Interview Leipzig: Debatte um Axel Krause bei Ausstellung "30 Jahre Bund Bildender Künstler"

Nach dem Streit um die Leipziger Jahresausstellung 2019 sorgt der Künstler Axel Krause erneut für Diskussionen. Denn Krause unterstützt die AfD und arbeitet für eine von der AfD gegründete Stiftung. Deswegen protestieren nun Kunstschaffende gegen Krauses Teilnahme an der Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen des Bundes Bildender Künstler Leipzig, die am 20. August eröffnet. Der Künstler, Vereinsvorsitzende und Organisator der Ausstellung Tobias Rost verteidigt im Interview mit MDR KULTUR Krauses Teilnahme und räumt mit einem Missverständnis auf.

Der Maler Axel Krause in seinem Atelier
Der Künstler Axel Krause Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR KULTUR: Der Verein hätte sich diese Eskalation ersparen können, wenn er Krause gar nicht eingeladen hätte. Nach welchen Kriterien also wurden Künstlerinnen und Künstler zu dieser Ausstellung eingeladen?

Tobias Rost: Es ist ein prinzipielles Missverständnis: In der Jahresausstellung wird auf Vorschlag eingeladen, beim Bund der bildenden Künstler haben wir niemanden eingeladen. Alle Mitglieder sind berechtigt, bei dieser Ausstellung teilzunehmen. Und Axel Krause hat Ende vergangenen Jahres einen Antrag auf Mitgliedschaft gestellt. Wir haben ihn nach den Regularien unserer Satzung wieder aufgenommen, und dabei ist die künstlerische Qualität entscheidend, die wir ihm auch nicht absprechen können. Wir haben Axel Krause also nicht eingeladen, das wird falsch kommuniziert.

Wie kam es dann zu dieser neuerlichen Eskalation? Gab es wieder offene Briefe, hat man das Gespräch gesucht oder sind bei dem Namen Axel Krause die ersten Künstler schon abgesprungen?

Es gibt da eine große Hysterie. Axel Krause stellt mittlerweile eine Art personifizierter Stresstest dar. Als den Leuten der Name bewusst wurde, ging schon der Protest bei einigen Kollegen los. Das war alles ganz öffentlich: Dass Axel Krause bei uns Mitglied ist, kann man im Internet auch nachlesen. Aber natürlich schaut niemand nach, wer gerade eingetreten und wer ausgetreten ist. Es gibt auch gesetzliche Vorgaben, die ich sehr liebe: das Grundgesetz. In Artikel Drei steht sinngemäß, dass keiner wegen Religion, Geschlecht und auch der politischen Haltung bevorteilt oder benachteiligt werden darf. Danach haben wir uns gerichtet.

Sie müssen nun mit dieser Hysterie, wie Sie es nennen, umgehen und möglichst die Ausstellung retten. Welchen Prinzipien folgen Sie dabei und mit wem beraten Sie sich?

Unser Prinzip ist eine offene, liberale Gesellschaft. Dazu stehen wir. Natürlich lehnen wir die politische Haltung von Axel Krause komplett ab. Ich glaube, dass die Kollegen und natürlich auch die Besucher erwachsen genug sind, um sich eine eigene Meinung und eine Haltung zu bilden. Dabei sollten wir bleiben: bei der offenen Gesellschaft, den Pluralismus und Demokratie wagen. Das bedeutet, dass wir uns der Auseinandersetzung stellen.

Axel Krause bildet auch einen bestimmten Prozentsatz der Bevölkerung ab. Und es gibt wahrscheinlich viel mehr Leute, die so denken wie Axel Krause, die wir gar nicht kennen oder die sich nicht kenntlich machen. Wir müssen damit umgehen und uns damit auseinandersetzen. Im Vordergrund steht natürlich die Kunst: Wir sind ein Kunstverein und keine politische Organisation, obwohl jeder eine Haltung hat, die aber nicht ausschlaggebend für die Mitgliedschaft ist.

Haben Sie denn auf der anderen Seite Verständnis für Künstlerinnen und Künstler, die nicht mit Axel Krause ausstellen wollen? Oder sollte man nicht gerade bei Künstlern erwarten, dass diese selbst für die Freiheit der Kunst eintreten?

Ich habe volles Verständnis für die Kolleginnen, die ausgetreten sind. Die Aufregung und die Empörung resultieren auch aus biografischen Eckdaten: Ich bin Jahrgang 1959. Ich habe die DDR erlebt und habe eine bestimmte Haltung zu einigen Themen. Ich bin der Meinung, dass wir die Pluralität brauchen genauso wie die Auseinandersetzung. Wenn das andere nicht mehr gesagt wird oder nicht mehr sichtbar ist, dann kommt es nicht mehr zu einer Entwicklung. Wir brauchen den Dissens genauso wie den Konsens. Ohne Kontroverse gibt es keine Veränderung, und wir werden eine schlafende Gesellschaft. Wir sollten mutig sein und Dinge aussprechen, auch wenn sie nicht "en vogue" sind oder wenn es Leute gibt, die einen sofort dafür verurteilen. Ich bin für Offenheit, solange es auf dem Boden des Grundgesetzes bleibt.

Das Werk "Der Traum des Metzgers" von Axel Krause
"Der Traum des Metzgers" von Axel Krause Bildrechte: Axel Krause

Wie kann man in Zukunft solche Konstellationen, die zu Absagen, Ausladung, Austritten führen, vermeiden? Oder ist das unmöglich?

Ich weiß nicht, wie man das vermeiden kann und ich glaube, das ist nicht nötig. Wir sind immer in Bewegung, und es gibt unterschiedliche Haltungen. Es wird immer wieder Austritte geben, vielleicht aus einer anderen Motivation heraus. Jeder hat das Recht, eigene Rückschlüsse zu ziehen, aber ich werde es nicht unter einen Teppich kehren.

Es wird gesagt, dass es um politische Kunst geht. Aber die Arbeiten von Axel Krause zeigen wenig Politisches. Wenn man genauer hinguckt, wird man eine bestimmte Ästhetik entdecken, aber darum geht es nicht. Ich möchte die Auseinandersetzungen gern über die Kunst führen.

Das Interview führte Moderator Stefan Maelck für MDR KULTUR.

Ausstellungen in Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. August 2020 | 16:15 Uhr

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