Plakatkunst Einzigartige Ausstellung in Leipzig: So tanzte die DDR

Leipzig zeigt eine sehenswerte Ausstellung mit Fokus auf der DDR: Präsentiert werden Plakate aus dem Tanzarchiv, in dem sich auch Bestände von Ikonen wie Gret Palucca, Mary Wigman und Rudolf von Laban befinden. Neben der Rolle von Volkstanz und Ausdruckstanz in der DDR beleuchtet die Ausstellung in der Universitätsbibliothek Leipzig die Tanzgeschichte bis zurück in die Goldenen Zwanziger. Dabei vermitteln auch seltene Filmaufnahmen, wie in der DDR getanzt wurde.

Blick in die Ausstellung "Einladung zum Tanz" mit historischen Plakaten für Tanzveranstaltungen.
Mit Fokus auf die DDR: In Leipzig gewährt eine Ausstellung Einblicke in die Plakatsammlung des Leipziger Tanzarchivs. Bildrechte: Thomas Kademann

Beim Tanz in der DDR ging es darum, die "schöpferische Weiterentwicklung" des Volkstanzes so zu arrangieren, um dem "sozialistischen Leben tänzerischen Ausdruck zu verleihen". So eröffnet das Tanzarchiv Leipzig einen breiten Blick in das Tanzschaffen der DDR, aber auch in jene Jahre der 1920er und 1930er, in denen sich der Ausdruckstanz entwickelte. 

Plakate erzählen die Geschichte der Ensembles, der Akteure, der Orte und der Art, wie man Tanz - vor allem Volkstanz - damals vermarktete. Manch ein Plakat wirkt überraschend modern in Farbe und Form, andere tragen das typische Design der 50er- und 60er-Jahre. 

Tanz von den Goldenen Zwanzigern bis zur DDR

"Wir sind sehr froh, dass die Ausstellung jetzt hier am Haus stattfinden kann, weil damit die Vermittlung der Bestände endlich einer größeren Öffentlichkeit möglich ist", sagt Dr. Melanie Gruß vom Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig. Sie ist eine der Kuratorinnen dieser Ausstellung. "Wenn man die Plakate in ihrer Grafik, in ihrem Design sieht, stellen sich doch interessante Bezüge zwischen der Zeit der Weimarer Republik und der DDR her, die aber eigentlich nicht sein sollten."

Plakat wirbt mit tanzenden Menschen für die Tanzfestspiele in Essen 1928.
Die Ausstellung in Leipzig gibt einen Einblick in die Geschichte des Tanzes von den 1920er-Jahren bis zur DDR. Bildrechte: Universitätsbibliothek Leipzig

Denn Ausdruckstanz war eher nicht en vogue und wurde – im Vergleich zum Volkstanz – wenig gefördert. Stattdessen lag das Augenmerk auf dem staatlichen Folklore-Ensemble und dem Volkskunst-Ensemble. Die Plakate zeigen diese Geschichte, doch wer zwischen den Zeilen liest, erkennt, "dass sich durchaus Bezüge zu den 1920er-Jahren und der Geschichte des Ausdruckstanzes ergeben", so die Theaterwissenschaftlerin.

Politische Dimension von Ausdruckstanz und Improvisationskunst

Manch ein Plakat entstammt dem Nachlass des Ausdruckstänzers und Schulgründers Rudolf von Laban. Filme erzählen von der Improvisationskunst und Vermittlung, die auch Gret Palucca in Dresden favorisierte. Dennoch enthält das Tanzarchiv größtenteils Material, das dem sozialistischen Zweck entsprach, Tanz als Völkerverständigung sah und mit einem ideologischen Nutzen.

Eine Litfaßsäule ist mit historischen Plakaten von Tanzveranstaltungen überklebt.
In der Universitätsbibliothek Leipzig kann man in der Ausstellung "Einladung zum Tanz" historische Tanzplakate aus der DDR entdecken. Bildrechte: Thomas Kademann

Im Vergleich zum Volkstanz hatte es der Ausdruckstanz immer etwas schwer, erklärt Melanie Gruß. "Gerade der Ausdruckstanz wurde von der Kulturpolitik der DDR eher negiert und als formalistisch deklariert, weil er nichts mit dem Leben der Werktätigen zu tun hatte – sondern als elitär daherkam und natürlich auch durch die Zeit des Nationalsozialismus ein Stück weit vereinnahmt war."

Leipziger Ausstellung zeigt Plakate, Filme und Programmhefte

Tonbänder, Plakate, Filme, Programmhefte sind erhalten und geben Einblick in das, was man auf den Bühnen, vor Publikum, in Volkshäusern, VEB-Kultursälen, in der Provinz oder den Städten der DDR zeigte. 

"Tanz findet im Moment statt", sagt Melanie Gruß. Wie also lässt sich das Geschehen archivieren? Was man vom Tanz erfassen könne, so Gruß, seien nur die Überreste des Ereignisses und dazu gehörten Plakate, die von Tanzereignissen künden. Das Tanzarchiv Leipzig gehöre zu den jüngeren Beständen der Universitätsbibliothek, erklärt Professor Dr. Thomas Fuchs, zuständig für die Sondersammlungen.

Zwei Personen schauen mit Kopfhörern einen Film, in dem ein Demozug mit Deutschlandfahnen zu sehen ist.
In der Ausstellung des Leipziger Tanzarchivs gibt es seltene Filmaufnahmen zu sehen. Bildrechte: Thomas Kademann

Tanzarchiv der Unibibliothek Leipzig arbeitet mit Zeitzeugen zusammen

Für Professor Dr. Patrick Primavesi, Theaterwissenschaftler der Universität Leipzig, gibt es noch etwas, was ihn fasziniert. Denn noch gäbe es Zeitzeugen: Zum Beispiel Guntram Walther, der als Plakatkünstler einst in Leipzig studierte und zu DDR-Zeiten ein gefragter Gestalter war. 

"Wir werden mit ihm auch eine Veranstaltung durchführen" – auch, weil man mehr erfahren will über das Tanzgeschehen damals, ideologische Vorgaben, internationale Gruppen und den Stil, den Auftraggeber bevorzugten. 

Ein Plakat lädt mit einem tanzenden Paar Angehörige der AG Wismuz zu Wettbewerben der Volkskunst ein.
Die Ausstellung in Leipzig zeigt, welche Rolle der Volkstanz in der DDR spielte. Bildrechte: Universitätsbibliothek Leipzig

Angaben zur Ausstellung

Ausstellung "Einladung zum Tanz. Aus der Plakatsammlung des Tanzarchivs Leipzig"
Vom 8. November 2022 bis 26. Februar 2023

Bibliotheca Albertina
Ausstellungsraum (Foyer links)
Beethovenstr. 6
04107 Leipzig

Öffnungszeiten:
täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet

Eintritt frei.

Veranstaltungen:

22. Januar 2023 und 26. Februar 2023 jeweils um 15 Uhr:
Öffentliche Führungen durch die Ausstellung. Keine Anmeldung notwendig.

2. Februar 2023, um 18 Uhr:
"Volkstanzen in der DDR" – Vorträge und Gespräch mit Dr. Theresa Jacobs und Dr. Melanie Gruß im Vortragssaal der Bibliotheca Albertina

Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic

Kunst und Ausstellungen in Leipzig

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. November 2022 | 06:15 Uhr

Mehr MDR KULTUR