"Eene, meene, muh!" Spielzeug-Ausstellung im Prignitz-Museum Havelberg verbindet Generationen

Das Prignitz-Museum am Dom Havelberg bei Stendal lockt im Advent Familien mit einer Sonderausstellung. In "Eene, meene, muh – Kinderspiel in Brandenburg" wird historisches Spielzeug nicht nur gezeigt, es darf auch ausprobiert und gespielt werden. Da gibt es Teddys, Blechautos und Puppenstuben, die statt Computer und Spielekonsole den Entdeckungsgeist wecken – und der ist bei kleinen und bei großen Kindern der gleiche. Bestätigung für den Ansatz kommt von der Kita-Leitung der Kindertagesstätte "Regenbogen".

Spielzeug-Kaufmannsladen mit kleinen Milchfläschchen und Mini-Obst in einer Vitrine. 4 min
Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Die Leitung des Prignitzmuseums Havelberg bei Stendal hat in den vergangenen Jahren bereits ein glückliches Händchen und ein gerüttelt Maß an Kenntnis der Freuden von Besucherinnen und Besuchern bewiesen. Die diesjährige Sonderausstellung zum Advent stellt wieder unter Beweis: Geschichte vermitteln lässt sich auch mit Seele, mit Spaß, mit Staunen. Diesmal geht es um historisches Spielzeug und die alten Spiele der Kinderzeit seit Ende des 19. Jahrhunderts. In "Eene, meene, muh – Kinderspiel in Brandenburg" geht es darum, Generationen zueinander zu bringen.

"Ich sehe was, was du nicht siehst!" – das kennen noch viele Kinder heutzutage. Aber wie ist es mit dem "Plumpsack" oder mit "Ringlein, Ringlein, du musst wandern"? Früher, als Oma und Opa, oft auch als die Eltern noch sehr jung waren, da waren derlei Kinderspiele gang und gäbe. Binnen weniger Jahrzehnte aber sind sie oft aus der Erinnerung gelöscht; zu kurzlebig ist die Zeit, zu schnell – zum Beispiel – die technische Entwicklung. In manchen Kinderzimmern heute herrschen Computertastatur und Spielekonsole, nicht Teddy, Blechautos und Puppenstuben.

Havelberger Museum-Trip in fremde und vergangene Welten

Für jüngere Besucherinnen und Besucher ist der Ausflug in die derzeitige Sonderausstellung des Havelberger Prignitz-Museums wie ein Trip in eine andere Welt. Der hölzerne Roller, die blecherne Botanikertrommel, die Puppen mit ihren Seidenkleidern und den geklöppelten Spitzenhäubchen – sie sind längst von Spielzeugen zu Relikten geworden, zu Exponaten – im Museum oder bei den Großeltern in der guten Stube.

Ältere empfinden die aktuelle Sonderausstellung wie eine Zeitreise, an der sie kaum spürbar selbst teilgenommen haben. "Auweia, ist das lange her", ist einer der am meisten gebrauchten Sätze Erwachsener derzeit im Museum Havelberg.

Vitrine mit zarten Kinderschirmchen, einer Puppe in herrschaftlichem Gewand und die passende Nähmaschine dazu.
In der Ausstellung in Havelberg werden manche Besucherinnen und Besucher erkennen, dass die eigenen Kinheitserinnerung längst Museumswert haben. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Antje Reichel, die Leiterin des Prignitz-Museums, kennt das. Sie hat aus ihrem eigenen Spielzeug-Erbe einen gepflegten, aber sichtbar in die Jahre gekommenen Teddybär und eine Sandmann-Handpuppe fürs Puppentheater beigesteuert. Sie habe als Kind im Elb-Havel-Winkel vor allem draußen gespielt und nie allein, erzählt sie. Das haben die Spiele von damals vielen von heute voraus, sagt dazu Sylvia Liban von der Kindertagesstätte "Regenbogen" in Havelberg.

Miteinander spielen heißt leben lernen

Beim Miteinander-Spielen lernen die Kinder zu gewinnen und zu verlieren. Damit umgehen zu können, sei wichtig für das ganze Leben. Deshalb lege sie im Kindergarten Wert auf die alten Gesellschaftsspiele wie "Mensch ärgere dich nicht" oder "Halma".

Die Eltern würden mit ihren Kindern heutzutage oft auf Erlebnisreise gehen, in einen Vergnügungspark zum Beispiel oder zu Indoor-Spielplätzen, sagt Libans Kollegin Beate Streuer. Viele Knirpse säßen schon im Kindergartenalter vor Computerspielen. Dabei würden geistige und körperliche Fitness Hand in Hand gehen. Sie denke, sagt Kita-Erzieherin Liban, an übergewichtige Kinder, an solche, die nicht mehr leichterdings seit- oder rückwärts laufen könnten. Unter der heutigen Spiele-Mode würden Koordinationsfähigkeit und Motorik spürbar leiden.

Im Prignitz-Museums Havelberg ist eine weihnachtliche Stube mit geschmückten Baum und einer Babypuppe in einer Wiege aufgebaut.
Die Kinder der Kindertagesstätte "Regenbogen" machen im Prignitz-Museum große Augen. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Da steuert jedoch auch die Adventssonderausstellung im Prignitz-Museum dagegen: Schaukel- und Steckenpferde können geritten, Würfel geworfen, Spielsteine gesetzt werden. Großen Applaus gibt es im Puppentheater, in dem die Kinder (und die, die es mal waren) von Schaf, Pferd, Kasper und Krokodil begrüßt und unterhalten werden.

Ausstellung in der Altmark weckt bei Kindern Entdeckungsgeist

Bei aller Spielfreude zeigt die Ausstellung aber auch seltene Exponate: filigrane Seidenschirmchen für zarte Kinderhände, einen vollständigen Puppenladen mit Milchfläschchen und kleinen Münzen in der Registrierkasse, dazu wertvolle Aufnahmen von Kindern und Kinderspielen der vergangenen 150 Jahre. Keines der Fotos zeigt traurige Blicke, höchstens ernst-neugierige, entdeckerische. Das ist auch die Parallele zum Heute: Solche Blicke zeigen viele der Besucherinnen und Besucher nach wenigen Minuten in der Sonderausstellung ebenfalls, egal, wie alt sie sind.

Alte Fotografie eines mit einer Eisenbahn spielenden Kindes.
Keines der Fotos in der Ausstellung "Eene, meene, muh – Kinderspiel in Brandenburg" zeigt traurige Blicke, höchstens ernst-neugierige und entdeckerische. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Mehr Informationen Sonderausstellung "Eene, meene, muh – Kinderspiel in Brandenburg"
bis 12. Februar 2023

Prignitz-Museum am Dom Havelberg
Domplatz 3
39539 Havelberg

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr

Geschlossen
Neujahr (1. Januar 2023), Heiligabend (24. Dezember 2022 ), 1. Weihnachtsfeiertag (25. Dezember 2022), Silvester (31.Dezember 2022)

Eintritt
Museum 4 Euro, ermäßigt 2 Euro, Familienkarte 10 Euro

Für Kinder bis 6 Jahre und Schulklassen des Landkreises Stendal ist der Eintritt frei.

Redaktionelle Bearbeitung: Simon Bernard

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Dezember 2022 | 06:15 Uhr

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