1.000 Jahre Weihe des Doms Merseburg startet offiziell ins Festjahr zum Domweihe-Jubiläum

Vor 1.000 Jahren wurde der Merseburger Dom geweiht – das wird 2021 mit einem Festjahr gefeiert. Die Corona-Pandemie hat die geplanten Feierlichkeiten zwar durcheinandergebracht, am Sonntag aber nun ist die feierliche Eröffnung – mit einem Konzert im Kaiserdom und der feierlichen Eröffnung der bereits laufenden Sonderausstellung. Einen Ausstellungshöhepunkt bieten die Kunstwerke, die für das Weihejubiläum aus der Dresdner Rüstkammer nach Merseburg zurückgekehrt sind.

Merseburger Dom
Vor 1.000 Jahren wurde der Merseburger Dom geweiht. Bildrechte: Vereinigte Domstifter, F. Matte

Am Sonntag wird in Merseburg das Festjahr "Geweiht für die Ewigkeit. 1000 Jahre Weihe Merseburger Dom" feierlich eröffnet – coronabedingt später als geplant. Auch wenn der Dom zu Merseburg ein eher kleiner Dom ist, steckt unfassbar viel Geschichte in dem Bauwerk, wie die Koordinatorin des Weihejubiläums Lisa Osterburg sagt.

Es gibt tatsächlich sehr viele Punkte, für die er bekannt ist. Zum einen historisch, dafür dass er eben ein Kaiserdom ist und Kaiser Heinrich II das Bistum hier selbst gegründet und den Dom mit geweiht hat und sehr viele wichtige Ereignisse hier stattgefunden haben. Und dann ist er natürlich auch bekannt durch die wunderbare, fantastische Ladegastorgel, die für ihren Klang und ihre Pracht berühmt ist und immer noch Konzertliebhaber von überall her anzieht.

Merseburger Zaubersprüche ausnahmsweise im Original zu sehen

Am bekanntesten dürften aber die Merseburger Zaubersprüche sein. Die althochdeutschen Sprüche, die im 19. Jahrhundert im Domkapitel gefunden wurden, gelten als die einzigen in Deutschland erhaltenen heidnischen Beschwörungsformeln. Und während die Merseburger Domstifter ihren Schatz als Weltdokumentenerbe angemeldet haben, wird dieser zum Weihejubiläum ausnahmsweise im Original gezeigt.

"Normalerweise stellen wir immer nur ein Faksimile aus, weil die Original-Handschrift konservatorisch  gut verwahrt werden muss", erklärt Osterburg. "Zu ganz besondere Anlässen holen wir das Original hervor und das ist natürlich in diesem Jahr auch der Fall." Am Weihetag, am 1. Oktober, werden sie laut Osterburg in der langen Nacht des Dom gezeigt. Von da an können Interessierte den ganzen Oktober über nach Merseburg kommen und sich die Original-Handschrift anschauen.

Ausstellung führt schrittweise ins Weihejahr 1021 zurück

Zwei Mitren in einer Vitrine
Die Mitren sind sonst in Dresden zu sehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor dem großen Jubiläum im Herbst wird auch eine Glocke gegossen und ein versiegter Brunnen wieder in Betrieb genommen. Außerdem wird die bereits laufende Jubiläumsausstellung feierlich eröffnet. In Jahrhundertschritten geht die Ausstellung zurück und endet im Oktober im Jahrhundert der Weihe. Gezeigt werden alle Schätze, die über die Jahrhunderte gesammelt wurden, darunter ein Messbecher aus dem 15. Jahrhundert, der heute noch von der Domgemeinde genutzt wird oder die erste Fotografie des Domes, aufgenommen um 1880.

Einige Schätze, die es zu entdecken gibt, kommen aus der Dresdner Rüstkammer. Laut Markus Cottin, Historiker am Merseburger Dom und auch Kustos der Ausstellung, sind darunter unter anderem zwei Mitren, also Bischofsmützen, zu seine, ein Dolch aus Buchsbaumholz und einer Schnitzerei zu, der dem Gegenkönig  Rudolf von Rheinfelden zugeschrieben wird sowie sogenannte Pontifikalhandschuhe – die also der Bischof getragen hat.

Ein Dolch in einer Vitrine
Auch der Dolch des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden ist wieder in Merseburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Das sind alles Stücke, die jetzt eben in Dresden in der Rüstkammer liegen. Das hat was mit dieser sächsischen Vorgeschichte Merseburgs zu tun. Als die Herzöge von Sachsen-Merseburg hier residieren, da gehört da alles zum Domschatz. Aber als die Linie Sachsen-Merseburg ausstirbt, da greifen die Dresdener-Wettiner zu und holen all diese Merseburger Schätze", sagt Cottin. Nun hätte man das Glück, sie für das Weihejahr nochmal zurückführen können und diese Merseburger Pracht zu zeigen.

Mit der feierlichen Eröffnung der Ausstellung am Sonntag und einem Eröffnungskonzert im Kaiserdom mit Georg Philipp Telemanns "Der Messias" an der Ladegastorgel startet Merseburg nun offiziell in sein Festjahr.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Juni 2021 | 13:45 Uhr

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