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Der "Hühnerhof" von Melchior D'Hondecoeter ist ein Highlight der Speck von Sternburg-Ausstellung in Leipzig: Das Bild wurde noch nie gezeigt. Bildrechte: InGestalt/Michael Ehritt

Museum der bildenden Künste LeipzigNoch nie gezeigte Schätze aus der Speck von Sternburg-Sammlung in Leipzig

von Ulrike Thielmann, MDR KULTUR

Stand: 12. November 2021, 04:00 Uhr

Wer bei dem Namen Sternburg in Leipzig zuerst an Bier denkt, sollte dringend mal ins Museum der bildenden Künste gehen. Dort verdeutlicht jetzt eine kleine, aber opulente Sonderschau, wie sehr die Stadt von der Kunstsammlung des Maximilian Speck von Sternburg profitiert. Der Wollkaufmann und Agrar-Ökonom trug in der Goethezeit eine stattliche Kunstsammlung zusammen. Vor 25 Jahren übereignete die Familie Speck von Sternburg die Sammlung der Stadt Leipzig. Die aktuelle Ausstellung "Meisterwerke aus der Sammlung Speck von Sternburg" ist sozusagen ein Dankeschön zum Jubiläum.

Ein Hahn mit Irokesenmähne wirft sich imposant in Krieger-Pose, die Glucke, ebenfalls im exotischem Federkleid, ist da keine Konkurrenz! Bei ihr sprosst der schneeweiße Kopfputz ebenfalls üppig, jedoch so, dass ihn manche als Zierde begreifen, das Sichtfeld jedoch ist eingeschränkt. Zwischen beiden tummeln sich jede Menge unbeholfene Küken.

Meisterwerke aus der Stiftung Maximilian Speck von Sternburg

Ein traditionell-familiäres, metergroßes Hühnerhofidyll aus der Barockzeit, im glänzenden, weil frisch und aufwändig restaurierten, goldenen Rahmen, empfängt die Besucherinnen und Besucher beim Betreten der Ausstellung. Sie zeigt Meisterwerke aus der Stiftung Maximilian Speck von Sternburg. Stiftungspräsident Wolf-Dietrich Speck von Sternburg betont: "Für mich bedeutet das natürlich sehr viel, gerade diese Ausstellung, die zum 25-jährigen Bestehen der Stiftung kuratiert worden ist. Und da muss ich immer wieder sagen: Vieles ist überhaupt noch nie ausgestellt worden in den letzten 70 Jahren. Also auch für mich ist diese Ausstellung eine kleine persönliche Überraschung, dass ich viele Blätter, auch einige Gemälde, das erste Mal in der Öffentlichkeit sehe."

Claude Joseph Vernet: "Italienischer Seehafen" Bildrechte: InGestalt/Michael Ehritt

Noch nie gezeigte Werke im MdbK Leipzig

Gemalt wurde der "Hühnerhof" von dem Holländer Melchior de Hondecoeter, einem ornithologisch versierten Maler des "Goldenen Zeitalters", der über das Federvieh gern Metaphern auf die menschliche Gesellschaft generierte. Sein "Hühnerhof" zählt trotz bunter Augenlust zu den Gemälden, die noch nie ausgestellt wurden und ist deshalb ein Highlight dieser Schau in drei Sälen, die sich letztlich bei der Familie Speck von Sternburg bedankt. Dafür, dass sie vor 25 Jahren zustimmte, den Kunstschatz ihres Vorvaters, Maximilian Speck von Sternburg, der Stadt Leipzig als Stiftung zu übereignen.

Jeannette Stoschek, stellvertretende Direktorin des Leipziger Museums der bildenden Künste und Kuratorin der Schau, betont: "Wir freuen uns, dass wir jetzt am Freitag, dem 12. November, das 25-jährige Bestehen der Maximilian Speck von Sternburg-Stiftung feiern können. Das ist schon etwas Einzigartiges und etwas ganz Besonderes und Wertvolles für die Stadt Leipzig, aber auch natürlich für unser Haus, das Museum der bildenden Künste.

Gerard de Lairesse: "Perseus rüstet sich zur Tötung von Medusa" Bildrechte: InGestalt/Michael Ehritt

Leipziger Sammler der Goethe-Zeit

In der Goethezeit trug Maximilian Speck von Sternburg eine bedeutende Kunstsammlung zusammen, die der Wollkaufmann und Agrarökonom zunächst in seinem Leipziger Stadthaus, in Specks Hof, später auf seinem Landgut in Lützschena präsentierte. Im Zuge der Bodenreform wurde die Sammlung enteignet und dem Museum der bildenden Künste zugeführt. Nach der Restitution nach 1989 stimmten die Erben der Stiftung zu: 202 Gemälde, 126 Zeichnungen und mehr als 500 Druckgrafiken blieben so der Öffentlichkeit erhalten. Seitdem bereichern sie mit Gemälden wie "Adam und Eva" von Cranach dem Älteren die Dauerausstellung im Haus.

Albrecht Dürer: "Der große Triumphwagen" Bildrechte: Sebastian Grandlich-Ferl

Der reiche Bestand an Alten Holländern trug indessen etwa 2012 das Seine zur Ausstellung "Die schönsten Holländer in Leipzig" bei. Und Caspar David Friedrichs "Seestück bei Mondschein" oder Johan Christian Clausen Dahls "Hühnengrab im Winter" schmücken gerade die aktuelle Friedrich-Schau im Kellergeschoss. Umso mehr freut sich Wolf-Dietrich Speck von Sternburg, in der Jubiläumsschau auch selten oder noch nie gezeigte Werke der Sammlung zu sehen, neben Gemälden viele Grafiken.

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: "Kopf eines Löwen" Bildrechte: InGestalt/Michael Ehritt

Bilder erkunden die Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Tier

Neben einer achtteiligen Holzschnittserie von Albrecht Dürer: "Der große Triumphwagen", Gouachen von Hackert oder einer Kreide von Fragonard liegt ein Schwerpunkt der Schau auf Tierdarstellungen.

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: "Luchs" Bildrechte: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: "Luchs" (o.J.) Rechte: PUNKTUM/Bertram Kober

So zeigt die Ausstellung auch einen Luchs von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Der Maler, auch "Goethe-Tischbein" genannt, erkundet mit dessen Darstellung die Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Tier. Jeannette Stoschek, immer dem Druck der Sammler ausgesetzt, ihre gestifteten Werke auch öffentlich präsentiert zu wissen, betont: "Was wir jetzt auch sehr schön fanden, war, dass wir vier Tierstudien, Kopfstudien, physiognomische Studien von Tischbein zeigen können, gerade, weil sie lange nicht mehr gezeigt wurden."

Die opulente Schau mit verwunschenen Landschaften, beschaulichen Tierszenen, und natürlich dramatisch-ergreifenden Allegorien rückt den Besuchern einmal mehr ins Bewusstsein, wie stark das Leipziger Bildermuseum von der Stiftung Speck von Sternburg zehrt.

Informationen zur AusstellungAusstellung
"Meisterwerke aus der Sammlung Speck von Sternburg"

Vom 11. November 2021 bis 09. Januar 2022

Museum der bildenden Künste
Katharinenstraße 10
04109 Leipzig

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Mittwoch: 12 bis 20 Uhr

Ausstellungen in Leipzig und ganz Sachsen

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 11. November 2021 | 16:10 Uhr