Videoinstallationen mit schwarzem Humor Doppel-Ausstellung: Gera und Jena zeigen slowenische Medienkunst

Der Jenaer Kunstverein und die Häselburg in Gera präsentieren eine Werkschau des slowenischen Künstlerpaares Nika Oblak und Primož Novak. Ihre Medienkunst war in den vergangenen 15 Jahren immer wieder in europäischen Ausstellungshäuser zu sehen und wurde vielfach ausgezeichnet. Der Titel der Doppelausstellung in Gera und Jena: "And now something completely different 13" – ein Zitat aus dem Monty Python Film "Die wunderbare Welt der Schwerkraft". Schwarzer Humor zeigt sich auch in den Arbeiten.

Ein Frau filmt eine Kunstinstallation, bei der eine Mann in einem großen Hamsterrad läuft.
Bildrechte: Nika Oblak & Primož Novak

Ein Monitor rotiert um die eigene Achse. Pausenlos. Dabei zeigt er einen Mann, der sich der Drehbewegung anpasst. Zu sehen ist der slowenische Künstler , der im sich drehenden Monitor läuft und läuft – wie ein Hamster im Hamsterrad, nur, dass dieses hier medialer Natur ist. Primož Novak hat seine Schritte dem sich drehenden Monitor angepasst. Der Hamster kann seine Geschwindigkeit noch selbst bestimmen!

Die Videoinstallation, die das slowenische Künstlerpaar Nika Oblak und Primož Novak im Jahr 2019 geschaffen hat, ist die einzige in der Doppelausstellung, die sowohl im Jenaer Kunstverein als auch in der Häselburg in Gera zu sehen ist. Beide Ausstellungsorte zeigen insgesamt 13 Arbeiten des Künstlerduos, hauptsächlich Medien- und analoge Installationen, auch Fotoserien sind dabei.

Ein Frau filmt eine Kunstinstallation, bei der eine Mann in einem großen Hamsterrad läuft.
Wie ein Hamster im Hamsterrad: Primož Novak bei der Produktion für "Where do we come from? Who are we? Where are we going?" Bildrechte: Nika Oblak & Primož Novak

Eine Gesellschaft gefangen in Mediensystemen

Michaela Mai hat die Doppelschau kuratiert und erklärt: "Da 'es' in diesem Medien-Apparat ist, in diesem Bildschirm, wirft es natürlich auch die Frage auf, inwieweit wir selbst als Gesellschaft oder als einzelne gefangen sind in diesen Mediensystemen. Wir gucken den halben Tag auf irgendeinen Bildschirm." Bildschirme seien für uns nichts Ungewöhnliches mehr, sondern die Realität. Das werde in den Arbeiten hinterfragt.

In ihren Videoinstallationen, in denen sie oft zu zweit auftreten, fragen Nika Oblak und Primož Novak danach, ob Mensch und Maschine gesellschaftlichen Fortschritt generieren können. So auch in ihrer Roboter- und Videoarbeit "Activists" von 2011. Auf fünf mobilen Plattformen, die per Sensor auf Menschen und Körper reagieren, hat das Künstlerduo Protestschilder geschraubt. Neben dem Peace-Zeichen ist auch ein Schild dabei, das Assoziationen zur Fridays for Future-Bewegung weckt.

Schilder mit einem Peace-Zeichen, dem Wort Revolution und der Aufschrift Game Over stehen in einem Ausstellungsraum.
Die Protest-Roboter des Künstlerduos reagieren auf Menschen. Bildrechte: Wolfgang Grau

Wenn die Protest-Roboter aufs Publikum losgelassen werden, hinterfragen sie dann das Tun menschlicher Aktivisten? Michaela Mai: "Man kann sie relativ gut beiseiteschieben, was ja eben auch die Bewegung der Roboter im Raum zeigt. Wenn man relativ einfach sagen kann: Dreh‘ bitte ab, ich will es nicht sehen. Das ist eben das, wenn man ständig Forderungen hört. Wenn man vielleicht auch selbst nicht so einverstanden ist. Und manche Forderungen sind auch Klischees. Und was bedeutet es, dass Maschinen heute Botschaften in die Welt tragen, die eigentlich aus unserer Gesellschaft gesendet werden könnten?

Werke spiegeln Verbundenheit

Nika Oblak und Primož Novak, Jahrgang 1975 und ’73, präsentieren sich unprätentiös als heterosexuelles Paar, das auch zwei Kinder hat. Sie, an der Akademie in Ljubljana ausgebildete Malerin, er Bildhauer.

Eine Bildschirm zeigt einen Mann und eine Frau, die gemeinsam ein Schild halten mit der Aufschrift Reality
Nika Oblak und Primož Novak arbeiten bereits seit vielen Jahren gemeinsam. Bildrechte: Wolfgang Grau

Die beiden arbeiten 2003 zusammen, wie Kuratorin Mai erzählt. "Haben sich an der Hochschule kennengelernt, waren zusammen in Berlin. Und wenn man sie als Paar kennenlernt, als Künstlerpaar, ihre Werke spiegeln es wieder, dass sie so miteinander verbunden sind, dass sie ein Werk schaffen können, das aus zwei Individuen entsteht."

Kunstwerk zeigt hunderte Postkarten

Eine Postkarte mit der Aufschrift Progress
Jeder einzelne Potkarte erhält die Aufschrift "Progress". Bildrechte: Nika Oblak & Primož Novak

Auffällig in vielen Arbeiten ist der schwarze Humor des Paares. Kafkaesk und wohltuend fortschritts-skeptisch kommt etwa in einer Vitrine die Arbeit "Progress" daher, die einen Stapel von Postkarten zeigt. Auf jede einzelne hat das Paar seit Mai 2016, 365 Tage im Jahr, von Hand das Wort "Progress" geschrieben und sie postalisch an die osteuropäische Heimatadresse verschickt. Mai erklärt: "In dem sie diese Postkarten als Kunstwerk präsentieren, ist es eben so, dass man sagen kann: Der Fortschritt ist, diese Postkarten jeden Tag zu senden, kontinuierlich über Jahre hinweg immer dieselbe Handlung auszuführen. Was dann eben rauskommt ist ein Kunstwerk."

Willkommen in Absurdistan! Der osteuropäische schwarze Humor des Duos ist zwar auch ein Klischee, aber eines, das Spaß macht.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. März 2022 | 07:10 Uhr

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