"Hortensienmode – Modehortensien" Ausstellung bei Pirna zeigt Hortensien als Modephänomen

Das Landschloss Zuschendorf bei Pirna, das sonst für seine Kamelien berühmt ist, erblüht derzeit in üppiger Farbenpracht. Die diesjährige Hortensien-Schau widmet sich der aus Japan kommenden Blüte als Phänomen in der Modegeschichte. Denn auch Blumen unterliegen gewissen Trends, genauso wie Kleidung oder Schmuck. Die Ausstellung "Hortensienmode – Modehortensien" ist nicht nur für Gartenfreunde ein Ausflugsziel. Sie präsentiert eine Zeitreise durch 200 Jahre Zuchterfolge und modische Erscheinungen rund um die zumeist blassblaue oder rosafarbene Blume.

Blau und rosa Blütenbälle an einer Bauernhortensie 4 min
Bildrechte: Brigitte Goss

Nicht nur Kleidung oder Möbel unterliegen der Mode. Auch an Blumen lassen sich Trends ablesen. Die Hortensienschau am Landschloss Pirna-Zuschendorf zeigt typische Hortensienmoden und Modehortensien aus fünf Epochen.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 30.07.2021 12:00Uhr 03:50 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Unsere Reise beginnt im frühen 19. Jahrhundert mit einer Hortensie, die in ihrer romantischen Verklärtheit und Zartheit dem heutigen Zeitgeschmack eher nicht mehr entspricht. Das lag daran, dass die Hortensie damals in Europa unbekannt war, wie der technische Leiter von Schloss Zuschendorf, Matthias Riedel, weiß: "Ganz feines, helles Blau in der Blattfärbung. Und diese Blätter eiförmig und ziemlich stark geädert, wie wir das hier sehen. Also heute nicht mehr so spektakulär. Und auch nicht so blühsicher als Pflanze. Sie sehen es: es sind relativ wenig Blüten an so einer Pflanze dran. Aber für die damalige Zeit war es eben eine Sensation."

Wie die Hortensie von Japan nach Europa kam

Hortensienschau im Landschloss Zuschendorf in Pirna (Sachsen)
Matthias Riedel, Leiter der botanischen Sammlungen in Schloss Zuschendorf Bildrechte: dpa

Plötzlich tauchte diese spektakuläre blaue Blume namens "Otaksa" auf und war fortan als Statussymbol heiß begehrt. Mit ihr verband sich gleichzeitig eine tragische Liebesgeschichte: Die des berühmten deutschen Botanikers Franz von Siebold und seiner verzehrenden Liebe zu der schönen Otaki, die er in Japan zurück lassen musste. Nach ihr benannte er die blassblaue "Otaksa". Für die Menschen in der Romantik, die auf der Suche nach der "Blauen Blume" waren, eine besonders ergreifende Geschichte.

Diese blaue Blume, die plötzlich in Europa war und aus dem Land der aufgehenden Sonne kam. Das war eine ganz spektakuläre Mode. Da ist eine richtige Welle draus geworden.

Matthias Riedel, Leiter der botanischen Sammlungen von Schloss Zuschendorf

"Alle wollten sie haben"

Hortensienschau
Der "Putzmachersalon" im Festsaal von Schloss Zuschendorf Bildrechte: Schloss Zuschendorf

Vom oberen Teil des Schlossparks, in dem man in einem japanisch gestalteten Pavillon Franz von Siebold und seiner "Otaksa" begegnen kann, führt der Weg ins Schloss. Im Festsaal findet man sich in einem "Putzmachersalon" der ausgehenden Kaiserzeit wieder, in dem die feinen Damen Hüte erstehen konnten. Die Hortensien jener Zeit kamen aus Frankreich, der Wiege der europäischen Hortensienzucht. Sie galten immer noch als sehr kostbar und blieben damit zunächst Adel und Bürgertum vorbehalten. In ihrer Zartheit waren sie jedoch fürs deutsche Klima ungeeignet. Und so wurden winterharte Sorten gezüchtet.

Matthias Riedel führt aus: "1926 hat man die neuen Hortensien-Züchtungen auf der großen Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung in Dresden erstmals vorgestellt. Das war wie ein Rausch. Alle wollten sie haben, weil sie natürlich von völlig neuer Qualität waren, im Gegensatz zu den französischen: Die Stängel sind stärker geworden, die Farben intensiver, die Pflanzen gedrungener – eine völlig neue Modewelle."

Hortensienschau
Wie Mode unterliegen auch Blumen gewissen Trends - im Landschloss Zuschendorf gibt es beides zu sehen: "Hortensienmode – Modehortensien". Bildrechte: Schloss Zuschendorf

Ausstellung spiegelt Gartenkunst und gesellschaftliche Ereignisse

Im Vestibül des Schlosses spielt sich eine packende Szene ab: Die Luftfahrtpionierin Amelia Earhart landet mit ihrem Fallschirm sanft in einem Blütenmeer aus Hortensien. Über ihr saust das Flugzeug dahin, mit dem sie 1934 eine Weltumrundung versuchte. In Wirklichkeit endete dieser Flug tragisch. In der von Bea Berthold liebevoll gestalteten Schau spiegeln sich die Modetrends der Hortensien in den gesellschaftlichen Entwicklungen wieder. Ergänzt wird die Sammlung durch anmutige Zeichnungen, etwa von Irene Barkmann, einst als weltbeste botanische Illustratorin ausgezeichnet.

Hortensienschau
Die Flugpionierin Amelia Earhard in einem Meer aus Hortensien. Bildrechte: Schloss Zuschendorf

Spektakuläre Neuzüchtungen

Matthias Riedel weist in der Ausstellung auf die spektakulären Neuzüchtungen der letzten Jahre hin: Dazu zählt die Ballhortensie "Schloss Wackerbarth". Ihren Namen verdankt die Art folgendem Umstand: "Wenn man sie blau färbt, dann sind die echten Blüten so blau, wie prickelnder Sekt. Und die Amerikaner lieben das ungemein", so Riedel.

Andere Neuschöpfungen sind etwa mehrfarbige Blüten oder elegante lackschwarze Stängel. Und so endet die farbenfrohe Zeitreise, die nicht zuletzt vom großen Können der sächsischen Gärtner erzählt.

Landschloss Zuschendorf
Das Landschloss Zuschendorf bei Pirna beherbergt bis zum 8. August 2021 die Ausstellung "Hortensienmode – Modehortensien". Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Informationen zur Ausstellung "Hortensienmode – Modehortensien"
Bis zum 8. August 2021 im Landschloss Zuschendorf bei Pirna

Anschrift:
Am Landschloss 6
01796 Pirna

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und Feiertags von 10 bis 17 Uhr

Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 5 Euro

Ab ins Grüne: Ausflugsziele in Sachsen

Mehr zum Thema Gartenkunst

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. Juli 2021 | 13:10 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Kultur

Grit Lemke  vor dem letzten noch vorhandenen Block des damaligen Vertragsarbeiterwohnheims mit Audio
Grit Lemke, aufgewachsen in Hoyerswerda, vor dem letzten noch vorhandenen Block des damaligen Vertragsarbeiterwohnheims. Sie wohnte in der gleichen Straße, wurde vom Angriff im benachbarten Jugendklub "Der Laden" völlig überrascht. Über ihre Kindheit und den September 1991 hat sie nun ein Buch geschrieben, das im September erscheint: "Kinder von Hoy". Bildrechte: ohne Angabe

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei