Göttin, Schmuser, Mäusefänger 4.000 Jahre Katzengeschichte – Ausstellung im Winckelmann-Museum Stendal

Eine Ausstellung zu Katzen im Winckelmann-Museum in Stendal kommt für manche sicher unerwartet, doch auch der Altertumsforscher Winckelmann hat sich mit Katzen auseinandergesetzt. Gezeigt wird unter dem Titel "Diese Katze ist die Sonne selbst" eine Kulturgeschichte der Katzen, auch mit archäologischen Stücken. Das Haus konnte die Schau vom Liechtensteinischen Landesmuseums in Vaduz übernehmen und hat diese in Teilen für das Stendaler Publikum erweitert.

Katze 4 min
Bildrechte: Winckelmann-Museum, Stendal

Es dreht sich alles um die Katze bei der Ausstellung "Diese Katze ist die Sonne selbst" im Winckelmann-Museum Stendal. Verehrt, gejagt, geliebt, ist sie wohl unser beliebtestes Haustier. In der Schau wolle man zeigen, so Direktorin Stephanie-Gerrit Bruer, wie die Katze erst die Antike und dann die ganze Welt erobert habe. Als typischer Kulturfolger habe sie sich dem Menschen angeschlossen, als er sesshaft geworden sei, erläutert Bruer weiter, schon durch das Korn, das die Nager anziehe – die Hauptmahlzeit der Katzen. Insofern entwickelte sich bald eine Freundschaft.

Die Katze: eine Göttin auf Samtpfoten

Katze
Bronzefigur einer Katze Bildrechte: Winckelmann-Museum, Stendal

Etliche Bronzeskulpturen zeigen, dass die Katze im alten Ägypten als Göttin verehrt wurde: Bastet war die Tochter des Sonnengotts Re und zuständig für Fruchtbarkeit und Liebe. Deswegen waren auch die lebenden Katzen heimisch in allen Tempeln und wurden gehegt und gepflegt, wie es der griechische Schriftsteller Herodot berichtet. Er beschrieb nicht nur die Eigenschaften dieser als "Wedelschwanz" bezeichneten eleganten Tiere, sondern auch ihre Rolle als Heilige, die im Tempel wohnten, mit Nilfischen und eingebrocktem Brot gefüttert wurden und auch einen Wärter hatten, der für die Pflege der Katzen zuständig war:

Statue des Herodot
Statue des Herodot Bildrechte: imago/imagebroker

Und wenn eine Katze verstorben ist, dann haben sich die Leute dort vor Trauer die Augenbrauen rasiert und haben sie dann mumifiziert und bestattet.

Herodot, griechischer Geschichtsschreiber

Solch einen Katzensarg mit Mumienrest, der auch aussieht wie eine Katze, kann man in der Schau sehen. Es ist eines der faszinierendsten Ausstellungsstücke, aus Holz geschnitzt. Man erahnt die luxuriöse Ausstattung. Bruer erklärt, dass die Katzenmumie mit echtem Gold bemalt war, also mit Werten, die zeigten, dass man mit einer solchen Bestattung auch die Göttin geehrt hat.

Katzen-Exportverbot wurde umgangen

Scherbe
Nur wenige Zeichen genügen, um ein Katzengesicht zu erkennen. Bildrechte: Winckelmann-Museum, Stendal

Obwohl die Ausfuhr der Katzen aus Ägypten strengstens verboten war, gelangten sie bald nach Griechenland: Seeleute schmuggelten die exotischen Tiere als Spielgefährten wohlhabender Jugendlicher.

Später eroberten die Katzen das gesamte römische Reich, wiederum als Mäusefänger.

Und während unsere Hauskatze vollgefressen wie Garfield auf dem Sofa liegt, müssen sich andere Katzen weltweit immer noch den Menschen andienen, um geachtet zu werden:

Man hat heute Katzen zum Beispiel in Disneyland, in der Eremitage in Sankt Petersburg, in der Verbotenen Stadt in Peking und in Rom natürlich, das kennt man ja auch. Überall, wo antike Monumente sind, da sind meistens auch Katzen vorhanden. Die dienen dazu, die Ratten fernzuhalten. Und das ist eine ganz wichtige Aufgabe. Und wie gesagt, in Disneyland sind wohl 200 Katzen angestellt, quasi.

Stephanie-Gerrit Bruer, Direktorin des Winckelmann-Museums

Franz Marc - "Die weiße Katze" (Kater auf gelbem Kissen), 1912
Auch die Kunst hat die Katze entdeckt, hier Franz Marcs "Die weiße Katze" (Kater auf gelbem Kissen), 1912 Bildrechte: Punctum/Bertram Kober

Ausstellung in Stendal zeigt Katzenstars in Kunst und Literatur

Mit Fotos, Zeichnungen, Skulpturen und Texten wird in der Ausstellung in Stendal auch erzählt, wie seit Ende des 18. Jahrhunderts die Katzen in Kunst und Literatur Einzug halten. So sieht man einen Grafikzyklus von William Hogarth, auch in seinen häuslichen Szenen tapsen die Katzen, und in der Literatur stiefelt ein Kater.

Vor allem ist die Katze in der Literatur bekannt: einmal durch den gestiefelten Kater von den Brüdern Grimm, aber auch durch den Kater Murr von E.T.A. Hoffmann. […] Da hat E.T.A. Hoffmann sozusagen die Lebensansichten seines eigenen Katers wiedergegeben und ihm auf diese Weise ein Denkmal gesetzt.

Stephanie-Gerrit Bruer, Direktorin des Winckelmann-Museums

Ein Denkmal durften auch die Stendaler ihren Lieblingen setzen. Entstanden ist eine ganze Fotowand voll kuscheligem Getier in niedlichsten Posen. Bei solch einem Katzen-Konglomerat fühlt sich letztlich wohl jeder Besucher angesprochen.

Die Ausstellung in Stendal "Diese Katze ist die Sonne selbst – am Anfang einer gegenseitigen Begegnung"
Sonderausstellung zu 4.000 Jahren Katzengeschichte in Kooperation mit dem Liechtensteinischen Landesmuseum Vaduz

Winckelmann-Museum in Stendal
6. Juni bis 26. September 2021

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Es gelten die bekannten Corona-Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Juli 2021 | 08:10 Uhr

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