Interaktive Wanderausstellung #ZeroWasteArt zeigt Kunst aus Müll im Hauptbahnhof Halle

Müll reduzieren, den eigenen Konsum minimieren und diesen "Verzicht" als Bereicherung erleben – das ist die Philosophie des Projekts #ZeroWasteArt. Die interaktive Wanderausstellung will mit Kunst aus Müll auf die verheerenden Umweltfolgen durch extreme Müll-Mengen aufmerksam machen. Die Ausstellung wurde von der Marketinggesellschaft der bundesweiten Einkaufsbahnhöfe ins Leben gerufen. Bis zum 13. September macht sie Halt im Hauptbahnhof Halle.

#zerowasteart in Halle 4 min
Bildrechte: Ole Steffen/MDR

Die Ausstellung #ZeroWasteArt im Hauptbahnhof Halle will für das Thema Müllvermeidung sensibilisieren. Umgeben von Fast Food-Läden soll die aus Müll gefertigte Kunst zu einem bewussteren Umgang mit der Umwelt anregen.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 13.09.2021 12:00Uhr 04:18 min

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Wie klingt es, wenn Plastikmüll im Ozean treibt? Wie wäre es, in einem Kubus aus alten PET-Flaschen Platz zu nehmen? Und wie sieht es aus, wenn der eigene Reisekoffer nur mit alten Taschentuchpackungen gefüllt wäre? Die Wanderausstellung "#ZeroWasteArt", die gerade in Halle zu sehen ist, will für das Thema Müllvermeidung sensibilisieren. "Die Idee ist, dass wir auf dieses große Problem Müll aufmerksam machen wollen“, sagt Natalie Luschka von der Deutschen Bahn. Sie ist für die Vermietung der Läden im Einkaufsbahnhof Halle verantwortlich. Um zum Nachdenken anzuregen, wurden Künstlerinnen und Künstler beauftragt, Werke aus Müll zu kreieren.

Umgang mit Müll systemisches Problem

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"Kabeldämon" von Hermann Beneke Bildrechte: Ole Steffen/MDR

Als lokaler Künstler aus Sachsen-Anhalt ist der Bildhauer Hermann Beneke dabei. Sein Kunstwerk "Kabeldämon" ist das einzige der Ausstellung, das wirklich plastisch vor Ort zu sehen ist. Die Figur ist etwa einen Meter hoch und besteht aus sich durchschlingenden Kabeln. "Ein Hintergrund, den ich auch herangezogen habe, sind die Bedingungen wie in Afrika, wo nicht nur viel Industriemüll, sondern auch privater Müll landet“, erläutert der Künstler im Gespräch mit MDR KULTUR. Er verweist auf Reportagen über Müllhalden: Menschen sind auf der Suche nach Brauchbarem zum Verkauf. "Da wird natürlich auch Jagd auf Elektroschrott gemacht", beschreibt Beneke, "der dann im großen Stil unter offenem Himmel verbrannt wird“. Für ihn ist der Umgang mit Müll auf der ganzen Welt vor allem ein systemisches Problem.

Jeder Mensch erzeugt 457 Kilogramm Haushaltmüll pro Jahr

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Hermann Beneke will mit seiner Kunst für einen besseren Umgang mit der Umwelt sensibilisieren. Bildrechte: Ole Steffen/MDR

Künstler Hermann Beneke sieht aber auch die Bequemlichkeit jedes einzelnen Menschen als Ursache dafür an, warum so viel Müll entsteht. Laut Statistischem Bundesamt erzeugt jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich 457 Kilogramm Haushaltmüll pro Jahr. Die Weltbank hat das mal hochgerechnet: Wenn sich dieses Verhalten nicht ändert, werden ab dem Jahr 2050 weltweit jährlich ungefähr 3,4 Milliarden Tonnen Müll entstehen – eine schier unvorstellbare Zahl. Um dieses Szenario abzuwenden, sind viele kleine Schritte notwendig. Hermann Benekes Kunstwerk soll die Betrachter dazu ermahnen, mit der Umwelt besser umzugehen, "damit der 'Kabeldämon' einen nicht eines Tages einholt", sagt der Bildhauer.

Idee zur Ausstellung: eine Form von Greenwashing?

Wegen des Brandschutzes bleiben die übrigen sechs Exponate zweidimensional. Sie sind auf großen LED-Tafeln in der Mitte der Bahnhofshalle arrangiert. Die Ausstellung ist umgeben von einer Bäckerei, einem Café und mehreren bekannten Fast Food-Läden. Dieser örtliche Rahmen erzeugt ein Spannungsfeld, denn Vieles in dem Bahnhof wird schließlich "to go" verkauft. Das heißt, hier wird jede Menge Müll erzeugt. Bahnhofsmanger Karsten Kammler betont, man arbeite ständig daran – mit vielen kleinen Schritten –, dass die Geschäfte im Bahnhof nachhaltiger agieren.

Dass die Ausstellung als eine Form von "Greenwashing" wahrgenommen werden könnte, weist er zurück: "Wir machen es einfach, weil wir die Plattform haben, um es vielen zugänglich zu machen", so der Bahnhofsmanager.

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Karsten Kammler weist den Vorwurf des "Greenwashings" entschieden zurück. Bildrechte: Ole Steffen/MDR

Wenn wir sagen, wir verbannen das alles in Galerien, dann werden wir wieder nur eine bestimmte Schicht von Menschen mit dem Thema konfrontieren können.

Karsten Kammler, Manager des Bahnhofs Halle

Ein Ort der Erkenntnis

Es wäre mit Sicherheit interessant gewesen, zum Beispiel auch im Plastikkubus von Claudia Lüke aus Gelsenkirchen Platz zu nehmen oder den mit Taschentuchpackungen drapierten Reisekoffer von Bianca Wickinghoff aus Frankfurt zu erleben. Doch auch so, wie sie ist, bleibt die Ausstellung ein Ort für Erkenntnis. So erklärt eine Passantin, für sie resultiere "die menschliche Erkenntnis aus der Wissenschaft und aus der Kunst". Vielleicht fährt der eine oder die andere durch die Ausstellung einen Zug später ab.

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Claudia Lüke hat aus Plastikabfällen einen Sitzkubus entworfen. Bildrechte: Ole Steffen/MDR

Weitere Informationen Die Ausstellung "#ZeroWasteArt" ist noch bis zum 13. September im Hauptbahnhof Halle zu sehen.

Vom 12. bis zum 26. Oktober ist die Wanderausstellung ein letztes Mal im Berliner Hauptbahnhof zu sehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. September 2021 | 08:40 Uhr

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