Virtuelle Zeitreise Himmelsscheibe von Nebra als VR-Kunstprojekt in Halle neu erleben

Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra in einer Animation dargestellt - Entwurfszeichnung auf Grundlage des Konzeptes von Frederick Baker
Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra virtuell erleben Bildrechte: Filmbäckerei Fasolt-Baker-KG

Einen neuen Blick auf die Himmelsscheibe von Nebra erlaubt jetzt ein besonderes Kunstprojekt im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Besucherinnen und Besucher können sich dort ab Donnerstag, eine Virtual-Reality-Brille (VR) aufsetzen, um auf eine prähistorische Zeitreise zu gehen.

Mit der VR-Brille durch den Himmel reisen

Ein Besucher der VR-Kunstinstallation "Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra - eine virtuelle Reise"
Mit der VR-Brille eintauchen in die prähistorische Welt der Himmelsscheibe von Nebra Bildrechte: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

"Man hat das Gefühl, auf der Scheibe zu stehen und tatsächlich mit einem goldenen Schiff, wie die gedachten Sonnengötter, durch den Himmel zu reisen. Ein sehr beeindruckendes visuelles Erlebnis", erklärte Landesarchäologe Harald Meller bei der Präsentation am Mittwoch.

Die virtuelle Reise führe zu verschiedensten Orten, die mit der Himmelsscheibe verknüpft seien, etwa zu den Herkunftsorten der Rohstoffe, "aus denen dieser archäologische Jahrhundertfund" einst gefertigt worden sei, zum Ringheiligtum Pömmelte mit seiner bronzezeitlichen Siedlung oder nach Stonehenge bei Sonneaufgang zur Sommersonnenwende. So biete die Animation einen besonderen Zugang zum prähistorischen Weltbild und mache auf eindrucksvolle Weise deutlich, "dass es in der Bronzezeit in ganz Europa ein Handels- und Symbolsystem" gab.

Ein Besucher am virtuellen Fundort der Himmelsscheibe von Nebra
Wer sich die VR-Brille im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle aufsetzt, erlebt die Welt der Himmelsscheibe in einer zehnminütigen Kunstanimation. Bildrechte: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Projekt von Land, Bund und Unesco gefördert

Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra würdigte das Projekt mit den Worten, das Landesmuseum habe damit einmal mehr "ein Gespür für richtungsweisende Wissensvermittlung" bewiesen.

Erstellt wurde die etwa zehnminütige virtuelle Reise von dem österreichisch-britischen Künstler Frederick Baker. Ermöglicht wurde das rund 331.000 Euro teure Projekt mit Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Projektes UNESCO - Memory of the World.

Skizze auf Grundlage des Konzeptes von Frederick Baker zur VR-Kunstanimation "Die Himmelsscheibe von Nebra - eine virtuelle Reise"
Entwurf des österreichisch-britischen Künstlers Frederick Baker, der im Sommer 2020 unerwartet verstorben ist. Seine Frau, die Dramaturgin Sandra Fasolt-Becker, führte das rund 331.000 Euro teure Projekt zu Ende. Bildrechte: Filmbäckerei Fasolt-Baker-KG

Himmelsscheibe: Original bis Juli in London ausgestellt

Das Original der Himmelsscheibe ist noch bis zum 17. Juli im British Museum in London in der Ausstellung "The world of Stonehenge" zu sehen. Die Himmelsscheibe wurde 1999 von Schatzsuchern illegal auf dem Mittelberg bei Nebra (Burgenlandkreis) ausgegraben und 2002 in der Schweiz sichergestellt. Mit einem Alter von mehr als 3.600 Jahren gilt das Artefakt als weltweit älteste Darstellung konkreter Himmelsphänomene. 2013 wurde die Scheibe in das "Memory of the World"-Register der Unesco aufgenommen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. März 2022 | 16:30 Uhr