Forschung sind vor allem Präparate, die in Flüssigkeiten aufbewahrt werden.

Denn so werde ihr ganzer Organismus konserviert, und man könne sich die Organsysteme noch anschauen, erklärt Konrad Kürbis, Kurator für Amphibien und Säugetiere: "Man kann dann auch zu Krankheitserregern forschen. Zum Beispiel haben wir in der Sammlung hier 2021 für Mitteldeutschland das erste Mal einen speziellen Herpesvirus nachgewiesen, bei Erdkröten. Auch so etwas geht also mit dem Sammlungsmaterial."

Ausstellung "Faszinatur" in Erfurt: Ein Aspekt bleibt unterbelichtet

Verschiedene solcher Nasspräparate in Gläsern sind in der Ausstellung zu sehen, eine Grubenotter etwa, oder eine Pfeilkopf-Korallenschlange. Auch sie stehen in einer perfekt ausgeleuchteten Vitrine, die Inszenierung lässt das sonst übliche Gruselgefühl geringer werden. So wandert man von Ebene zu Ebene dieser visuell toll erzählten Ausstellung, kann sich im nachgestellten Büro eines Tierpräparators etwa noch anschauen, wie der Prozess, der früher Tiere ausstopfen genannt wurde, heute funktioniert.

Tierpräparation ist ein aufwändiger Prozess, in der Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt erhält man einen Einblick in den Arbeitsalltag. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Allerdings, am Ende dann – das Gefühl, das ein Umstand leider nicht thematisiert wurde. Nämlich der, dass viele der gezeigten Tiere vielleicht bald nur noch im Museum vorkommen. Das Artensterben ist in vollem Gange, in der Ausstellung kommt das nicht zur Sprache. Das irritiert dann doch sehr – eine Feier der Natur ist heutzutage einfach nicht mehr zu haben ohne bitteren Beigeschmack.

Informationen für den Besuch

  •  "Faszinatur 100 – 100 Jahre Naturkundemuseum zu Gast in der Kunsthalle Erfurt"
  • Ausstellungsort: Kunsthalle Erfurt I Fischmarkt 7, 99084 Erfurt
  • Laufzeit: 10. Juni bis 23. Oktober 2022
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Weitere Naturkundemuseen entdecken

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 10. Juni 2022 | 07:40 Uhr