Auf dem Schloss Köthen als Zentrum der modernen Homöopathie: Ausstellung über den Arzt Hahnemann

Homöopathie ist in der heutigen Medizin schwer umstritten, doch ihre Anhänger schwören darauf. Der Begründer der modernen Form dieser Heilmethode war Samuel Hahnemann, der einen Teil seiner letzten Arbeitsjahre in Köthen verbrachte. Eine Sonderausstellung im dortigen Schloss nimmt die Köthener Zeit des Mediziners in den Blick und zeigt Hahnemann als Arzt, Wissenschaftler und Familienmensch.

Ein Museumsraum mit Exponaten 4 min
Bildrechte: Schloss Köthen/KKM

Herzog Friedrich Ferdinand von Anhalt holte Samuel Hahnemann als Leibarzt nach Köthen. Dieser nahm die Einladung gerne an, denn er hatte gerade ziemlichen Ärger in Leipzig. Weil er darauf bestanden hatte, seine homöopathischen Arzneien selbst zuzubereiten, verklagten ihn drei Leipziger Apotheker. Der Streit endete übrigens mit einem Kompromiss: Die Apotheker behielten ihr so genanntes Dispensierrecht, Hahnemann durfte jedoch in Notfällen, insbesondere auf dem Land, auch selbst Medikamente zubereiten.

Eine Praxis als Familienbetrieb

Ein grünes Haus
Noch heute steht das Haus von Samuel Hahnemann in Bildrechte: Schloss Köthen/KKM

Hahnemann verließ Leipzig trotzdem vergrämt und Herzog Friedrich Ferdinand von Anhalt lockte ihn mit Sonderregelungen. Zudem erhoffte Hahnemann sich in der 6000-Seelen Gemeinde Köthen etwas mehr Ruhe. Schließlich war er zu diesem Zeitpunkt bereits 66 Jahre alt. Eine Praxis eröffnete er trotzdem. Der Kurator der Ausstellung "1821 – Hahnemann in Köthen" Christoph Erdmann: "Die Besucher in seiner Praxis mussten einer ganz klaren Terminabfolge folgen. Es war Hahnemann äußerst verhasst, wenn jemandem unangemeldet kam. In der Praxis selber haben auch seine Töchter mitgearbeitet. Die waren Sprechstundenhilfen oder Pförtnerinnen. Die Praxis war so etwas wie ein Familienbetrieb."

Hahnemann und seine wissenschaftlichen Schriften

Hahnemann verfasste in Köthen das Buch "Die Chronischen Krankheiten“. Das Werk führte zu einem großen Aufsehen in der homöopathischen Gemeinde. Manche Thesen, die Hahnemann aufgestellt hatte und die unter Homöopathen schon weit verbreitet waren, widerlegte er. "Er erklärte auch, dass es Krankheiten gebe, die durch Homöopathie nicht zu behandeln seien, was sein Standing gerade unter vielen ehemaligen Freunden und auch Jüngeren diskreditierte. Das wiederum hat Hahnemann diesen Jüngeren nicht verziehen – ein Leben lang", führt Erdmann weiter aus.

Ein Museumsraum mit Exponaten
In der Ausstellung werden viele Arbeiten und Schriften von Hahnemann gezeigt. Bildrechte: Schloss Köthen/KKM

Lange Zeit hatte Hahnemann in Köthen auf eine theoretische Begründung seines Ähnlichkeitsprinzips verzichtet, wonach in der Homöopathie Krankheiten mit stark verdünnten Mitteln behandelt werden, die die gleichen Symptome wie die Krankheit auslösen. Stattdessen bezeichnete er es als rein empirisches Gesetz. In Köthen jedoch begann er, sich der Lehre des Vitalismus anzunähern, was ihm unter anderem den Beifall des berühmten Arztes Christoph Wilhelm Hufeland einbrachte. 

Aktueller denn je: Hannemanns Hygieneregeln

Ein Fenster mit einem Porträt
In einem Buntglas in der Lutze-Klinik wurde Hahnemann verewigt. Bildrechte: Schloss Köthen/KKM

Hahnemanns Verdienste an der Menschheit sind keineswegs gering zu schätzen. So war er um die Lebensmittelsicherheit bemüht. Die "Hahnemannsche Weinprobe" wurde in Preußen sogar zu einer Bestimmung. Mit dieser Weinprobe konnte in dem Getränk Bleizucker nachgewiesen werden, den schon die Römer zum Süßen des Weines benutzt hatten und der nachweislich das Todesurteil für Ludwig van Beethoven war. Zudem bemühte sich Hahnemann um Hygieneregeln. Aktueller könnten diese nicht sein, meint Kurator Christoph Erdmann: "1830 gab es in Europa eine Cholera-Epidemie. Hahnemann hat hier in Köthen Flugschriften verfasst, die Anleitungen dazu waren, wie man mit so einer Pandemie umzugehen hatte: dass man auf Hygiene achten sollte, dass man Abstand halten sollte, dass man gut lüften sollte. Das sind alles Dinge, die heute wieder von gewisser Relevanz sind.“

Hahnemann privat

Neben seiner Arbeit als Wissenschaftler und Arzt in Köthen wird in der Ausstellung auch sein Privatleben beleuchtet. Nachdem seine Frau, mit der er 50 Jahre zusammen war, verstorben war, verliebte er sich Ende 1834 in die 34-jährige Malerin Melanie d’Hervilly. Ihr wurde damals vorgeworfen, sich nur des Geldes und des Ruhmes wegen mit Hahnemann einzulassen. Kurator Erdmann widerspricht: "Sie war tatsächlich sehr in ihn verliebt und er war in sie verliebt. Es gibt auch häufig die Meinung, dass die Töchter damit ein gewisses Problem hatten. Wir haben aber auch Briefe, die klar belegen, dass sie Melanie auch als ihre Mutter aufgenommen hatten und auch nach dem Tode Hahnemanns noch Kontakt mit ihr hatten." Das Glück der beiden währte immerhin neun Jahre. Hahnemann, der seiner Geliebten nach Paris folgte, starb dort im Jahre 1843.

Ein Museumsraum mit zwei Personen
"1821 – Hahnemann in Köthen" blickt auch auf das Privatleben des Mediziners. Bildrechte: Schloss Köthen/KKM

Weitere Informationen Die Ausstellung "1821 – Hahnemann in Köthen" ist noch bis zum 29. November im Schloss Köthen zu sehen.

Schlossplatz 5
06366 Köthen (Anhalt)

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Ausstellungen in Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. August 2021 | 12:40 Uhr

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