Thüringen Wie der Weihnachtsbaumschmuck in Lauscha erfunden wurde

Den Weihnachtsbaum zu schmücken, hat eine lange Tradition. Dafür gläserne Kugeln zu nehmen, wurde im thüringischen Lauscha erfunden. Und während Lametta und andere modische Einfälle als Baumschmuck kamen und gingen, blieben die Weihnachtskugeln bis heute erhalten. Wie es dazu kam und was Glasperlen damit zu tun haben, erfahren Sie hier.

Große bemalte Glaskugeln
Glaskugeln wie diese vermitteln Weihnachtsgefühle, Tradition und Romantik Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Museum für Glaskunst in Lauscha gibt es eine Vitrine mit historischem Weihnachtsbaumschmuck, der um 1860 angefertigt wurde. Die Kugeln darin sind reizvoll und überraschend. Wegen ihrer Größe – beziehungsweise ihrer Kleinheit. "Die waren in Nussgröße und etwas größer, weil man noch nicht so große Kugeln blasen konnte", erläutert Anja Fölsche, die Leiterin des Glasmuseums, in dem man sich das ganze Jahr in Weihnachtsstimmung versetzen kann.

Wir haben Glas von über 400 Jahren bei uns im Bestand und ca. 15.000 Objekte. Und ein Drittel davon können Sie hier in den Ausstellungsräumen sehen.

Anja Fölsche, die Leiterin des Glasmuseums Lauscha

Lauscha und Glas – das gehört zusammen

Die Geschichte der Stadt Lauscha gründet sich auf Glas. Jürgen Müller-Blech, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins in Lauscha weiß: "Wenn es die Glashütte nicht gegeben hätte, würde es den Ort Lauscha nicht geben. Der Ort hat sich um die Glashütte auf dem Hüttenplatz entwickelt. Das waren ja zuerst nur drei Häuser, dann kamen ein paar dazu und erst dann im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der Häuser und der Bevölkerung zu."

Engelkugel
Traditionell inspirierter Schmuck für den Weihnachtsbaum Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anfänge mit Herstellung von Glasperlen

Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelt sich in Lauscha die Glasperlenherstellung. Sie war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Weihnachtsbaumkugel, von der runden Perle ging es zur runden Christbaumkugel.

Gläserne Früchte als Christbaumschmuck aus Lauscha
Christbaumschmuck wie dieser erinnern manche an ihre Kindheit Bildrechte: MDR/Kathrin Welzel

Wie die Perlenproduktion ablief, beschreibt Fölsche: "Es wurden Röhren und Stäbchen in der Hütte gezogen. Und diese wurden mit nach Hause genommen. Der Glasbläser hat sich dann einen kleinen Tisch hingestellt, seine Öllampe und hat dann an diesem Tisch versucht, die Röhren warmzumachen und daraus kleine Perlen zu blasen. Das war die Arbeit der Männer – und die Frauen waren für die Veredelung zuständig." Die aufgefädelten Perlen konnten als Ketten oder Schnüre einen ungemein attraktiven Weihnachtsbaumschmuck ergeben. Und in Glasbläserfamilien wurde das auch so gehandhabt. Das mag nicht das sein, was man sich heute unter Christbaumschmuck vorstellt, aber diese Perlen sind ausgesprochen dekorativ.

Weihnachtsschmuck ab ca. 1820 belegt

Wann aber haben diese Perlen erstmals auf einem Weihnachtsbaum ihren Platz gefunden? Für die 1820er-Jahre lässt sich anhand von Lieferaufträgen und Rechnungen immerhin belegen, dass Lauscha der Geburtsort des gläsernen Weihnachtsbaumschmucks ist, so Glasbläser Jürgen Müller-Blech: "Da sind noch Originallieferbücher vorhanden, wo soundsoviel Dutzend Kugeln oder Glocken oder Vögel geliefert wurden", so Müller-Blech.

Glasfuchs
Es gibt auch ausgefallenen Weihnachtsbaumschmuck Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Entstehung des Weihnachtsbaumschmucks betrachtet Müller-Blech als fließende Entwicklung, meint Müller-Blech: "Zuerst wurden Perlenketten auf den Christbaumschmuck gehängt und durch den technischen Fortschritt – sprich, dass die Gebläselampen mehr Hitze erzeugen und größere Kugeln als Perlen gemacht werden konnten – war das so die Entwicklung des Christbaumschmucks." Und schon im 19. Jahrhundert erwirbt sich Weihnachtsschmuck aus Lauscha weltweit einen guten Ruf.

Wie ist die Situation in Lauscha heute?

Schlendert man durch den Ort, ist durchaus zu spüren, dass Christbaumschmuck und Lauscha nach wie vor ein Paar bilden. Doch Müller-Blech schätzt ein, dass die Lauschaer heute leider auf dem absteigenden Ast sind.

Große Firmen in Lauscha gibt es nicht mehr, die Christbaumschmuck selbst produzieren. Es sind kleine Betriebe, höchstens zehn bis zwanzig Firmen, die Glasschmuck herstellen. Das ist leider so.

Jürgen Müller-Blech, Glasbläser

Tradition wird gepflegt

Ein Betrieb, der noch heute Christbaumschmuck herstellt, befindet sich in Neuhaus am Rennweg, ganz in der Nähe von Lauscha. Es ist die Greiner-Mai GmbH "Der Christbaum". Inhaberin Ines Zetzmann erklärt den traditionellen Ansatz: "Wir fertigen seit 26 Jahren den traditionellen Schmuck, keine Trends. Unsere Gäste kommen gezielt. Die suchen diese Handarbeit und auch diesen traditionellen Schmuck. Das wird auch immer mehr."

Farbglashütte Lauscha
Die Arbeit der Glasbläserinnen und Glasbläser heute Bildrechte: Farbglashütte Lauscha/Thür. GmbH

Leicht nachzuvollziehen, dass es immer mehr werden. Selbst eingefleischte Weihnachtsmuffel dürften in ihrem Laden eines Besseren belehrt werden. "Ich finde mein Laden sieht aus wie ein Wohnzimmer mit vielen Bäumen, wo es einfach gemütlich ist. Und die Kinder kommen gerne. Dann steht da ein großer Hirsch. Und die können die Gurke suchen am Baum. Und jedes Kind, das die Gurke findet, enthält dann noch eine kleine Glücksmurmel, die ihnen ein Leben lang Glück bringen soll. Und das ist doch schön. Über Kinder lebt Weihnachten."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Dezember 2021 | 16:10 Uhr

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