Sonderausstellung "Embracing Nature" Dresdner Kinderbiennale macht Mensch-Natur-Verhältnis interaktiv erlebbar

Die Kinderbiennale in Dresden geht unter dem Motto "Embracing Nature", also "die Natur umarmen", in die zweite Runde: Bis zum 27. Februar 2022 legt die Sonderausstellung im Japanischen Palais der Staatlichen Kunstsammlungen den Themenschwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Mithilfe zeitgenössischer Kunst will die für Kinder konzipierte Schau die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt untersuchen, hinterfragen und neu ausloten. Schnell wird klar: Das größte Potential im Kampf gegen die Klimakrise haben Kinder.

Ein Kind liegt in der Ausstellung "Kinderbiennale - Embracing Nature" im Japanischen Palais auf der Installation «Well» von Mark Justiniani. 4 min
Bildrechte: dpa

Sich auf weiche Fälle fläzen und in einen Himmel voller Blumenblüten schauen – ein einladendes Tableau, das die Künstlerin Theresa Rothe aus 3.500 Kunstblumen geschaffen hat. Zudem handelt es sich um eine nachhaltige Nutzung, denn das Werk war schon in der Ausstellung zum Handwerk zu sehen. Jetzt bekommt es eine zweite Chance und lädt außerdem dazu ein, den stoffbespannten Wänden, die Wünsche der Kinder auf Textilstickern anzuvertrauen.

Kinderbiennale im Japanischen Palais
Theresa Rothe kreierte für die Kinderbiennale eine florale Kunstinstallation. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Oliver Killig

Mensch-Natur-Verhältnis

Doch nicht alle Werke sind auf so einladende Art freundlich. Mit Horrorszenarien wird aber niemand abgeschreckt, wohl aber mit der Erkenntnis konfrontiert, dass wir brutal über unseren Verhältnissen leben. Die aus recyceltem Kunststoff gefertigten Pflanzen des Künstlers Thijs Bierstekers verlieren mit jedem Klick, der ertönt, an Farbe. Der Ton zeigt an: pro Minute werden in Brasilien 11.000 Quadratmeter Regenwald abgeholzt, fast drei Fußballfelder verschwinden so pro Minute. Das können sich nicht nur Zip und Pong, die beiden Begleiter im Abenteuerbuch zur Ausstellung, kaum vorstellen.

Die erste Kinderbiennale 2018 war mit 110.000 Gästen, die Hälfte davon waren Kinder, ein Erfolg, der geradezu nach einer Fortsetzung verlangte. Finanziert wird die Biennale auch in diesem Jahr immerhin mit einem sehr hohen sechsstelligen Betrag von einer Stiftung, die nicht namentlich genannt sein will.

Kooperation mit Singapur

Kinderbiennale im Japanischen Palais
Die Ausstellung will die jungen Generation für Themen wie den Klimawandel sensibilisieren. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Oliver Killig

Entstanden ist das ganze Projekt Kinderbiennale in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Singapur. Deren Direktor hatte die Idee, Kinder und international arbeitende, oft sehr renommierte Künstlerinnen und Künstler zusammenzubringen. Er fand in Marion Ackermann, der Generaldirektorin der Kunstsammlungen, sofort eine engagierte Partnerin: "Das Schöne ist, dass wir voneinander lernen. Im asiatischen Raum ist man digital viel affiner. Von Anfang an haben die Kinder einen ganz anderen Zugang zur digitalen Welt. Umgekehrt ist man in Singapur nicht gewohnt, mit Kinderbeiräten und Partizipation zu arbeiten."

Natur im Museum

Kinderbiennale im Japanischen Palais
Die Ausstellung macht zeitgenössische Kunst für Kinder interaktiv erlebbar. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Oliver Killig

Corona hat die Durchführung um ein Jahr verzögert und die Biennale verändert: Weniger Touchscreens, dafür Interaktionen, die durch Bewegung der Körper im Raum ausgelöst werden. Weniger Reisen, mehr nachhaltige Materialien. Die Auswahl der Werke erfolgte mit einem Kinderbeirat und da schlugen die Wellen in den Diskussionen davor auch schon mal hoch, wie Korrektorin Florence Thurmes versichert: "Über den Künstlerraum von Giuseppe Licari haben wir sehr lange und kontrovers mit dem Kinderbeirat über das Thema lebende Tiere im Museum diskutiert. Der Künstler wollte uns in diesem Raum nämlich lebende Frösche und Schmetterlinge anbieten, die dann auch dort leben würden. Wir haben uns dann schlussendlich gegen Tiere im Museum entschieden."

Der italienische Künstler Giuseppe Licari, der jetzt in Rotterdam lebt, hat aus 100 Kilo Stroh, zwölf Tonnen Lehm und 300 Holzpaletten, eine Landschaft gebaut, in der nur einzelne Grasser und kümmerliche Pflanzen aus dem Botanischen Garten sprießen. So könnte es auch bald bei uns aussehen bei fortschreitender Erderwärmung, so die warnende Botschaft. Aber er will auch auf die geopolitische Aufteilung des Bodens mit ihren ungerechten Folgen hinweisen.

Kinderbiennale im Japanischen Palais
Die begehbare Kunstinstallation aus Lehm von Giuseppe Licari. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Oliver Killig

Nachhaltigkeit denken und leben

Und vielleicht wird die Natur doch im Inneren des Museums heimisch. Was sie in simplen Holzkästen vermag, zeigt sich meterhoch im Innenhof. Neben den acht Künstlerinnen und Künstler, Räumen, Laden, Bibliothek, Shop, Cafe, eine Näh- und Reparaturwerkstatt und das Rondell der Kontroverse dazu ein, viele Stunden im Museum zu verbringen und über eine Kultur der Nachhaltigkeit nachzudenken oder besser noch, sie zu leben.

Kinderbiennale im Japanischen Palais
Die Kinderbiennale kann bis zum 27. Februar 2022 im Japanischen Palais in Dresden besucht werden. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Oliver Killig

Mehr Informationen zur Ausstellung Ausstellungsort:
Japanisches Palais
Palaisplatz 11, 01097 Dresden

Laufzeit:
18. September bis 27. Februar 2022

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 13 bis 18 Uhr
Samstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr (in den Ferien Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. September 2021 | 07:40 Uhr

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