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Sabrina Lüderitz und Lutz Unbehaun im Festsaal der Heidecksburg in Rudolstadt. Bildrechte: MDR\Marieke Wiemann

Bilanz und Ausblick

Abschied und Beginn: Generationswechsel auf der Heidecksburg Rudolstadt

von Mareike Wiemann, Landeskorrespondentin Thüringen

Stand: 19. März 2021, 04:00 Uhr

Fast 20 Jahre hat Lutz Unbehaun das Landesmuseum im Barockschloss Heidecksburg geleitet, nun gibt er den Staffelstab weiter an Sabrina Lüderitz. In dieser Zeit hat der Museumsdirektor viel erreicht. An neuen Herausforderungen mangelt es dennoch nicht. Ein gemeinsamer Spaziergang durch Gemäldegalerie, "Rococo en Miniature" und das Naturhistorische Museum.

Lutz Unbehaun hat einen Lieblingsplatz auf der Heidecksburg: einen kleinen, schwach beleuchteten Raum in der Gemäldegalerie mit genau einem Kunstwerk darin. Das Werk "Morgennebel im Gebirge" von Caspar David Friedrich zeigt einen Berggipfel, der von dicken weißen Wolken umhüllt wird. Es ist Unbehauns ganzer Stolz: "Das ist natürlich ein Highlight, für das wir regelmäßig Leihanfragen bekommen. Das Gemälde war etwa schon in Atlanta oder Tokio zu sehen. Aber jetzt bleibt es aus konservatorischen Gründen erst mal hier, da es sehr empfindlich ist."

Miniatur-Welten im Barockschloss

Umso besser, dass der Friedrich in der Gemäldegalerie mittlerweile gut aufgehoben ist: Der Museumsdirektor hat die Räumlichkeiten sanieren lassen, und so aus dem Sommer- ein Ganz-Jahresmuseum gemacht. Nur ein Erfolg von vielen, die Unbehaun nun zu seinem Abschied vorweisen kann: Auch die ehemaligen fürstlichen Wohnräume hat er herrichten lassen und einen Besuchermagneten angekauft, die Sammlung "Rococo en miniature" der Künstler Manfred Kiedorf und Gerhard Bätz.

"Rococo en miniature" zeigt eine Miniaturenwelt im Stile des Rococo. Bildrechte: dpa

An Letzteres erinnert sich Unbehaun mit einem Schmunzeln: "Das war natürlich ein Husarenstreich, insofern, weil wir ja das Geld gar nicht hatten. Wir haben eine Regelung gefunden, die völlig unorthodox ist. Wir haben gesagt: Die Einnahmen von Rococo en miniature gehen eins zu eins an die beiden Künstler. Und damit zahlen wir diese ganze Sammlung ab."

Spuren im Umland

Nicht nur im Schloss, sondern auch in der Region hat der Kunsthistoriker Spuren hinterlassen: Er hat das Zeughaus Schwarzburg sanieren und als Museum einrichten lassen, seit knapp drei Jahren ist dort die fürstliche Waffensammlung der Grafschaft Schwarzburg-Rudolstadt zu sehen. Im Jagdschloss Paulinzella hat er eine Schau zur Kloster-, Forst- und Jagdgeschichte etabliert.

Ausstellung im Zeughaus Schwarzburg Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Einfach war all das nicht, denn an Geld hat es immer gemangelt. Als absoluten Tiefpunkt bezeichnet Unbehaun die Entscheidung der Landesregierung im Jahr 2004, den institutionell geförderten Museen die Gelder zu entziehen. Fast über Nacht sei damals rund eine halbe Million Euro weggebrochen: "Da gibt's böse Briefe hin und her, Sie machen neue Konzepte, Sie machen neue Personalaufstellungen und überlegen, wie Sie den Betrieb überhaupt noch aufrecht erhalten. Das war schon eine schlimme Erfahrung, die ich eigentlich niemandem wünsche."

Neue Herausforderungen warten

Vor allem nicht Nachfolgerin Sabrina Lüderitz, denn auch die aktuelle finanzielle Situation sieht nicht gerade rosig aus. Vom Sonderinvestitionsprogramm, das der Bund für die Schlösser und Burgen in Thüringen kürzlich auf den Weg gebracht hat, bekommt die Heidecksburg weit weniger Gelder ab, als erhofft. Und das, obwohl es Sanierungsbedarf in Höhe von rund 40 Millionen Euro gibt. Vor allem das Dach des Nordflügels muss dringend erneuert werden, dort regnet es durch.

Die 38-Jährige will sich hier in den kommenden Monaten mit Energie ans Werk machen – mit positiver Energie, wie sie betont: "Ich hege keinen Groll. Vielleicht war die Zeit für die Heidecksburg noch nicht gekommen, das bedeutet aber nicht, dass wir aufgeben."

Mit der Materie bestens vertraut

Schloss Heidecksburg ist das ehemalige Residenzschloss der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Bildrechte: MDR/Holger John

Lüderitz weiß, wovon sie spricht, denn sie ist quasi ein Eigengewächs der Heidecksburg: Sie absolvierte hier ein Volontariat, wurde danach Kustodin für das Schlossmuseum. Für die nächsten Jahre hat sie bereits konkrete Pläne. Beim Nordflügel des Schlosses will sie nicht nur das Dach ertüchtigen, sondern sich auch das Naturhistorische Museum darunter vornehmen.

Beim Gang durch dessen Räume wird schnell deutlich: Die Ausstellung ist völlig veraltet, das wunderschöne historische Naturalienkabinett nur schwer zu finden: "Wir wollen diesen Nordflügel komplett neu denken: einen Magnet schaffen, der bislang nicht ganz so repräsentiert wird, wie wir uns das vorstellen." Laut Lüderitz soll eine naturhistorische Erlebniswelt entstehen, in der alte Bestände und neue Vermittlungstechniken aufeinandertreffen – die Aufgabe fürs nächste Jahrzehnt auf der Heidecksburg scheint gesetzt.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 19. März 2021 | 06:15 Uhr