"Unterschätzt" Museum der bildenden Künste Leipzig zeigt Ausstellung über fast vergessene Frauen

Das Museum der bildenden Künste in Leipzig (MdbK) widmet sich in seiner neuen Ausstellung "Unterschätzt" Leipziger Künstlerinnen um 1900, die damals kaum wertgeschätzt und inzwischen fast vergessen wurden. Gemeinsam mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) wird auch der Beruf der Künstlerin beleuchtet. Die Ausstellung ist ab dem 12. Mai zu sehen.

Schwarz-Weiß-Porträt eines lächelnden Frauenkopfs mit Blumen im Haar. 4 min
Das MdbK Leipzig zeigt in der neuen Ausstellung "Unterschätzt" unter anderem Marianne Fiedlers Werk "Bacchantin". Bildrechte: Museum der bildenden Künste Leipzig

Am Donnerstag eröffnet das Museum der bildenden Künste Leipzig eine neue Sonderausstellung zu Leipziger Künstlerinnen um 1900. Unter dem Titel "Unterschätzt" werden Künstlerinnen gezeigt, die zu Lebzeiten kaum Beachtung fanden.

Zu sehen sind unter anderem Werke von Marianne Fiedler, einer Studienkollegin von Käthe Kollwitz, Ella Hagen und Bertha Schrader. Anlass ist das 125-jährige Jubiläum der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gerwerbeausstellung (STIGA), die 1897 in der Messestadt Leipzig stattfand.

Leipziger Künstlerinnen in der Männerdomäne Kunst

Neben dem inhaltlichen Fokus auf Industrie- und Gewerbe gab es auf der STIGA eine eigens geschaffene Kunsthalle für zeitgenössische Kunst, in der auf ca. 1700 Quadratmetern Künstlerinnen und Künstler ausgestellt wurden, die durch ihren Wohn- oder Geburtsort mit der Region verbunden waren. Unter den insgesamt 362 ausstellenden Kunstschaffenden befanden sich allerdings nur 34 weibliche Künstlerinnen, deren Arbeiten eine Randerscheinung darstellten.

Gemaltes Porträt: Eine Schwarze Frau mit kurzen, dunklen Haaren schaut schräg nach links.
Auch Marianne Fiedler gehörte zu den "unterschätzten" Künstlerinnen. In der Ausstellung im MdbK Leipzig ist ihr "Porträt einer schwarzen Frau", 1889 zu sehen. Bildrechte: Museum der bildenden Künste Leipzig

Oftmals seien die Künstlerinnen mit dem Vorwurf des Dilettantismus konfrontiert gewesen, heißt es in der Ausstellungsankündigung des MdbK. Sie mussten sich in einer Männerdomäne behaupten, denn sowohl die Auswahlkommission der STIGA als auch alle mit einer Medaille prämierten Kunstschaffenden waren Männer.

Neue Aufmerksamkeit für Vorreiterinnen in Leipzig

Zu den teilnehmenden Künstlerinnen gehörten Marianne Fiedler, Emilie Mediz-Pelikan und Philippine Wolff-Arndt. Fiedler war eine Studienkollegin von Käthe Kollwitz und eine der ersten Frauen, für die das königliche Kupferstichkabinett Dresden bereits 1894 eine Einzelausstellung veranstaltete. Mediz-Pelikan nahm gemeinsam mit ihrem Mann, dem Wiener Künstler Karl Mediz, an der Ausstellung teil. Beide kannten sich aus der Künstlerkolonie Dachau und waren auf der ersten Kunstausstellung der Wiener Secession sowie auf Ausstellungen in Dresden und Berlin vertreten.

Naturalistisches Gemälde: links ist ein Beichtstuhl mit halbgeöffneter Tür zu sehen, rechts hängen löchrige Tücher von der Decke vor einem einem hohen Fenster.
Bertha Schrader: Das Innere einer Kirche - auch dieses Werk ist in der neuen Ausstellung im Leipziger Museum der bildenden Künste zu sehen. Bildrechte: Museum der bildenden Künste Leipzig

Philippine Wolff-Arndt porträtierte zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten. Sie war Vorsitzende des 1896 gegründeten Leipziger Künstlerinnen-Vereins und konnte ihre Bilder wiederholt im Leipziger Kunstverein ausstellen. Auf ihre Anregung hin wurde die Königliche Akademie für Grafik und Buchgewerbe in Leipzig 1905 eine der ersten Kunsthochschulen in Deutschland, an der Frauen studieren durften.

Bezug zur Gegenwart

Die Ausstellung will neben der prekären Ausbildungssituation der Künstlerinnen und ihrer Rolle auf der STIGA vor allem ihre Selbstdarstellung und Selbstwahrnehmung beleuchten. In einem weiteren Teil der Schau wird in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) eine heutige Perspektive auf den Beruf der Künstlerin eröffnet. Es soll erörtert werden, wie heutige Studierende der bildenden Künste die Rolle der Künstlerin in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft interpretieren.

Aquarell-Gemälde: Blick über verschneite Dächer einer Stadt.
Ella Hagen gehörte ebenso zu den Leipziger Künnstlerinnen um 1900, die fast in Vergessenheit gerieten und die nun durch das MdbK Leipzig neue Aufmerksamkeit erlangen. Zu sehen ist ihr Werk "Blick von der Wohnung der Künstlerin", 1920. Bildrechte: Museum der bildenden Künste Leipzig

Informationen zur Ausstellung "Unterschätzt. Künstlerinnen in Leipzig um 1900"
Vom 12.05. bis 14.08.2022

Museum der bildenden Künste Leipzig
Katharinenstraße 10
04109 Leipzig

Öffnungszeiten:
Mo geschlossen
Di, Do–So 10-18 Uhr
Mi 12-20 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Mai 2022 | 06:15 Uhr

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