Nach 80 Jahren Jüdische Familie erhält Gemälde von Dresdner Kunstsammlungen zurück

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) geben ein in der NS-Zeit beschlagnahmtes Gemälde an die jüdische Eigentümerfamilie zurück. Es handelt sich um das Werk "Bildnis einer Dame als Pomona" des französischen Porträtisten Nicolas de Largillière (1656-1746), so die SKD am Donnerstag.

Nicolas de Largillierre, Bildnis einer Dame als Pomona, Öl auf Leinwand; 146,5 x 105 cm
Nicolas de Largillierre, Bildnis einer Dame als Pomona, Öl auf Leinwand; 146,5 x 105 cm Bildrechte: SKD

Die Pariser sind Nachfahren des jüdischen Bankiers Jules Strauss (1861-1943), der aus Frankfurt am Main stammende und in Paris lebende Kunstsammler hatte das Gemälde 1928 erworben. Aufmerksam auf das Kunstwerk wurden die Strauss-Nachfahren durch eine Fundmeldung der SKD in der Internetdatenbank Lost Art des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste.

Wir widmen die Rückkehr des Gemäldes dem Andenken an Jules und Marie-Louise Strauss sowie allen Opfer von Verfolgung und hoffen, dass diese Restitution als ein Symbol für Gerechtigkeit, Vergebung und Versöhnung angesehen wird.

Pauline Baer de Perignon und Andrew Strauss, Urenkel von Jules Strauss

Unter Zwang verkauft

Für die Restituierung war es gelungen, den Weg des Gemäldes aus der Sammlung Strauss in Paris nach Dresden zu rekonstruieren. Demnach war Strauss unter dem Druck der deutschen Besatzung Frankreichs im Juni 1940 und der der Verfolgung französischer Juden durch die Besatzungsmacht offenkundig gezwungen, Kunstwerke aus seiner Sammlung zu verkaufen. Dazu gehörte auch das Largillière-Porträt.

Das Kunstwerk lagerte den Angaben zufolge in einem Berliner Tresor der Deutschen Reichsbank und gelangte später in die Verwaltung des Finanzministeriums der DDR. 1953 übergab man es an die Nationalgalerie Berlin, 1959 gelangte es dann in die Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann
Marion Ackermann Bildrechte: imago/epd

Provenienzrecherche bildet die Grundlage für die Identifikation von Objekten, die sich unter rechtlich und moralisch fragwürdigen Umständen im Bestand der Museen befinden. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Familie, die uns detailreiche Erkenntnisse über die Provenienz des Gemäldes brachte, erwies sich dabei als besonders wertvoll.

Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Mätresse als Göttin

Auf dem Gemälde sieht man eine als Göttin der Baumfrüchte verkleidete Dame in einer Szene aus Ovids "Metamorphosen". In älteren Veröffentlichungen wurde die Pomona als Marquise de Parabère, die Mätresse Herzogs Philipp II. von Orléans identifiziert.

Kunstwerke und Künstler

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Januar 2021 | 16:30 Uhr

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