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"Bilderkosmos Leipzig", neues Café, PublikumsbefragungWie das Leipziger Museum der bildenden Künste zum Ort der Begegnung werden soll

Stand: 24. Januar 2022, 14:58 Uhr

Genau vor einem Jahr ist Stefan Weppelmann als neuer Direktor des Leipziger Museums der bildenden Künste angetreten. Fünf von zwölf Monaten war sein Haus dann pandemiebedingt geschlossen, was er "gruselig" und am Ende nicht mehr nachvollziehbar fand. Umso schneller will er jetzt durchstarten und das Haus zum Ort der Begegnung machen. Los geht es mit der ersten umfassenden Schau zur Malerei in Leipzig von Max Beckmann über die Leipziger Schulen bis ins Heute, zu sehen ab 9. Februar im "Bilderkosmos Leipzig", der sich übrigens immer wieder verändern soll.

Das Leipziger Museum der bildenden Künste soll zu einem echten Ort der Begegnung werden. Das erklärte Direktor Stefan Weppelmann im Gespräch mit MDR KULTUR. Dazu werde das ganze Haus samt Außen- und Foyer-Bereichen bis zum Frühjahr umgestaltet. So eröffnen im März ein neugestaltetes Café und ein Concept-Bookstore.

Das Museum der bildenden Künste muss ein Ort der Begegnung sein, wo man einfach gerne hingeht, ob nun um eine Ausstellung zu besuchen oder um einfach mal abzuhängen.

Stefan Weppelmann | Direkor Museum der Bildenden Künste Leipzig

"Bilderkosmos Leipzig" mit Malerei aus DDR-Zeit im Zentrum

Auf Feedback von Seiten der Besucherinnen und Besucher setzt auch die große Schau unter dem Titel "Bilderkosmos Leipzig", die bereits am 9. Februar eröffnet wird. Damit finde die umfassende Auseinandersetzung mit der figurativen Malerei Leipzigs im 20. und 21. Jahrhundert, die immer wieder gewünscht worden sei, nun endlich statt, so Weppelmann. Und zwar mit mehr als 200 Werken auf 1.550 Quadratmetern im gesamten dritten Obergeschoss:

Wir beginnen mit Max Beckmann, einem der bedeutendsten Söhne dieser Stadt, und enden bei den aktuellen Tendenzen, die man derzeit auf den Staffeleien der Künstlerinnen und Künstler sehen kann. Und das ist so tatsächlich noch nie da gewesen.

Stefan Weppelmann | Direkor Museum der Bildenden Künste Leipzig

Die Schau erlaube nicht nur einen künstlerisch vermittelten Rundgang durch die Geschichte der Stadt, sondern durch die Geschichte des Landes, erklärt Weppelmann weiter, etwa mit Blick auf Leipzigs Rolle im Herbst 1989. Dabei sei es ein bewusstes Statement, die Malerei aus DDR-Zeiten nicht in einem der hinteren Räume zu zeigen, sondern in der großen Halle auf ca. 400 Quadratmetern.

Ausstellung in progress: Rückkopplung mit Publikum

Die Ausstellung richtet sich laut Weppelmann an die Stadtgesellschaft, an "die sogenannten Locals", die auch aufgerufen seien zu sagen, welche Bilder, welche Perspektiven fehlten. In Rückkopplung mit den Besucherinnen und Besuchern solle sich die Schau dann immer wieder verändern, betont Weppelmann.

"Ich denke, dass unser Haus seine Relevanz dadurch bekommt, da es mit dem Leben der Menschen zu tun hat. Und wo, wenn nicht in der Malerei dieser Stadt, in den Bildern, die die Menschen von ihrer Stadt, von ihrem Leben, von ihrem Gefühl, von ihren Hoffnungen, von ihren Wünschen, von ihrer Zukunft machen und machten, kann diese Relevanz deutlicher werden als in einem solchen 'Bilderkosmos'."

Von Richter bis Roggan: Dokumentarfotografie aus Leipzig stärker im Fokus

Fotografin Evelyn Richter (1930-2021): Ihr Nachlass liegt im Bildermuseum. Bildrechte: dpa

Auch die bedeutende, aber bisher unterbelichtete Rolle der Fotografie soll laut Weppelmann in diesem "Bilderkosmos" mit drei Räumen gewürdigt werden. In der Dokumentarfotografie der DDR seien wichtige Bilder entstanden, die ins kollektive Gedächtnis eingingen. Zudem trügen viele die Handschrift von Frauen, stammten sie doch von hervorragenden Fotografinnen wie Evelyn Richter, Ursula Arnold oder Karin Wieckhorst. Dazu eröffne zeitgleich mit dem "Bilderkosmos Leipzig" eine Sonderausstellung mit älteren und noch nie gezeigten Fotos von Ricarda Roggan. Die gebürtige Dresdnerin studierte –  wie Richter, Arnold oder Wieckhorst – allerdings in den 1990er-Jahren an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst Fotografie und war Meisterschülerin von Tim Rautert.

Präsenz in der Stadtgesellschaft

Genau vor einem Jahr war Stefan Weppelmann als neuer Direktor des Leipziger Museums der bildenden Künste angetreten. Drei Mal – insgesamt fünf von zwölf Monaten – musste er sein Haus pandemie-bedingt schließen. In der Zeit erlaubten digitale Angebote Einblicke etwa in die nur kurz zu sehende Caspar-David-Friedrich-Sonderausstellung, die sich Weppelmann zufolge aus Leihgabe-Gründen leider nicht verlängern ließ. Umso mehr hofft er auf den Neustart und peilt die alte Marke von 100.000 Besucherinnen und Besuchern im Jahr an: "Wir müssen sogar, wenn es geht, wachsen." Der Erfolg messe sich aber nicht nur an dieser Zahl, sondern auch an Kriterien wie Diversität, Provenienzforschung oder generationenübergreifender Projektarbeit auch außerhalb des Museums, also an der Präsenz in der Stadtgesellschaft, sagt Weppelmann mit Blick auf die derzeit laufende Arbeit am Leitbild für das Haus bis 2030.

Ausblick: Beethoven für alle, Anna Haifisch, Olga Costa im Dialog mit Frida Kahlo

Fest steht, wer das MdbK betritt, soll erstmal Kunst sehen. Dafür wanderte die monumentale Beethoven-Skulptur aus dem Max-Klinger-Saal im 1. OG bereits in den sogenannten Hof 1 im Erdgeschoss. Weppelmann zufolge sollen auch die Terassen künftig regelmäßig mit Skulpturen bespielt und das "fantastische Passagensystem im Erdgeschoss" zum Leben erweckt werden.

Schließlich stünden viele weitere, spannende Sonderausstellungen an: mit Comic-Künstlerin und LVZ-Kunstpreisträgerin Anna Haifisch ab 9. März, mit Kunst-Performer Tino Seghal ab 7. April und im Herbst mit einer echten Entdeckung: Zu sehen sind Werke der in 1913 in Leipzig geborenen Malerin Olga Costa im Dialog mit Frida Kahlo.

Die Plastik "Beethoven" von Max Klinger, 1902, ist ins Foyer des Museums der bildenden Künste umgezogen. Bildrechte: dpa

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