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Künstlerin Nora Mona Bach hat im Rahmen des "Heimatstipendiums" ihr Atelier im Röhrigschacht aufgebaut und sich dem Bergbau künstlerisch genähert. Bildrechte: Rosenstadt Sangerhausen GmbH

Heimatstipendium des Landes Sachsen-AnhaltKunst im Röhrigschacht: Hallesche Künstlerin eröffnet Atelier unter Tage

von Anne Sailer, MDR KULTUR

Stand: 13. November 2021, 04:00 Uhr

Bereits zum zweiten Mal hat die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt das Heimatstipendium ausgeschrieben. Dabei nähern sich zehn Kunstschaffende einer kleinen Einrichtung und setzen sich mit deren Sammlungen auseinander, heben vergessene Schätze aus dem Archiv, entwickeln innerhalb eines Jahres künstlerische Zugänge. Dieses bisher deutschlandweit einzigartige Projekt hat die Hallesche Künstlerin Nora Mona Bach in das Bergbaumuseum des ErlebnisZentrums Bergbau Röhrigschacht geführt.

Schon als Kind suchte Nora Mona Bach, gemeinsam mit ihrem Vater, Achate und andere Steine. Die Erzählungen ihres Großvaters, der als Bergmann unter Tage gearbeitet hat, hatte sie noch lebhaft im Ohr. Als sie später an der Kunsthochschule Burg in Halle zu studieren begann und sich beim Malen sehr für Kohle interessierte, wunderte sich die junge Frau zunächst nicht. Dass es mit ihrer Familiengeschichte zusammenhängen könnte, kam ihr erst während des Stipendiums in den Sinn.

Jeder Künstler muss ja sein Material finden. Und Kohle ist mein Material, es entspricht mir persönlich, denn ich kann Entstandenes immer wieder verwerfen.

Nora Mona Bach, Künstlerin

Im Harz auf den Spuren des Großvaters

Bei ihren Recherchen rund um den Röhrigschacht Wettelrode erkundete sie nicht nur den Schacht selbst, sondern entdeckte auch über der Erde spannende Weggabelungen. Sie plante diese für ihre Arbeit einmal abzulaufen und vielleicht eine Karte zu erstellen. Doch es sollte alles anders kommen. Nora Mona Bach war schwanger mit ihrem zweiten Kind, Corona kam und ihr Großvater starb. Dazu sagt sie: "Das hat mich natürlich vor neue Herausforderungen gestellt, mich dem Leben meines Großvaters zu nähern."

Die Künstlerin im Röhrigschacht, wo schon ihr Großvater gearbeitet hat. Bildrechte: Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt

Viele Geschichten von "unter Tage" nahm der Großvater mit ins Grab. Das Trauma wegen eines verschütteten Kumpels zum Beispiel. Noch intensiver begann Nora Mona Bach nun seiner Lebensgeschichte nachzufühlen. Folgte ihm in den Schacht, fand heraus, warum er so ein stiller Mensch gewesen war - denn in so einem Schacht arbeiteten die Menschen über Jahrhunderte meist allein unter den schwierigsten Bedingungen. Im Röhrigschacht Wettelrode, in dem Kupfer und Silber abgebaut wurden, oft stundenlang, eingeklemmt im Liegen.

Im Bergwerk mit der Heimaterde zeichnen

Nora Mona Bach, die dann irgendwann wegen ihres dicken Babybauches nicht mehr in den Schacht hinunterfahren konnte, ließ sich aus Wettelrode einen Eimer voll Kupferschieferflöz bringen. Eine weiche, mulmige Masse – wie Bach sie nennt – die aber "Feine Lette" heißt und tiefschwarz ist. Es wurde wieder Zeit sich die Arbeitsmaske über den Kopf zu ziehen und sich der "Heimaterde" zu widmen, auf der Suche nach dem Vermächtnis des Großvaters. Nora Mona Bach zeichnete, kletterte auf die Leiter, nähert sich dem Bergbaugebiet auf künstlerische Weise. Sie nennt es "Versuche mit der Heimaterde". Zum Teil sind das riesige Bilder, die an verschwommene, schwarze Wimmelbilder erinnern und zum Ansehen zwingen.

Blick in Nora Mona Bachs Ausstellung. Bildrechte: Rosenstadt Sangerhausen GmbH

Die Feine Lette lässt sich als künstlerisches Material ebenso verwenden wie die groben Stücke des Schiefergesteins – mit Ihnen lassen sich Strukturen auf dem Papier abzeichnen. Sie lasten auf dem Papier, lassen sich schwer beräumen und neigen dazu es zu verletzen. Es musste sortiert werden. Neben dem Papier entstand eine kleine Halde.

Das Atelier im Schacht

Entstanden sind groß- und kleinformatige Arbeiten. Einige davon sind ab dem Abend des 13.11. über Erde in der Ausstellung "Vom tiefen Grund. Reflexionen über den Bergbau" von Nora Mona Bach im ErlebnisZentrum Bergbau zu sehen. Im Schacht selbst hat Nora Mona Bach ihr Atelier aufgebaut. Symbolisch. Hier hängt auch ein noch unfertiges Blatt Papier. Die Künstlerin ist gespannt, was der Schacht mit dem Material macht: "Das wird sicher wellig."

Außerdem sammelt die Künstlerin unter dem Titel "Gedächtnis der Heimat“ Gegenstände von Menschen, die in jeder denkbaren Form eine Verbindung zum Thema Berg- und Hüttenwesen haben. Historische Zeugnisse aus einer Region, deren Landschaft noch heute stark vom Bergbau geprägt ist. Nora Mona Bach träumt von einer Schachtwanderung, bei der über Tage die Schächte abgelaufen werden. Irgendwann wird sie diese laufen - mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern.   

Blick in das Atelier von Nora Mona Bach im Röhrigschacht. Bildrechte: Nora Mona Bach

Informationen zur AusstellungNora Mona Bach "Vom tiefen Grund. Eine Reflexion des Bergbaus"

14. November bis 13. Februar 2022

ErlebnisZentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode
Lehde 17, 06526 Sangerhausen

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 16 Uhr

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 13. November 2021 | 08:10 Uhr