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Wandmalereien sollen das Plattenbauviertel lebendiger gestalten. Bildrechte: Tom Wesse/Freiraumgalerie

Bürgerbeteiligungsprojekt "Ha:neo" zeigt ErgebnisseUrbane Kunst soll Halle-Neustadt zur Zukunftsstadt machen

Stand: 14. Mai 2020, 12:12 Uhr

Auf der einen Seite der Saale beeindruckt Halles Innenstadt mit schönen Altbauten, am anderen Ufer erhebt sich das durch die sozialistische Moderne geprägte Halle-Neustadt. Zwei architektonische Welten. Doch auch das soziale Gefüge lässt einen Riss durch Halle laufen: Besonders Halle-Neustadt hat mit massivem Leerstand, Wegzug, Konflikten zwischen den Anwohnern und Imageproblemen zu kämpfen.

Dabei war die Planstadt zu DDR-Zeiten als Zukunftsstadt angelegt, innovativ als Ort des Miteinanders und der Kultur. Davon ist heute nur noch wenig geblieben.

Das soll sich ändern. Halle-Neustadt knüpft an seine Traditionen an und bewirbt sich in einem bundesweiten Wettbewerb als Zukunftsstadt. Eines der Teilprojekte, "Ha:neo", soll dem Stadtteil mit Bürgerbeteiligung und durch Kunst im öffentlichen Raum einen neuen Anstrich geben.

Bunt auf Grau

Einen bunten Stadtteil gibt es in Halle bereits: Die Initiative Freiraumgalerie gestaltet seit einigen Jahren das Viertel Freiimfelde um. Besonders urbane Kunst könne zu einer positiven Stadtentwicklung beitragen, meint der Künstler Danilo Halle, sowohl für die Anwohner als auch für die Außenwirkung.

Der erste Schritt, der oft erreicht wird durch Kunst, ist "Wow, da gibt's was, lass uns da mal sonntags mit unserer Familie mit unserem Fahrrad hinfahren, nach Neustadt fahren, da waren wir ja noch nie – es gab ja auch keinen Anlass – warum soll ich sonst nach Neustadt fahren." Aber jetzt gibt es dort eine riesengroße Wand, ein Kunstwerk, das für alle zugänglich ist!

Künstler Danilo Halle

Kommunikation auf Hauswänden

Dieses Werk schmückt seir Kurzem den Campus einer Schule in Halle-Neustadt. Bildrechte: Freiraumgalerie

Die ehemalige Planstadt bietet mit ihren großen Plattenbauten eine ideale Spielwiese, um großflächige Wände zu gestalten. Die Wandmalereien sind keine klassischen Graffitis, ästhetisch ähneln sie eher der Malerei. Muralismus, wie sich diese Art der Kunst nennt, hat in Halle-Neustadt eine lange Tradition, erklärt der Künstler Danilo Halle, der sich selbst als moderner Muralist versteht. Zu DDR-Zeiten wurden Muralisten vom Staat beauftragt, um auf künstlerischem Weg im öffentlichen Raum den Sozialismus zu verbreiten.

Die Tradition, Wände als Oberfläche zu nutzen, um zu kommunizieren und gesellschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln, die ist nach wie vor komplett richtig. Dass damals Propaganda damit gemacht wurde, da brauchen wir nicht drum herum reden und es ist letztlich auch eine Geschmacksfrage, ob einem diese sozialistischen Gestaltungsarten gefallen. Der Grundgedanke aber, die Stadt als Kommunikationsort zu nutzen und Wände natürlich als die offensichtlichsten Flächen zu sehen, die das größte Potenzial haben, weil man sich denen nicht verweigern kann.

Danilo Halle

Wandmalerei auf Wunsch

Keine propagandistischen Nachrichten, sondern die Wünsche und Bedürfnisse der Anwohner in Halle-Neustadt – sowohl inhaltlich als auch ästhetisch – sollen hier die Wände schmücken. Fünf Fassaden wurden bereits gestaltet. Im letzten Jahr malte der hallesche Künstler Sebastian Höger auf eine Fassade in der Hallorenstraße einen Jugendlichen mit grüner Mütze, kurzer Hose und buntem Hemd. Dieser neigt sich optisch einer weiteren Fassade zu, auf der eine haushohe Frieda Kahlo abgebildet ist. Während der Gestaltungarbeiten wurden die Anwohner des Viertels befragt, was die Jungenfigur in der rechten Hand halten soll. Die Nähe zum Skaterpark brachte schließlich die mehrheitliche Entscheidnung: Ein Skateboard ist nun der andauernde Begleiter des Jungen.

In der Muldestraße, zwischen Brachwiese, urbanem Gartenprojekt, BMX Halle und Islamischen Kulturzentrum hat die Freiraumgalerie in ihrer Beteiligungswerkstatt diese Woche über mit Anwohnern des Viertels gesprochen. Sie sammeln schon neue Ideen für Wandmalerien, die im nächsten Jahr entstehen sollen. Die Neustädter, mit denen sie ins Gespräch kommen, zeigen sich offen, sprechen unverblümt über Konflikte mit Nachbarn und ihre Wünsche für das Viertel. Auch der 13- jährige Thorben wird gefragt, was er sich für die Zukunft wünscht. Er wäre froh, wenn sich in Halle-Neustadt noch mehr bewegt.

Kreativer halt, nicht die Häuser die alle so gleich aussehen, dieselben Farben, sondern halt bunter! Und mehr grüne Wiesen und Flächen!

Thorben

Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligungswoche werden am Samstag auf einem großen und offenen Bürgerfest zwischen 15 und 18 Uhr in der Muldestraße 1 in Halle-Neustadt präsentiert. Fünf Fassaden können schon jetzt in dem Plattenbauviertel bewundert werden.

Wettbewerb ZukunftsstadtSeit 2015 ist die Stadt Halle Teil des bundesweiten Wettbewerbs "Zukunftsstadt" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Im Zentrum der Bewerbung um den Titel "Zukunftsstadt" steht dabei der Stadtteil Halle-Neustadt. Dabei gibt es drei Aktionsfelder, u.a. das Aktionsfeld "frei.raum.mit.gestalten – Bürgerbeteiligungsformate und Umgestaltung des Wohn- und Lebensumfelds". In diesem Aktionsfeld läuft das Projekt "ha:neo" der Freiraumgalerie. Inzwischen befindet sich Halle in der zweiten von drei Wettbewerbsphasen. Darin kämpfen 23 Städte um die acht Plätze der letzten Phase. Entwickelte Konzepte werden für die acht Gewinnerstädte auch finanziert.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio:MDR KULTUR | 08.09.2017 | 17:10 Uhr

Mehr Infos zum Projekt

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