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Er hat DDR-Produktgeschichte geschrieben: Der Formgestalter Karl Clauss Dietel ist am 2. Januar 2022 gestorben. Bildrechte: MDR/Kristin Schmidt

TrauerProduktdesigner Karl Clauss Dietel gestorben

Stand: 03. Januar 2022, 21:02 Uhr

Der Designer Karl Clauss Dietel ist tot. Wie seine Familie am Montag mitteilte, starb der Form- und Produktgestalter am 2. Januar im Alter von 87 Jahren überraschend in Chemnitz. Dietel, der 1934 in Reinholdshain bei Glauchau geboren wurde, entwarf zahlreiche DDR-Produkte.

"Formgestalter" statt "Designer"

Kultnamen und Kultobjekte wie das Moped Simson S50, die Diamant-Räder, die Schreibmaschinen der Marke Erika oder das Radio RK5 entsprangen der Kreativität des Formgestalters Karl Clauss Dietel. Mit ihnen schrieb er Design-Geschichte in Ostdeutschland.

Doch mit dem Begriff Designer konnte Dietel nur wenig anfangen. Vielmehr sah er sich als Gestalter. Und er gestaltete Dinge, die alle Ostdeutschen aus der Zeit vor 1990 kennen und von denen etliche bis heute eine treue Fangemeinde haben.

Diese DDR-Kultobjekte hat Dietel geprägt

Dietel konzipierte nicht nur das Moped S50, die Erika-Schreibmaschinen und das Motorrad ETZ 150 der Motorradwerke Zschopau, sondern war auch am Entwurf des Wartburg 353 beteiligt. Außerdem arbeitete er an Entwürfen für ein Nachfolgemodell des Trabant 601 und ein Kleinwagenmodell DRX. Kraftfahrzeuge hatten es ihm besonders angetan.

Schon in seiner Diplomarbeit entwarf der Formgestalter einen Mittelklassewagen. Doch viele dieser – für die damalige Zeit richtungsweisenden – Entwürfe gingen in der DDR-Planwirtschaft nie in Serie. Manchen galt Dietel deswegen auch als eine Art "tragischer Held" des DDR-Automobilbaus.

Prägende Formgestaltung Galerie: Für diese Werke ist Karl Clauss Dietel bekannt

Kultobjekt bis heute und beliebt bei Tüftlern: Die Mopeds der Marke Simson und MZ. Bildrechte: dpa
Die Schreibmaschine Erika 50/60: ein typisches Dietel-Objekt. Bildrechte: dpa
PKWs spielten eine wichtige Rolle in Dietels Schaffen, auch wenn zahlreiche seiner Modelle nie in Produktion gegangen sind. 2021 hat die Kunstsammlung Chemnitz erst Einblicke in das vielfältige Schaffen Dietels gewährt. Bildrechte: dpa
Auch im Rundfunkbereich hat Dietel sich ausprobiert: Das Rundfunkgerät RK 5 sensit und die Lautsprecher K 20 sensit von Heliradio hat Dietel gemeinsam mit seinem Kollegen Lutz Rudolph entworfen. Bildrechte: dpa

Produktgestalter auf Umwegen

Zahlreiche Entwürfe Dietels entstanden in Zusammenarbeit mit Lutz Rudolph. Beide galten als kongeniale Partner. Zum Produktgestalter wurde Karl Clauss Dietel auf Umwegen. Zunächst absolvierte er eine Lehre zum Maschinenschlosser und ging anschließend an die Ingenieurschule für Kraftfahrzeugbau in Zwickau. Es folgte ein Studium an der Kunsthochschule in Berlin. Auch als Hochschullehrer und Funktionär im Verband Bildender Künstler machte Dietel sich einen Namen. Von 1988 bis 1990 war er dessen Präsident.

Dass Dietels Maschinen auch heute noch so beliebt sind, zeugt von der Nachhaltigkeit, die Dietel und Rudolph beim Bau ihrer Maschinen von Anfang an mitdachten. Bekannt ist ihre Idee auch unter dem "Offenen Prinzip". Es basiert darauf, dass die Bauteile einfach erkennbar sind, ausgetauscht und repariert werden können. Eine nachhaltige Denkweise, die es ermöglicht, alte Maschinen einfach zu reparieren.

Gerade bei Tüftlern sind die Simson-Mopeds deswegen heute noch so beliebt. Weitere Leitlinien seiner Gestaltung hat Dietel in den "fünf L" zusammengefasst: langlebig, leicht, lütt (klein), lebensfreundlich und leise.

Die Simson-Bande aus Thüringen

"Einen prägenden deutschen Formgestalter verloren"

Zu Dietels Werken gehören neben den Modellen auch zahlreiche Ideen, Skizzen und Stadtplanungen, die die Kunstsammlungen Chemnitz erst im vergangenen Jahr präsentierten. Die Ausstellung "simson, diamant, erika" gewährte Einblicke in das vielfältige Schaffen Dietels. 2019 hatte das Museum die Sammlung erworben und dafür über 8.800 Skizzen, Modelle und Fotografien aufgenommen. Das Museum bestätigte am Montag die Todesnachricht auf Anfrage.

Antje Neumann-Golle von den Chemnitzer Kunstsammlungen zum Vermächtnis des Formgestalters

Der Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz, Frédéric Bußmann, teilte am Montag mit: "Wir haben einen der großen und prägenden deutschen Formgestalter und Designer verloren", der nicht nur deutsche Designgeschichte geschrieben, "sondern auch den Alltag vieler Menschen im Osten Deutschlands ästhetisch verfeinert und praktisch bereichert" habe, wie Bußmann betonte. Dabei habe er sich der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen verschrieben und sei als Vorreiter einer ökologischen Formgestaltung zu verstehen. Auch der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze erklärte: "Er war das Design-Gesicht der DDR."

Er war das Design-Gesicht der DDR.

Sven Schulze, Oberbürgermeister Stadt Chemnitz

Dietels Renommee hatte weit über das Ende der DDR hinaus Bestand: 2014 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Damals erklärte er: "Ich betrachte das als Würdigung für die Arbeit vieler Kollegen im Osten".

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | Kuko | 03. Januar 2022 | 17:30 Uhr