Thüringen Fossilien selbst erforschen im Bromacker-Lab auf Schloss Friedenstein in Gotha

Einen spannenden und innovativen Weg zur Erforschung von Urzeitlebewesen bietet mit dem Bromacker-Lab Schloss Friedenstein in Gotha seinen Besucherinnen und Besuchern an. Wer wissen will, wie moderne Wissensvermittlung stattfinden kann – und dabei jede Menge Spaß bei eigenen Erkundungen haben möchte, sollte sich das Projekt nicht entgehen lassen.

Ausstellung
Im Bromacker-Lab kann man auf Augenhöhe mit Lebewesen sein, die vor Millionen Jahren die Erde bevölkerten Bildrechte: Lutz Ebhardt/Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Der Bromacker bei Tambach-Dietharz im Thüringer Wald ist eine weltweit einzigartige Fossilienstelle. Bisher wurden neben zahlreichen Insekten- und Pflanzenfossilien über 40 Skelette von rund zwölf Arten von "Ur-Sauriern" geborgen. Vor zwei Jahren startete das Bromacker-Projekt mit erneuten systematischen Ausgrabungen und geologische Bohrungen. Mit dem Bromacker-Lab kommt nun ein weiterer Baustein innerhalb dieses Projektes hinzu.

Ein Fosil  wird mittels Pinsel freigelegt.
In einer Grabungsbox können Fossilien vorsichtig selbst freigelegt werden Bildrechte: Lutz Ebhardt, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Laboratorium zum eigenen Erkunden

Im ehemaligen Marstall im Westflügel von Schloss Friedenstein in Gotha hat das Bromacker-Lab sein zu Hause. Es ist nicht nur eine Ausstellung, sondern auch ein Labor. "Das Bromacker-Lab zeigt sehr schön, wie Forschung funktioniert. Das heißt, es wird erst Mal gegraben. Es wird geschaut. Es wird was gefunden und dann fängt man an, das zu präparieren, zu erforschen, wissenschaftlich zu erschließen.", sagt Stiftungsdirektor Tobias Pfeifer- Helke.

Diesen Prozess hat Kuratorin Maria Schulz, selbst Geologin und Paläontologin, in die Ausstellung übertragen. Ihre Bromacker-Erfahrungen seien mit in die Ausstellung eingeflossen.

Ausstellung
Maria Schulz Bildrechte: Lutz Ebhardt/Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Die Ausstellung hat einen experimentellen Charakter. Es ist ein Forschungslabor für jedermann, wo man auch viel selber entdecken und machen kann.

Maria Schulz, Kuratorin des Bromacker-Projektes

An ihr erstes ausgegrabenes Fossil kann sich Schulz noch gut erinnern. Es seien "Conchostraken" gewesen, das Kleinste, was es auf dem Bromacker gibt und erläutert: "Das sind kleine krebsartige Tierchen, die uns aber verraten, wie oft und wie viel der Bromacker mal unter Wasser stand." Schulz findet faszinierend, was aus so kleinen Teilchen herausgelesen werden kann.

Ein Fosil unter einem Vergrößerungsglas.
Trilobiten wie dieses versteinerte Exemplar lebten in den Urzeitmeeren vor mehr als 250 Millionen Jahren Bildrechte: Lutz Ebhardt, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Fossilienfundort Bromacker noch bekannter machen

Diese Faszination teilt Prof. Dr. Peter Frenzel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der ebenfalls am Bromacker-Projekt beteiligt ist. Die Einzigartigkeit der fossilen Grabungsstätte möchte auch er bekannter machen. In der breiten Öffentlichkeit könne noch einiges erreicht werden, meint er. Und dazu werde das Bromacker-Lab beitragen, ist er überzeugt.

Umfangreiche Forschungsausstattung

An verschiedenen Stationen kann der Besucher beim Bromacker-Lab eintauchen in das Ökosystem des Bromackers vor 290 Millionen Jahren. Es gibt Vitrinen, Lupen, Videowände, Touchscreen-Installationen –die Besucherinnen und Besucher sollen aktiv und selbst zum Forscher werden.

Dafür hat die Kuratorin auch Grabungsboxen aufgestellt, bei denen man selbst den Aha-Effekt erleben könne "Ich habe was gefunden! Was ist es denn?" Das können der Besucher dann in der Ausstellung herausfinden, so Schulz, denn was in den Grabungsboxen ist, sei auch im Original in der Ausstellung zu finden. Winzig kleine und große Fossilien gibt es, darunter auch noch nie gezeigte Objekte.

Darstellung einer Echse.
Über den auf dem Bromacker gefundenen Fährten wird mittels Hologram das Lebewesen projiziert. Bildrechte: Lutz Ebhardt, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Urzeitliche Fährten und Tiere als Hologramme

Das Besondere des Bromackers wird in der Hologramm-Vitrine sichtbar. Es sind Fährten und die dazugehörigen Tiere – beides wurde am Bromacker gefunden, sagt Kuratorin Schulz. "Und hier in der Hologramm-Vitrine können wir eben mal sehen, was moderne Forschung bedeutet: Hier wurde zum Beispiel der Orobates, der diese Fährten hinterlassen hat, animiert als Hologramm und darunter ist die dazugehörige Fährtenplatte zu sehen."

Ausstellung
Das Bromacker-Lab auf Schloss Friedenstein Bildrechte: Lutz Ebhardt/Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Ständige Verbesserung und Erweiterung

Die Ausstellung wird alle drei Monate ergänzt. Die Bromacker-Forschung soll durch das Lab transparent gemacht werden. Was aus den Vitrinen verschwindet und neuen Objekten und Forschungsergebnissen Platz macht, wandert in die digitale Ausstellung im Lab, die über einen Touchscreen erlebbar wird. Am Ende wollen die Forscher das Ökosystem Bromacker rekonstruieren können. Das soll dann auch der Schlusspunkt der Ausstellung sein – in einigen Jahren. Bis dahin wird sich das Bromacker-Lab immer wieder wandeln und wachsen.

Bromackergrabung 2008
Grabungen am Bromacker im Jahr 2008 Bildrechte: Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie / Stiftung Schloss Friedenstein Gotha / Foto: Kerstin Fohlert

Das Projekt "Bromacker-Lab – Entdecke die Urzeit!"

Ab 27. Februar 2022

Schloss Friedenstein (Ausstellungshalle)
Schlossplatz 1, 99867 Gotha

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr (November bis März)
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr (April bis Oktober)
An Feiertagen geöffnet, 24. und 31.12. geschlossen

Eintritt frei.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. Februar 2022 | 07:10 Uhr

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