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Johann Georg Ziesenis' Gemälde: Oberhofmarschall Hans Adam von Studnitz, 1761 ist wieder in Gotha zu sehen. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha / Foto: Lutz Ebhardt

Stiftung Schloss FriedensteinHerzogliches Museum Gotha freut sich über Rückkehr eines besonderen Gemäldes

Stand: 22. März 2022, 12:04 Uhr

Das Herzogliche Museum Gotha ist um ein besonderes Gemälde reicher. Ein Porträt von Oberhofmarschall Hans Adam von Studnitz (1711-1788) kehrte am Dienstag in die Sammlungen zurück.

Von Studnitz gründete das Gothaer Hoftheater

Über 50 Jahre lang stand Hans Adam von Studnitz als Oberhofmarschall in den Diensten der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg. Er war nicht nur der oberste Verwaltungsbeamte, sondern prägte die Hofkultur. Besondere Verdienste erwarb er sich mit der Gründung des Gothaer Hoftheaters 1775.

Porträtmalerei "auf höchstem Niveau"

Direktor Timo Trümper von der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha erklärte dazu, der Erwerb des "wundervollen Gemäldes" sei ein mehrfacher Gewinn aufgrund der "hohen Relevanz des Freiherrn von Studnitz für Gotha, von dem bisher nur eine grafische Darstellung existierte". Außerdem zeige es "die Kunst der damaligen Porträtmalerei auf höchstem Niveau".

Mehr über Hans Adam von Studnitz (1711–1788)

Der gebürtige Oberschlesier begann seine Karriere in Gotha nach einem Studium der Rechtswissenschaften als Hofjunker, war Reisemarschall und nahm als Geheimer Legationsrat Einfluss auf die Außenpolitik des Herzogtums, bis er 1755 zum obersten Verwaltungsbeamten des Hofes ernannt wurde. Von Studnitz begründete 1775 das Gothaer Hoftheater als erstes "stehendes" deutschsprachiges Theater im Schloss Friedenstein und kümmerte sich um alle organisatorischen, technischen und baulichen Voraussetzungen für einen regelmäßigen Spielbetrieb. Anteil hatte er auch an der Einführung der ersten Pensionskasse für Schauspieler 1776 – eine wegweisende Neuerung in Deutschland.

1747 kaufte er einen Landsitz in Wechmar und ließ diesen zu einer zweiflügeligen Sommerresidenz, dem noch bestehenden Landhaus Studnitz, ausbauen.

An von Studnitz erinnert außerdem noch eine Grabpyramide, die heute als Studnitz-Pyramide bekannt ist. Sie wurde noch zu seinen Lebzeiten fertiggestellt – als damals einzige derartige Begräbnisstätte in Europa. Sie brachte von Studnitz den Beinamen der "Pharao von Gotha" ein. Noch heute steht sie unweit des Schlossparks.

Sein einziges Gemälde heute in Gotha zwischen Studnitz-Pyramide und Landhaus Studnitz zu wissen, ist ein beglückendes Gefühl.

Knut Kreuch | Gothas Oberbürgermeister zur Erwerbung

Erwerbung bei Auktion mit "Geschwindigkeit und Diskretion"

Von Studnitz' Kleidung in Samt und Pelz und das Arrangement mit Tabatière und Schokoladentasse demonstrieren seinen hohen Rang. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha / Foto: Lutz Ebhardt

Das fast lebensgroße Bildnis fertigte Johann Georg Ziesenis der Jüngere, Hofmaler des Kurfürsten von Hannover und Königs von England Georg III., im Jahr 1761. Zu bewundern ist es nun im Saal der deutschen Malerei des Herzoglichen Museums in Gotha. Künftig soll es im Rahmen der geplanten Theaterausstellung im Westturm von Schloss Friedenstein gezeigt werden.

Erworben werden konnte es mit finanzieller Unterstützung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Kulturstiftung Gotha und des Freundeskreises Kunstsammlungen Schloss Friedenstein Gotha e. V. im Kunsthandel. "Geschwindigkeit und Diskretion" spielten beim Auktionskauf eine große Rolle, betonte Martin Hoernes als Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung. Das klappe mit den Partnern aus Gotha "immer hervorragend".

Bei der Präsentation des Gemäldes wies auch Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch auf die besondere Rolle von Studnitz' hin, er habe "Thüringen den schönen Rokokosaal in Wechmar geschenkt. Sein einziges Gemälde heute in Gotha zwischen Studnitz-Pyramide und Landhaus Studnitz zu wissen, ist ein beglückendes Gefühl."

Seine letzte Ruhestätte in Form einer Grabpyramide, damals in Europa einmalig, brachte ihm den Beinamen der "Pharao von Gotha" ein.

BuchtippDer Pharao von Gotha – Oberhofmarschall Hanß Adam von Studnitz (1711–1788)
92 Seiten, zahlreiche Abb.
Reihe "Edition Residenzkultur" (DMZ)
Stiftung Schloss Friedenstein Gotha 2013
ISBN 978-3-940998-21-7
5 Euro

Museumslandschaft Thüringen

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 22. März 2022 | 11:30 Uhr