Ausstellung "La Bohème" Ausstellung der Plakatlegende Henri de Toulouse-Lautrec in der Moritzburg Halle

Andreas Höll
Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Werke des legendären Plakatkünstlers Henri de Toulouse-Lautrec werden im Kunstmuseum Moritzburg in Halle ausgestellt. Im Paris zur Zeit der Belle Époque avancierte er zu einem der gefragtesten Künstler, Plakatkleber wurden abgepasst und bestochen, um die Kunstwerke des Meisters zu erhalten. Derzeit ist der Besuch der Ausstellung aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht möglich. Erfahren Sie hier dennoch, warum sich die Vorfreude auf die Schau unbedingt lohnt.

Paris zur Zeit der Belle Époque – das war eine Metropole voller Energie und Verführungskraft. Die Kunst florierte, die Cabarets und Varietés wurden zu magischen Orten von Kultur und Unterhaltung. Und der geniale Stadtplaner Georges-Eugène Haussmann schickte sich an, die Hauptstadt radikal umzubauen.

Stadtumbau förderte Plakatkunst

In dieser rauschhaften Epoche boomte die Wirtschaft – und so wurde sie auch zur Geburtsstunde der Massenwerbung. Und da entwickelte sich vor allem auch das neue Medium der Plakatkunst.

Anke Dornbach, die Kuratorin der Schau "La Bohème - Henri de Toulouse-Lautrec und die Meister vom Montmartre" im Kunstmuseum Moritzburg beschreibt die Bedingungen, unter denen die Plakatkunst damals gedieh: "Zum einen gab es erstmals eigentlich eine Überproduktion von Luxusgütern, die auch einfach beworben werden mussten. Dann gab es eben auch die Möglichkeit, dadurch, dass in Paris soviel umgebaut wurde. Und da gab es eben große Flächen, diese ganzen Bauzäune, die da auch bespielt werden konnten. Und dann gab es eben die ganzen Künstler, die dort diese Nachfrage nach Plakaten, nach Werbung bedient haben."

Siegeszug der Werbekampagnen

Das Medium der Lithografie ermöglichte hohe Auflagen zu geringen Preisen – und so begann der Siegeszug der Werbekampagnen im öffentlichen Raum.

Der Vater dieser neuartigen Plakatkunst hieß Jules Chéret. Er zeigte am liebsten junge schlanke Damen in dynamischen Posen – und die machten dann auch Reklame für ein Produkt, das man nicht unbedingt mit diesen jungen Models in Verbindung bringt. Dornbach beschreibt es: "In dem Fall hier ist es ein Abführmittel, was sie bewirbt. Das ist sozusagen das Allheilmittel im Grunde genommen, damit man denn vielleicht irgendwann wieder so ausschaut, wie diese junge Dame, die uns hier entgegenschwebt."

Toulouse-Lautrec machte Werbung zur Kunst

Henri Marie Raymond De Toulouse-Lautrec
Henri Marie Raymond de Toulouse-Lautrec-Monfa, 1894 Bildrechte: imago images/ZUMA Press

Jules Chéret war der Wegbereiter der Plakatkunst, doch dann betrat Henri de Toulouse-Lautrec die Bühne. Und dieser eigensinnige Aristokrat hat dann diese Form der Werbung in den Rang einer Kunst erhoben.

Dornbach sagt über ihn: "Toulouse-Lautrec war jemand, der sich überhaupt nicht geschert hat, was andere über ihn dachten. Er hatte diese glückliche Situation, dass er aus einer wohlhabenden, eben hochadeligen Familie gekommen ist und dass er im Grunde genommen einfach sein Leben gelebt hat, wie er Lust und Laune hatte. Er hat in den Bordellen gelebt, er war Teil dieser vielleicht auch so ein bisschen Außenseiterszene. Man muss sagen, er war natürlich durch seine eigene Behinderung, er war ja nur 1,52 Meter groß, weil er diesen Unfall hatte als Kind, er war auch körperlich so ein bisschen ein Außenseiter."

Inspirationen aus Japan

Der geniale Außenseiter wird bei seinen Plakaten stark inspiriert von den japanischen Farbholzschnitten. Und im Gegensatz zu seinen Künstlerkollegen entwickelt er da eine veritable avantgardistische Bildsprache. Seine Werke sind viel abstrakter, teilweise auch viel flächiger, sagt Dornbach und hebt hervor, dass das bei einer Plakatwirkung auch ganz wichtig ist, wenn man große Flächen hat, die schon von weitem wirken.

Und ganz interessant ist auch bei den Werken von Toulouse-Lautrec: die jungen Damen, die dargestellt sind. Man weiß oft gar nicht, ist es eher eine Bordellszene oder ist es eher eine Alltagsszene einer jungen, angesehenen Dame. Da hat da jede Grenze überschritten, eigentlich.

Anke Dornbach, Kuratorin der Schau

Der Grenzgänger Toulouse-Lautrec entwickelt einen ganz eigenen Stil, genauso wie seine Kollegen Alfons Mucha oder Pierre Bonnard. Und diese Plakate werden dann auf einmal zu einer ganz heißen Ware:

Interessanterweise ging es sehr schnell los, dass diese Plakatkleber, die eben in Paris immer unterwegs waren, bestochen wurden von Kunstsammlern, teilweise dann auch von Galeristen. Und da hat sich sehr schnell dann eben auch einen Kunstmarkt entwickelt. Es prägte sich dann der Begriff der sogenannten 'Affichomanie', also des 'Plakatwahnsinnes'.

Anke Dornbach

Und dieser Plakatwahnsinn, der kann einen auch noch heute entführen in den verführerischen Rausch der Belle Époque.

Die Ausstellung La Bohème – Henri de Toulouse-Lautrec und die Meister vom Montmartre
Kunstmuseum Moritzburg Halle/Saale

01.05.2021 — 08.08.2021

Die Ausstellung wird flankiert von zwei weiteren Ausstellungen, die Schätze aus der Sammlung des Museums zeigen: japanische Farbholzschnitte und Kunsthandwerk der Art Nouveau.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Ausstellung derzeit geschlossen. Bitte informieren Sie sich auf der Webseite des Museums, ab wann der Besuch vor Ort wieder möglich ist.

Gespräch mit Thomas Bauer-Friedrich

Thomas Bauer-Friedrich, 2015 7 min
Bildrechte: dpa

Welche Ausstellungen sind 2021 im Kunstmuseum Moritzburg geplant, verschoben versenkt? Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich im Gespräch mit Carsten Tesch.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 13.01.2021 06:00Uhr 07:08 min

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Museen und Ausstellungen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. April 2021 | 07:10 Uhr

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