30 Jahre Kunsthaus Dresden Kunsthaus Dresden verlegt die Kunst ins Freie

Das Kunsthaus feiert 2021 seinen 30. Geburtstag und hat seine Aktivitäten Corona-bedingt einfach nach draußen verlegt: in die neue Außenstelle, die das Kunsthaus seit Herbst 2020 betreibt. Die Parzelle 3 ist eine Zusammenarbeit mit dem Kleingärtnerverein Flora I e.V. Hier beleuchten u.a. Werke von Olaf Holzapfel die Beziehung Mensch/Natur. Und auch an der alten Robotron-Kantine gibt es eine Kunstaktion.

Ehemalige Robotron-­Betriebsgaststätte, Übereckansicht Nordwestseite und Speisesaal, 1976
Die ehemalige Robotron-Betriebsgaststätte in Dresden, 1976 Bildrechte: Regine Richter

Großzügig werden Samen von verschiedenen Salaten, Zierblumen und Gemüsen über die Beetfläche verteilt – mitten hinein zwischen Rosen, Farne und zarte Brennnesseln. Eine ungewöhnliche Kombination für eine Rabatte, wie sie gerade in der Dresdner Kleingartenanlage Flora I entsteht. Allerdings ist hier auch keine Kleingärtnerin am Werk, sondern die Berliner Künstlerin Ulrike Mohr. Gnadengarten nennt sie ihr 60 Arten umfassendes Projekt.

Parzelle 3, Nana Petzet, Harmas KGV, 2020
Parzelle 3 - ein Projekt des Kunsthauses Dresden Bildrechte: Helge Mundt

"Es sind alles Pflanzen, die wir aus der alten Parzelle 3 gerettet haben", erklärt Mohr. Parzelle 3 – damit meint sie den benachbarten Pachtgarten Nummer 3, den das Kunsthaus Dresden seit vergangenem Herbst als Außenstelle betreibt, mit einem künstlerischen Modellgarten und kleinem Ausstellungspavillon. Mit wechselnden Projekten widmet man sich hier vor allem der Koexistenz von Mensch und Natur im städtischen Raum.

Und ganz in diesem Sinne ist denn auch Ulrike Mohr – noch bevor der erste Spatenstich für die Dependance erfolgte – auf dem verwilderten Terrain, ähnlich einer Archäologin, erstmal auf Spurensuche gegangen: "Wir sind wirklich Meter für Meter durch den Garten gegangen und haben die Pflanzen bestimmt. Wir haben uns mehrere Stunden damit aufgehalten, einfach alles akribisch aufzuschreiben, was wir sehen und finden. Dann haben wir teilweise die Samen geerntet, von den Pflanzen und später im Herbst die Pflanzen ausgegraben."

Ein Gnadengarten mit Großplastik von Olaf Holzapfel

Holzapfel, Olaf Holzapfel, Arena, 2020
Olaf Holzapfels Plastik "Arena" Bildrechte: David Brandt

Längst sind auch sie in die hügelige Landschaft von Ulrike Mohrs Gnadengarten ausgepflanzt und man wird in den nächsten Wochen zuschauen können, wie die neu zusammen gewürfelte Gemeinschaft allmählich zu einer ansehnlichen Rabatte zusammenwächst. Ebenfalls zum Inventar der Kleingartenanlage gehört inzwischen die Großplastik "Arena" des Künstlers Olaf Holzapfel: hoch aufeinander gestapelte Fichtenstämme, auf denen deutlich Fressspuren von Borkenkäfer zu erkennen sind.

"Was uns sehr berührt hat ist, dass Olaf Holzapfel sich genau für diese Verbindung interessiert, unsere Kultur, das Holz, der Wald, mit dem die Menschheit groß geworden ist", sagt Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin des Kunsthauses Dresden: "Es ist die Frage, wie wir eigentlich heute damit umgehen? Und das interessiert ihn nicht nur unter diesem dystopischen Blick dessen, dass der Wald gerade stirbt, sondern es interessiert ihn auch deswegen, weil er dieses Material auch als Zukunftsmaterial sieht."

Gartenkunst kommt Pandemiebedingungen entgegen

Für Christiane Mennicke-Schwarz war die Entscheidung, eine Dependance in einer Kleingartenanlage zu eröffnen, vor allem aus heutiger Perspektive ein Glücksfall. Denn anders als im Kunsthaus selbst, wo seit November eine Ausstellung zur Keramik in der zeitgenössischen Kunst auf seine Eröffnung wartet, sind Ausflüge zur Gartenkunst in Parzelle 3 problemlos möglich: "Natürlich hat das Projekt einen tieferen Hintergrund: Dass wir in unserer Kultur ein Umdenken brauchen, raus müssen, näher an die Natur ranmüssen. Zugleich ist es jetzt für uns eine Riesen-Chance, weil wir tatsächlich weiter arbeiten können, Kunst zeigen können auch unter Pandemiebedingungen, denn den Garten kann man nicht stoppen."

Natürlich hat das Projekt einen tieferen Hintergrund: Dass wir in unserer Kultur ein Umdenken brauchen, raus müssen, näher an die Natur ranmüssen.

Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin Kunsthaus Dresden

Kunstaktion an der Robotron-Kantine

Kunstaktion an der Robotron Kantine Dresden von André Tempel
Kunstaktion an der Robotron-Kantine Dresden von André Tempel Bildrechte: Grit Krause/MDR

Allerdings ist das Kunsthaus Dresden derzeit nicht nur im Projektgarten präsent, sondern auch im Stadtzentrum an der ehemaligen Robotron-Kantine. In seinem Auftrag werden dort unter dem Titel "Prelude Nordost Südwest" vier Dresdner Künstlerinnen und Künstler die Außenfassade des von Vandalismus gezeichneten Kleinods der DDR-Architektur mit künstlerischen Interventionen bespielen. Den Anfang macht André Tempel mit einer Installation aus meterlangen farbigen Folienstreifen, die er in Mustern um die Gebäudefeiler gewickelt hat.

"Mir ging es darum, etwas zu schaffen, was eine hohe Außenwirkung hat, was man auch wahrnimmt in Bezug zur Architektur", sagt Tempel. "Und über diese Struktur der Pfeiler ergab sich eine Möglichkeit, dass man diese Architektur nutzt für eine Art gewebte Fläche oder Raumzeichnung. Es geht nicht unter, aber es macht sich auch nicht so stark wichtig, es integriert sich so."

Auftakt zu 30 Jahre Kunsthaus Dresden

Selbst wenn man mit dieser Prelude eher auf eine kommende internationale Ausstellung 2022 verweisen will, so sind doch diese künstlerische Aktivitäten unter freiem Himmel ebenfalls ein gelungener Auftakt ins Jubiläumsjahr – um 30 Jahre Kunsthaus Dresden zu feiern.  

Installationen und Performance der Aktion „Prelude Nordost Südwest“
Bildrechte: Grit Krause/MDR

Informationen: Sämtliche Gartenprojekte des Kunsthauses Dresden können täglich in der Kleingartenanlage Flora 1 in Dresden-Strießen besichtigt werden. Installationen und Performance von "Prelude Nordost Südwest" sind bis zum 6. Juni 2021 an der Robotron-Kantine an der Lingnerallee im Dresdner Stadtzentrum zu erleben.

Kunst, die draußen zu sehen ist

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. April 2021 | 07:40 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Abonnieren