Themenjahr "Neue Natur" Klassik Stiftung Weimar lockt 2021 raus ins Grüne

Mareike Wiemann
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Das Themenjahr der Klassik Stiftung Weimar steht im Jahr 2021 unter dem Titel "Neue Natur": Darin geht es um das Verhältnis von Natur und Mensch, um den Klimawandel und auch um Maßnahmen, die man gegen ihn ergreifen sollte. Die meisten Programmpunkte werden draußen stattfinden – im Mittelpunkt steht der Experimentalbau "Grünes Labor". Ein Ausblick.

Visualisierung des Grünen Labors der Klassik Stiftung Weimar
Treffen, lernen, entspannen: All das soll 2021 im "Grünen Labor" der Klassik Stiftung Weimar möglich sein. Bildrechte: Studio Boom, Jakob Müller

Der Park an der Ilm zieht sich wie ein grünes Band durch Weimar: Er ist eigentlich immer gut besucht, im Sommer pilgern Touristinnen zu Goethes Gartenhaus, im Winter ziehen Jogger ihre Runden. Bislang wurde dieser riesige Landschaftsgarten von der Klassik Stiftung vorrangig als Grünfläche verstanden. Doch das ändere sich nun, kündigt Präsidentin Ulrike Lorenz an: "Der Park rückt erstmals ins Zentrum unserer Kommunikation und unserer Vermittlung. Wir erproben damit völlig neue Ausstellungs- und Aktionsformate, das ist ein Quantensprung!"

Die Parks sind prädestiniert

Visualisierung des Grünen Labors der Klassik Stiftung Weimar
Eine Visualisierung des Grünen Labors: Es schließt rechterhand an die Ruine des Tempelherrenhauses an. Bildrechte: Studio Boom, Jakob Müller

Alles neu bei der Klassik Stiftung: Ulrike Lorenz, seit anderthalb Jahren im Amt, will sie offener und zugänglicher gestalten. Die Parks scheinen dafür geradezu ideal, waren sie doch im 18. Jahrhundert die ersten öffentlichen Räume überhaupt, an denen unterschiedliche Gruppen der Stadtgesellschaft zusammenkamen. Auch heute geht es draußen sehr viel diverser zu, als in den meisten Museen. Die Klassik Stiftung wird deswegen im Park an der Ilm ein "Grünes Labor" aufbauen – eine Art Kubus an der Ruine des Tempelherrenhauses, geöffnet von April bis September.

Das Labor soll zur Heterotopie werden: zum wirksamen Gegenort in dieser Gesellschaft, der insbesondere interaktive und partizipative Formate anbietet.

Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar

Ein Bau aus Holzbausteinen

Das Grüne Labor der Klassik Stiftung Weimar
Studio Boom: Susann Paduch, Julius Tischler und Hannes Schmidt Bildrechte: Sebastian Wanke

Mit der Umsetzung des Grünen Labors wurde Studio Boom beauftragt, ein junges Architekturbüro aus Weimar und Leipzig. Es hat einen experimentellen Bau entworfen, für den ausschließlich Holz aus dem Park verwendet werden soll: Bäume, die nach Stürmen oder wegen Krankheit gefällt werden mussten, sollen hier weiter genutzt werden und nicht als Brennholz enden. Dafür würden die Stämme in sehr kleine, bausteingleiche Stücke zerteilt, so Architekt Hannes Schmidt: "Das Labor wird so ähnlich wie ein Blockhaus oder ein Haus aus klassisch gemauertem Ziegelstein funktionieren."

Am Ende soll ein Kubus aus Holzbausteinen entstehen, fünf Meter hoch, mit 50 Quadratmetern Grundfläche. Die Holzbausteine sollen dabei so angeordnet werden, dass zwischen ihnen Lücken bleiben, also eine Art Transparenz entsteht. Innen wird es Vermittlungsstationen geben, die helfen sollen, den Park sinnlich zu erleben. Außerdem sollen noch jede Menge Veranstaltungen stattfinden, von Gesprächsrunden, Sommerkonzerten, Yoga-Kursen bis hin zu Designworkshops. Organisatorin Regina Cosenza hofft, dass das Labor auch als Raum zum Entspannen und Treffen genutzt wird, gerade in den Abendstunden solle dieser öffentliche Raum dazu dienen.

Das Grüne Labor der Klassik Stiftung Weimar
Das Grüne Labor soll aus Holzbausteinen aufgebaut werden. In den Lücken dazwischen sollen nach und nach Materialien verfüllt werden, die im Park anfallen, etwa Blätter und Gras. Bildrechte: Sebastian Wanke

Für alle ist etwas dabei

Auch abseits des Grünen Labors wird im Themenjahr einiges aufgefahren: Für Familien wird ein Entdeckerrucksack neu aufgelegt, die Bauhaus-Plus-App wurde zur Weimar-Plus-App umfunktioniert, mit der man nun auch durch die Parks flanieren kann. Eine große Sonderausstellung im Schiller-Museum gibt es natürlich auch: Unter dem Titel "Ich hasse die Natur" wird dem sich wandelnden Verhältnis des Menschen und seiner Umwelt nachgespürt.

All diese Programmpunkte sollen am Ende dazu beitragen, aufgeklärter durch die Welt zu gehen – im Großen, wenn es um den Klimawandel geht, im Kleinen, wenn es um die Weimarer Parks geht, in denen es auch immer wieder zu Vandalismus kommt. Folker Metzger, Leiter des Referats für kulturelle Bildung bei der Klassik Stiftung, hofft, dass mit dem Themenjahr auch die Wertschätzung für die Parks in Weimar steige: "Erst wenn ich weiß, wie bedeutend die Parks sind, entsteht auch ein Bewusstsein dafür, wie ich sorgsam mit ihnen umgehe. Noch ein weiteres Schild mit der Parkordnung aufzustellen, hilft dagegen überhaupt nicht weiter."

Auf lange Sicht geplant

Dieses Themenjahr ist auf Nachhaltigkeit angelegt – übrigens auch, was das Grüne Labor angeht: Je nach Bedarf soll der Kubus zu späteren Zeitpunkten an anderen Orten in Weimar wieder aufgebaut werden und so den altehrwürdigen Museumskosmos der Klassikerstadt langfristig bereichern.

Visualisierung des Grünen Labors der Klassik Stiftung Weimar 4 min
Bildrechte: Studio Boom, Jakob Müller

Die Klassik Stiftung Weimar entdeckt ihre Parks neu. Im kommenden Frühling will sie an der Ilm ein "Grünes Labor" aufbauen: einen Experimentierraum, in dem das Verhältnis von Mensch und Natur im Mittelpunkt stehen soll.

MDR KULTUR - Das Radio Do 31.12.2020 15:30Uhr 04:12 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Bildrechte: Studio Boom, Jakob Müller

Die Klassik Stiftung Weimar entdeckt ihre Parks neu. Im kommenden Frühling will sie an der Ilm ein "Grünes Labor" aufbauen: einen Experimentierraum, in dem das Verhältnis von Mensch und Natur im Mittelpunkt stehen soll.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Dezember 2020 | 15:45 Uhr

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