Heimatstipendium Warum Julia Himmelmann am Börde-Museum eine DDR-Tradition neu belebt

Zu DDR-Zeiten fanden in Ummendorf im Landkreis Börde regelmäßig Bildhauer-Symposien statt. Viele der Künstlerinnen und Künstler ließen ihre Werke im Skulpturengarten des örtlichen Börde-Museums zurück. An die bildhauerische Tradition der kleinen Gemeinde knüpft die Hallesche Künstlerin Julia Himmelmann im Rahmen des Heimatstipendiums der Kunststiftung Sachsen-Anhalt an: Ihre Ausstellung im Börde-Museum Burg Ummendorf trägt den Titel "Mutter Erde" und zeigt moderne und ungewöhnliche Keramiken.

Julia Himmelmann 5 min
Die Keramikkünstlerin Julia Himmelmann aus Halle Bildrechte: Matthias Ritzmann

Die Hallesche Künstlerin Julia Himmelmann hat im Rahmen des Heimatstipendiums am Börde-Museum in Ummendorf Keramiken geschaffen. Sie belebt damit auch eine bildhauerische DDR-Tradition neu.

MDR KULTUR - Das Radio So 12.09.2021 13:00Uhr 04:58 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Im Außengelände des Börde-Museums in Ummendorf gibt es einen Skulpturengarten, denn zu DDR-Zeiten fanden hier immer wieder Symposien statt und verschiedene Bildhauer ließen ihre Arbeiten in dem Garten zurück.

Anknüpfen an DDR-Tradition

Um diese Tradition wieder aufleben zu lassen, arbeitete die hallesche Künstlerin Julia Himmelmann im Rahmen des Heimatstipendiums der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt an einigen ungewöhnlichen Keramiken, die neben den runden, verwitterten Frauenfiguren aus Stein hier im Garten fast schon frisch und fröhlich wirken. Darunter ist zum Beispiel eine phallisch anmutende blaue Skulptur mit dem Namen "Gurke".

Burg Ummendorf aus der Vogelperspektive
Burg Ummendorf beherbergt das Börde-Museum Bildrechte: MDR/Frank Stuckatz

Erdverbundenheit

Teil
Die Skulptur "Gurke" von Julia Himmelmann Bildrechte: Matthias Ritzmann

Himmelmanns Ausstellung heißt "Mutter Erde". Damit verweist die 1984 geborene Künstlerin auf Parallelen zwischen ihrer Arbeit mit dem Material und der landwirtschaftlichen Arbeit in fruchtbarem Boden.

Auch Himmelmann arbeitet mitunter körperlich hart mit großen Tonmassen, knetet, schneidet, bewässert immer wieder und wartet mitunter wochenlang, bis der Ton reif ist für den Ofen. Nach dem Brand bekommen ihre Keramiken noch einen schrillen Anstrich. Daher auch Himmelmanns Interesse am kraftvollen Wirken von Mensch und Erde in der fruchtbaren Börderegion.

Von Dampfpflug bis Kräutergarten

Teil
Julia Himmelmann: "Wurst und Phallus" Bildrechte: Matthias Ritzmann

Das Börde-Museum in Ummendorf erzählt die Geschichte dieser Region und wird im kommenden Jahr nach Umfangreichen Sanierungsarbeiten wieder vollständig zu sehen sein. Derzeit können neben dem Skulpturengarten mit den neuen Arbeiten von Julia Himmelmann aber auch der Kräutergarten und der Dampfpflugsatz des Museums besichtigt werden.

Das Börde-Museum nennt seit den 70er-Jahren einen vollständigen Dampfpflugsatz sein eigen und ist weltweit eine von nur acht Einrichtungen, die diese Technik präsentiert. 1863 wurde erstmals in Preußen in der Magdeburger Börde mit dem Dampfpflug gearbeitet. Wasserwagen und Pflug vervollständigen seit dem vergangenen Jahr das bestehende Ensemble. Im Garten des Museums Burg Ummendorf treffen nun also Kunst und Technik aufeinander und laden ein, sich auf ganz verschiedene Weise mit der Geschichte der Region zu befassen.

Das Börde-Museum

Das Börde-Museum in Ummendorf ist das kulturgeschichtliche Heimatmuseum der Magdeburger Börde. Es erzählt die Geschichte der fruchtbaren Börderegion und spiegelt exemplarisch den kulturellen Wandel dort. Denn einst kamen vor allem Frauen als Wanderarbeiterinnen hierher, die sogenannten "Sachsengängerinnen", um bei der Bestellung der riesigen weiten Felder zu helfen. Viele von ihnen fanden hier eine neue Heimat. Ihre Geschichte, die Geschichte der Landwirtschaft mit einer großen Gerätesammlung, all das findet sich im Börde-Museum, das derzeit umfangreich saniert wird.

Männer mit Pferden bei der Feldarbeit
"Zuckerrübenernte" – Aufnahme von Fritz Giesecke (1905-1984) aus den 1920er-Jahren in der Magdeburger Börde, aus der Sammlung des Börde-Museums Burg Ummendorf Bildrechte: Matthias Ritzmann
Teil
Kunstwerk von Julia Himmelmann für den Skulpturengarten in Ummendorf Bildrechte: Matthias Ritzmann

Die Ausstellung Julia Himmelmann: "Mutter Erde"

13. September bis 28. November 2021

Börde-Museum Burg Ummendorf
Meyendorffstraße 4, 39365 Ummendorf

Die Innenräume sowie der Burgturm des Museums sind auf Grund von Sanierungsmaßnahmen vorrübergehend geschlossen.

Öffnungszeiten Kräutergarten, Landtechnikausstellung, Skulpturengarten:
Dienstag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag 11 bis 17 Uhr
Montag geschlossen

Sachsen-Anhalt entdecken

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. September 2021 | 13:10 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Kultur

Grit Lemke  vor dem letzten noch vorhandenen Block des damaligen Vertragsarbeiterwohnheims mit Audio
Grit Lemke, aufgewachsen in Hoyerswerda, vor dem letzten noch vorhandenen Block des damaligen Vertragsarbeiterwohnheims. Sie wohnte in der gleichen Straße, wurde vom Angriff im benachbarten Jugendklub "Der Laden" völlig überrascht. Über ihre Kindheit und den September 1991 hat sie nun ein Buch geschrieben, das im September erscheint: "Kinder von Hoy". Bildrechte: ohne Angabe

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei