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Der Glasbaukasten "Dandanah" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verborgene MuseumsschätzeDas Kulturhistorische Museum Magdeburg und sein Spielzeug-Schatz aus Glas

Stand: 01. November 2021, 04:00 Uhr

Glas und Farbe prägten die Arbeiten des Stadtplaners Bruno Taut. Mit seiner Idee des "farbigen Bauens" prägte der Architekt ab 1921 auch die Stadt Magdeburg. In dieser Zeit entwarf er auch den Glasbaukasten "Dandanah", mit der er seine Ideen in die Kinderzimmer bringen wollte. Allerdings wurde das Spielzeug nie serienmäßig produziert. Somit gilt das Exemplar im Kunsthistorischen Museum Magdeburg als Rarität – als Museumsschatz, der nur selten öffentlich zu sehen ist. Der Glasbaukasten befindet sich im Depot des Museums. MDR KULTUR hat das Kunsthistorische Museum Einblick gewährt.

Als im Magdeburger Kulturhistorischen Museum eine Ausstellung über die 1920er-Jahre vorbereitet wurde, entdeckten die Kuratoren, dass im Rahmen einer Auktion ein Glasbaukasten mit dem Namen "Dandanah" versteigert werden sollte. Der Glasbaukasten entstand um 1920 in Magdeburg. Seine 61 geometrisch geformten, farbigen Gussglassteine waren damals als Kinderspielzeug gedacht. "Es war klar, es ist wie ein Jackpot", erinnert sich Kurator Michael Stöneberg.

Die Sammler in Magdeburg hatten Glück: Denn die Auktion lief bei der Entdeckung schon. Doch da der Glasbaukasten nicht versteigert wurde, konnte das Museum das Exponat im Nachverkauf erwerben. Seit über zwei Jahren ist dieses seltene, handgefertigte Kästchen nun im Besitz des Kulturhistorischen Museums Magdeburg. 2019 war es für drei Monate öffentlich zu sehen. Seitdem schlummert es im Depot.

Taut prägte das farbige Bauen in Magdeburg

Entworfen hatte den Glasbaukasten der Architekt Bruno Taut. Er galt als wichtiger Avantgardist der Moderne und prägte den Begriff "Buntes Magdeburg", denn er war eng mit der Stadt verbunden. "Kein Architekt der Moderne ist mehr mit dem farbigen Bauen verbunden als Bruno Taut", erklärt Kurator Stöneberg dessen Bedeutung.

Als Bruno Taut 1921 als Stadtbaurat nach Magdeburg berufen wurde, war seine erste Amtshandlung, die Häuser der Stadt bunt anmalen zu lassen. Farbige Architektur für kleine Leute wollte Taut schaffen, ganz im Sinne der Neuen Sachlichkeit, der Moderne. Die Gartenstadt-Kolonie im Magdeburger Stadtteil Reform zum Beispiel geht auf ihn zurück. "Er war ein unglaublich starker Impulsgeber. Er hat Magdeburg so ein bisschen den Kopf gewaschen, es wachgerüttelt mit dieser Aktion des bunten Magdeburgs, um sich der Moderne zuzuwenden", so Stöneberg, Die Siedlung Reform wird seit einigen Jahren in ihrer ganzen Farbenpracht denkmalgerecht instandgesetzt.

Weltweit sind nur neun Exemplare bekannt

Doch wie kommt ein Architekt dazu, sich mit einem Glaskastenspiel für Kinder zu beschäftigen? Die Antwort ist simpel: Baukästen zu entwerfen, war in den 1920er-Jahren eine normale Beschäftigung für Architekten – schließlich sollte der Nachwuchs spielerisch an die Moderne herangeführt werden.

In die Serienproduktion schaffte es der Tautsche Glasbaukasten allerdings nie. Ein möglicher Grund könnte laut Stöneberg gewesen sein, "dass es in die Inflationszeit hinein geraten ist, wo alles schwer zu finanzieren war." Außerdem vermutet Stöneberg, dass Glasspielzeug zu gefährlich für Kinder war: "Wir haben ja gesehen, wie viele auch beschädigt sind. Ich glaube, dass sich keine Geldgeber gefunden haben, weil es doch sehr delikat ist und für Erwachsenenhände mehr geeignet ist als für Kinderhände."

Der Glasbaukasten "Dandanah" ist also ein seltener Prototyp, etwas Besonderes und Wertvolles. Weltweit sind lediglich neun weitere Exemplare bekannt. Darum soll dieser Prototyp nach dem Umbau des Museums Teil der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte werden.

Michael Stöneberg, Leiter der Sammlungen Stadtgeschichte am Kulturhistorischen Museum Magdeburg, zeigt den wertvollen Glasbaukasten "Dandanah" des Architekten Bruno Taut Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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