Ausstellung Projekt Heimathorizonte: Wie Künstler auf Heimatsuche in Sachsen-Anhalt sind

Bereits zum zweiten Mal haben Künstlerinnen und Künstler in Sachsen-Anhalt mit dem Stipendium "Heimathorizonte" kleine Museen erkundet. Wozu sie dabei inspiriert wurden, ist jetzt in Halle zu sehen. Das Stipendienprojekt der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt ist deutschlandweit bislang einzigartig. Und es hat Strahlkraft – Sachsen will es jetzt auch auflegen.

Beim Projekt Heimatstipendium werden Künstlerinnen verschiedensten Sparten mit kleinen Museen zusammengebracht. Was daraus für spannende und kreative Sichtweisen entstehen, kann jetzt in der Schau "Heimathorizonte – Wenn Museen wachgeküsst werden" der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt in Halle erkundet werden. An zehn Orten haben sich insgesamt zehn Künstler und Künstlerinnen inspirieren lassen.

Gruppe von Menschen sieht nach oben
Die Künstlerinnen und Künstler und andere an dem Projekt beteiligte Bildrechte: Matthias Ritzmann

Deutschlandweit einmalig

Mit dem Heimatstipendium ist der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt ein bisher deutschlandweit einmaliges Projekt gelungen. Es ist bereits der zweite Durchgang, der nun zu Ende gegangen ist. Dabei war es ein denkbar ungünstiges Jahr für das Heimatstipendium. Die Künstler durften nicht reisen, Museen und Gedenkstätten hatten geschlossen. Man kannte man sich monatelang nur vom Bildschirm.

Wohl erst gegen 20 Uhr - Heimathorizonte, Ausstellung, Halle
Auch Museumsobjekte sind zu sehen, sie werden den Kunstwerken gegenübergestellt Bildrechte: Matthias Ritzmann

Auseinandersetzung mit Heimat

Das Spektrum an Orten und auch an künstlerischen Zugängen ist weit: vom Rörigschacht in Wettelrode, über das Salzlandmuseum Schönebeck, aus dessen Fundus die Künstlerin Annette Funke die alten Bördetrachten herausgekramt hat, um sie auszustellen und Scherenschnitte davon zu machen oder von den Heimatschätzen in Eisleben, für die es noch gar kein Museum gibt, bis hin zur Gedenkstätte für Opfer der Euthanasie in Bernburg, in der die Schmuckgestalterin Mareen Dunker für einzelne Opfer Gedenkschmuck kreiert hat.

Wohl erst gegen 20 Uhr - Heimathorizonte, Ausstellung, Halle
Kleine Figuren Bildrechte: Matthias Ritzmann

Die Künstler haben weitergearbeitet, die sind explodiert, was ihre Kreativität anbelangt. Oder es wurden kleine Läden in Straßen angemietet, wo in Schaufenstern was gezeigt wurde. Es gab einen tollen Wettbewerb für Kinder, wo Fabelwesen kreiert wurden.

Manon Bursian, Leiterin der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt

Stets setzten sich alle auch mit dem Begriff der Heimat auseinander – aktueller könnte ein Kunstprojekt dieser Größe dann auch gar nicht sein. Das Thema Heimat ist aktuell und vielschichtig, Zündstoff in der Gesellschaft und ein hochemotionales Thema – es treibt aber auch Künstler um. Die Museen sind ja Heimat schlechthin.

Dass wir nun gleich ein ganzes Programm danach benannt haben und in die Museen damit ziehen, wo die Heimat ja schlechthin liegt, das zeigt auch, wie Künstler eigentlich einen anderen Zugriff auf dieses Thema haben.

Manon Bursian zum Stichwort Heimat

Künstlerische Beziehungsarbeit

Die Leiterin der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, Manon Bursian, nennt das Heimatstipendium auch ein "Beziehungsanbahnungsinstitut", da hier Leute zusammenkommen, die sich sonst im Leben wohl nie getroffen hätten. Und damit erfindet es sich immer wieder neu.

Fernsehgerät
Auch Filmkunst ist entstanden Bildrechte: Matthias Ritzmann

Björn Herrmann von der Kunststiftung war überall mit vor Ort, hat Künstlerinnen und Künstler, sowie auch die Museumsleiterinnen und -leiter begleitet. Es habe sich ihm gezeigt, dass sich immer wieder neue künstlerische Zugänge offenbart haben und offenbaren werden:

Selbst wenn man drei naturwissenschaftliche Sammlungen durch verschiedene Künstler betrachten lässt, so wird man nie das selbe Ergebnis haben. Jeder Künstler in seinem Bereich wird sich anders diesem Museum nähern. Und deshalb wird es immer spannend bleiben.

Björn Herrmann, Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Vor einer erneuten Auflage des Projektes hofft die Kunststiftung nun aber erst einmal, dass möglichst viele der kleinen Museen auch rege besucht werden.

Übrigens: Bisher war die Kunststiftung die einzige Institution in Deutschland mit so einem Projekt. Sachsen will jetzt nachziehen. Das Heimatstipendium hat großes Zukunftspotential.

Haus von außen
Kunststiftung Sachsen-Anhalt am Neuwerk in Halle Bildrechte: Matthias Ritzmann

Die Ausstellung Ausstellung: "Heimathorizonte"

Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Neuwerk 11

4. September – 24. Oktober 2021

Werke der Stipendiaten:
Nora Mona Bach, Etienne Dietzel, Mareen Alburg Duncker, Annette Funke, Lucie Göpfert, Julia Himmelmann, Thomas Jeschner, Petra Reichenbach, Julia Rückert und Julia Schleicher

Heimatstipendium Sachsen-Anhalt

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. September 2021 | 07:40 Uhr

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