"Das ist jetzt nicht wahr, oder?" Corona und noch viel mehr: 10. Karikatur-Triennale in Greiz

Die nunmehr 10. Triennale der Karikatur findet vom 5. Juni bis zum 3. Oktober 2021 im Satiricum des Sommerpalais Greiz statt. Künstlerinnen und Künstler sind nach Thüringen eingeladen worden, um sich in Zeichnungen und humorvollen Comicstrips zur Lage der Nation und der Welt zu äußern. Nun sind die Werke der 93 Karikaturistinnen und Karikaturisten im Greizer Sommerpalais zu sehen.

"Das ist jetzt nicht wahr, oder?", fragt sich ein plattgequetschtes Männlein auf dem Ausstellungsplakat. Ihm ist die Mund-Nasen-Schutz-Maske von der Nase gerutscht, weil sich ein fetter, gekrönter Elefant auf ihm niedergelassen hat. Es ist eine von 400 Arbeiten, die auf der zehnten Triennale der Karikatur im Greizer Sommerpalais zu sehen sind.

Karikatur-Triennale in Greiz
Zum zehnten Mal findet die Karikatur-Triennale in Greiz statt. Bildrechte: Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz

"Wir schreiben 160 Karikaturistinnen und Karikaturisten an", erklärt Eva-Maria von Mariassy, die Chefin des Hauses. "Und alle, die uns etwas schicken, werden ausgestellt." Nur 93 Künstlerinnen und Künstler haben auf die Einladung aus Greiz reagiert und sind in der Ausstellung vertreten. Dafür kann es viele Gründe geben, meint Mariassy: "Es passt nicht immer in die vier oder fünf Monate des Lebens, dass ich auch noch witzig oder geistreich sein muss."

Digitale Kunst und neuer Umgang mit Humor

Seit der ersten Karikatur-Triennale in Greiz habe sich auch einiges verändert, fasst Mariassy zusammen. Der sächsische Grafiker Harald Kretzschmar greift zwar auch mit 90 Jahren immer noch zur klassischen Feder. Doch die meisten seiner Kollegen nutzen inzwischen ein digitales Zeichenbrett. "Diese Sachen sind vortrefflich. Der Strich ist genial. Es ist sofort zuzuweisen, wer was macht – selbst am Pad haben die ihren eigenen Stil und sind individuell, dass es nur so raucht." Doch, so hält Mariassy weiter fest, wenn sie Werke für die örtliche Sammlung ankaufen will, dann entscheidet sie sich immer für Tusche auf Papier und nicht für den Ausdruck eines digitalen Werkes. Was sich über die Jahre geändert habe, sei das Empörungsverhalten der Menschen, beobachtet die Greizer Chefin: "Die Leute regen sich heute nicht mehr nur über Sachen auf, die sie selbst betreffen, sie empören sich auch stellvertretend für andere Gruppen, die sie selber gar nichts angehen. Und in dieser Ausstellung gibt es einiges, über das man sich aufregen kann."

Karikatur-Triennale in Greiz
Barbara Henninger macht sich über das wachsende Parlament lustig. Bildrechte: Barbara Henninger

Die Werke in der Greizer Ausstellung sind vielfältig, oft bissig. Auf einem Blatt von Barbara Henninger werden einem Mann in einem hochhaushoch aufgestockten Bundestag gerade Blumen überreicht. "Mit Ihrem Mandat, lieber Dr. Fischer-Fritzen, hat Deutschland erstmalig mehr Volksvertreter als Volk", steht in der klassischen Sprechblase zu lesen.

Ganz ohne Text ist ein von Rainer Ehrt gezeichnetes Kaninchen mit Maske vor einer Schlange mit Virusmuster in der Haut erstarrt. Auch die Humorrezeption habe sich in den vergangenen Jahren ebenfalls stark verändert, erklärt die Mariassy: "80 Millionen Deutsche macht auch 80 Millionen Virussachverständige und die werden hier schwer auf die Schippe genommen. Da werden schon welche dabei sein, die werden nicht vom Glauben abfallen."

Karikatur-Triennale in Greiz
Corona ist ein bestimmendes Thema für Rainer Ehrt. Bildrechte: Rainer Ehrt

Nicht jeder wird hier über alles lachen können. Aber das Greizer Sommerpalais hat das Zeug zum Wallfahrtsort für Freunde der Karikatur. 

Wolfgang Schilling, MDR KULTUR-Kritiker

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Juni 2021 | 17:10 Uhr

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