Fotografien Günter Rössler – Mehr als der "Aktfotograf der DDR"

Der Leipziger Fotograf Günter Rössler wäre in diesem Jahr 95 geworden. Seine Bilder nackter, weiblicher Schönheiten in der DDR-Zeitschrift "Magazin" faszinierten Tausende. Aber Rössler fotografierte auch Mode, inszenierte Stillleben und arbeitete als Bildreporter. Eine Ausstellung zum vielseitigen Werk des Fotografen wartet im Kunstverein Talstraße in Halle auf ihre Eröffnung außerdem ist ein sehenswerter Katalog zu Rösslers Schaffen erschienen.

Günter Rössler - Stefanie 1997
"Stefanie" (1997) – eine von Günter Rösslers berühmten Aktfotografien Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel

Poetisch mit Kontrasten gezeichnet, von Licht und Schatten umspielt, reduziert auf schwarz-weiß, so kommen Rösslers Schönheiten daher, die ihn zum bekanntesten Aktfotografen der DDR machten. Der Fotograf publizierte seine Bilder ab 1957 im "Magazin", das neben Literatur, Reportagen und Feuilletons in jeder Monatsausgabe auch mindestens ein Aktfoto veröffentlichte.

"Bleib so!" – dem Augenblick verhaftet

Trotz ihrer Verträumtheit wirken Rösslers Mädchen selbstbewusst. Sie sind mehr als voyeuristische Objekte, wie Kirsten Schlegel, Günter Rösslers Witwe, betont. Als junge Frau war auch sie sein Modell, heute arbeitet Kirsten Schlegel den Nachlass des Künstlers auf. Seine Aktfotografien gelten mittlerweile als Klassiker, oft stark zugeschnitten, nur Details des weiblichen Körpers offenbarend, oft aber, bei aller Inszenierung, dem Spontanen, dem Augenblick verhaftet.

Fotografien von Günter Rössler

Günter Rössler - Katja 1996
Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel
Günter Rössler - Katja 1996
Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel
Günter Rössler - Barbara 1964
Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel
Günter Rössler - Barbara, Budapest 1974
Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel
Günter Rössler - Leipzig 1967
Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel
Günter Rössler - Plovdiv 1968
Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel
Günter Rössler - Rhodopen 1968
Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel
Günter Rössler - Stefanie 1997
Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel
Günter Rössler, Albanien, 1960
Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Januar 2021 | 16:40 Uhr

Günter Rössler - Leipzig 1967
Bildrechte: Günter Rössler Fotografie, Kirsten Schlegel

Weshalb auch die – leider geschlossene – neue Ausstellung im Kunstverein Talstraße in Halle als auch der dazu erschienene Katalog "Augenblicke" heißen, Kirsten Schlegel: "Er hat teilweise die Produktion vorbereitet bis zur Skizze. Und wenn man dann zusammen gearbeitet hat, gab aber auch Situationen – und das war seine Gabe – in einer Pause oder wenn man sich unterhalten hat, plötzlich sagte er: 'Bleib‘ so!', und hat diesen Moment eingefangen, der für ihn magisch war."

Charakteristische DDR-Modefotos

Einige Überraschungen schlummern noch in Rösslers Werk, betont Kirsten Schlegel; ungefähr ein Viertel des Nachlasses aus sechs Jahrzehnten habe sie schon aufgearbeitet. Dabei überrascht sie noch heute die Breite, in der Günter fotografierte: Gut ein Viertel seines Werks machen da auf einmal die Aktfotos nur aus; im Archiv lassen sich noch viele ausdrucksstarke Porträts, Mode-, Werbe- und Reportagefotos entdecken.

So zeigen Schau und Katalog erstmals eine 18-teilige Serie mit weiblichen Hutmodellen aus Düsseldorf aus dem Jahr 1956, die mit ihrer konsequenten Inszenierung im Studio, mondän, à la Audrey Hepburn, überraschen. Dem stellen Schau und Katalog ebenso viele Fotos aus Modestrecken bekannter DDR-Zeitschriften wie "Sibylle" oder der "Modischen Maschen" gegenüber. Sie zeigen, wohlgemerkt in Farbe, junge DDR-Fotomodelle, die meist Laien waren und für wenig Geld arbeiteten, denen man dies auf Rösslers Fotos jedoch nicht ansieht.

Und so werden zwei Frauentypen hier deutlich. Der eine: die mondäne Frau aus dem Westen, die für Hüte Werbung macht. Und auf der anderen Seite: die selbstbewusste Frau im Osten Deutschlands.

Matthias Rataiczyk, Kunstverein Talstraße

Der Fotograf ging mit ihnen raus aus dem Studio, fotografierte sie im sozialistischen Alltag, nahm so der Mode das Elitäre, vermittelte dafür lieber jenes besondere, künstlerische, Lebensgefühl, für das die "Sybille" berühmt war. Zudem besticht die natürliche Ausstrahlung von Rösslers Modellen in seiner DDR-Modefotografie, betont Matthias Rataiczyk vom Kunstverein Talstraße. Er hat Ausstellung und Katalog konzipiert.

Weniger bekannt: Rössler als Bildreporter

Zudem lässt sich immer noch über die Leidenschaft des Fotografen für die Bild-Reportage staunen. Bevor Günter Rössler Frauen, angezogen oder nackt, fotografierte, bereiste er als Bildreporter den Balkan, für Zeitschriften wie "NBI" oder die "Freie Welt". In den sechziger Jahren entstanden so stimmungsgeladene Fotos, aus Albanien, Jugoslawien oder Griechenland, die auch der Kunstverein Talstraße unter rund 160 Fotos zeigt.

Der Akt- und Modefotograf Günter Rössler steht im Pommerschen Landesmuseums in Greifswald vor einem von ihm angefertigten Aktfoto.
Günter Rössler (1926 - 2012) Bildrechte: dpa

Der Katalog beinhaltet zudem Beiträge T. O. Immischs, Kustos für Fotografie an der Moritzburg im Ruhestand und Volker Rodekamps, Direktor des Leipziger Stadtgeschichtlichen Museums, ebenfalls im Ruhestand. Rodekamp bescherten die beiden Rössler-Schauen unter seiner Ägide einst Besucherrekorde: zu jener zum 80. und zum 90. Geburtstag. Die zum 95. des Fotografen in diesem Jahr richtet nun der Kunstverein Talstraße aus. Wie die Resonanz ausfällt, wird sich unter Corona noch zeigen.

Angaben zum Katalog "Günter Rössler – AugenBlicke"
Erhältlich im Handel oder auf der Homepage des Kunstvereins Talstraße in Halle
Preis: 35 Euro

Für Fans gibt es den Katalog auch mit einem Original-Abzug von Günter Rössler in einer Auflage von 20 Exemplaren. Die Ausstellung wird bis Juni 2021 verlängert.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Januar 2021 | 16:40 Uhr

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