In memoriam "Der Maler unter den Karikaturisten": Ausstellung in Greiz zeigt Werke von Ralf Alex Fichtner

Das Satiricum der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz erinnert mit der Ausstellung "In memoriam Ralf Alex Fichtner" an den 1952 in Aue geborenen Maler und Zeichner. Fichtner gehörte zum Stamm der Karikaturisten im "Eulenspiegel" und unterschrief seine Werke mit RAF. Ursprünglich sollte die Schau anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers gezeigt werden, doch der unerwartete Tod Fichtners am 4. April 2022 verleiht der Präsentation seiner oft politischen Arbeiten nun den Charakter einer Gedenkausstellung – die überaus sehenswert ist.

Ralf Alex Fichtner während einer Vernissage im Sommerpalais Greiz 2011 4 min
Bildrechte: Ralf Alex Fichtner
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Wolfgang Schilling über den kürzlich verstorbenen Künstler, zu dessen 70. Geburtstag die Kabinettsschau im Sommerpalais Greiz ursprünglich geplant war

MDR KULTUR - Das Radio Mo 23.05.2022 06:00Uhr 04:07 min

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Das Leben kann hart sein. Da wollten die Macher im Satiricum Greiz eigentlich eine Ausstellung zum 70. Geburtstag eines Künstlers gestalten und dann stirbt der mit 69 kurz vor der Eröffnung, und aus der Jubelschau wird nun eine des Gedenkens. Zum Glück in diesem Unglück hatte man im Greizer Sommerpalais aber kein Problem damit, genügend Arbeiten von Ralf Alex Fichtner für diese kleine und feine Kabinett-Ausstellung zusammenzubekommen.

Denn wie der Chef des Hauses, Dr. Ulf Häder, erklärt, gibt es eine ganze Reihe von Originalzeichnungen des in Aue geborenen Karikaturisten in der eigenen Sammlung. Hatte er sich doch regelmäßig an den hier in Greiz seit Jahrzehnten ausgerichteten Karikaturen-Biennalen und Triennalen beteiligt und wurde dabei 1980 und 1990 sogar als Preisträger gekürt. Immer wieder hat man auch Arbeiten von ihm für die Greizer Sammlung angekauft. Zuletzt im vergangenen Jahr ein Blatt, auf dem er sich, wie konnte es anders sein, mit der Corona-Thematik beschäftigte.

Ralf Alex Fichtner: "Wieder einer ohne Maske" (2021),  Aquarell, weiß gehöht
Aquarell aus dem Jahr 2021 von Ralf Alex Fichtner mit dem Titel "Wieder einer ohne Maske" Bildrechte: Ralf Alex Fichtner

"Wieder einer ohne Maske" – steht in der Sprechblase über zwei Polizisten zu lesen, die in ihrem Boot einen einsamen Schiffbrüchigen auf seiner Palmeninsel umkreisen. Hier hat Ralf Alex Fichtner mal einen Klassiker des Genres variiert. Was sonst eigentlich nicht so seine Sache war, galt er doch als der Maler unter den Karikaturisten. Als ein Künstler, der mit der Wirkung von Licht und Schatten, aber auch mit der feinen Nuancierung von Farben zaubern konnte. Vielleicht ja eine Folge seiner Berufsausbildung als Plakatmaler, die er in der 70er-Jahren gemacht hatte.

Ausstellung im Greizer Sommerpalais zeigt "Vitrine des Grauens"

Fichtner war nicht der typische Karikaturist, der mit schneller Feder auf politische Tagesaktualitäten reagierte. Als belesener und selbst auch schreibender Künstler ließ er sich gern von der schwarzen Romantik eines Edgar Allen Poe oder den Werken Franz Kafkas inspirieren. Sehr schöne Ergebnisse dieser Arbeit werden im Greizer Sommerpalais in einer "Vitrine des Grauens" präsentiert. Ein Grusel, der sich auch an den Wänden fortsetzt und dabei auch wieder Tagesaktualität entwickelt.

Wie auf einer vom Comic inspirierten Bilderfolge aus dem Jahr 1989. "Hades" steht da über der Eingangstür eines Schlosses zu lesen. Ein einsamer Besucher drückt trotzdem auf den Klingelknopf neben der Hausnummer 40 und verschwindet auf dem nächsten Bild mitsamt der Immobilie im Boden. Eine witzige Vorwegnahme der untergehenden DDR in den schönsten Grautönen.  

Ralf Alex Fichtner: "Hades" (1989), Aquarell
"Hades" (1989) von Ralf Alex Fichtner: Eine witzige Vorwegnahme der untergehenden DDR. Bildrechte: Ralf Alex Fichtner

Nach der Wende 1989: Ein Sonderling setzt sich durch

Dieses Jahr 1989 war wohl auch für Ralf Alex Fichtner eins der Wende. Ein Jahr zuvor hatte er, der kein akademisches Studium vorweisen konnte, es endlich geschafft, in den Verband bildender Künstler der DDR aufgenommen zu werden. Er gehörte zum Stamm der Karikaturisten, die im Eulenspiegel veröffentlichten, seine Arbeiten wurde auch auf Ausstellungen im Westen gezeigt. Wo das Publikum sich über das Kürzel verwundert zeigte, mit dem er seine Arbeiten signierte: RAF – Ralf Alex Fichtner halt.

Eben noch auf dem Höhepunkt des Erfolgs, stand er nun, nach der Wende, im harten Winde des freien und heiß umkämpften Markts. Er hat auch diese Herausforderung gemeistert, bis zuletzt mit seinen Arbeiten für Aufsehen, Schmunzeln oder lautes Lachen gesorgt und sich, mit seinem speziellen Humor und malerischen Auslegung des Mediums Karikatur, einen Platz im Olymp dieses Genres gesichert.

Ralf Alex Fichtner: "Sackgasse" (1992), Tusche/Feder, Fineliner, Buntstift, Deckweiß
1992 entstand Fichtners Karikatur mit dem Titel "Sackgasse", die zum Bestand des Satiricums in Greiz gehört. Bildrechte: Ralf Alex Fichtner

Informationen für den Besuch

  • Ausstellung: "In memoriam Ralf Alex Fichtner"
  • Laufzeit: 21. Mai bis 3. Juli 2022
  • Ort: Sommerpalais Greiz I Fürstlich Greizer Park, 07973 Greiz
  • Öffnungszeiten: April bis September von 10 bis 17 Uhr, Oktober bis März von 10 bis 16 Uhr, montags geschlossen

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Mai 2022 | 07:10 Uhr

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