"Hommage" Leipziger Jahresausstellung: Ausgezeichnete Kunstschaffende wählen nächste Generation aus

Alle Jahre wieder lädt die Leipziger Jahresausstellung ein, neue Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern anzuschauen, die aus Leipzig kommen oder eine Verbindung zur Stadt haben. Dieses Jahr sind Werke von 42 Kunstschaffenden zu sehen: Die bisherigen 21 Preisträgerinnen und Preisträger präsentieren neue Werke und durften jeweils einen Gast vorschlagen. Die Ausstellung auf dem Leipziger Spinnereigelände trägt den Titel "Hommage" und ist dem Gründer des Leipziger Kunstvereins gewidmet: Max Klinger.

Impression von der Leipziger Jahresausstellung Hommage
Besucher der Leipziger Jahresausstellung Bildrechte: Sylvia Schade, Leipziger Jahresausstellung

Mit einer kritischen Reminiszenz an Max Klinger beginnt diese 27. Leipziger Jahresausstellung: Ein großformatiges Triptychon mit Akt-Darstellungen des in Leipzig lebenden Malers und Grafikers Detlef Lieffertz scheint aus Klingers umfangreichsten Grafik-Zyklus "Das Zelt" zu zitieren. Lieffertz nimmt die Formensprache Klingers auf und thematisiert das ambivalente Verhältnis des Künstlers zum weiblichen Geschlecht.

Die Kunstgeschichte nimmt an, dass die blutjunge Gertrud Bock, Ehefrau Klingers seiner letzten Tage, wahrscheinlich mit ihrer jüngeren Schwester Ella dem Künstler Modell stand. Deshalb schreibt Lieffertz im Katalogtext: "Die beiden Schwestern Bock samt altem Bock, das faszinierte mich." Rainer Schade, Vorstandsvorsitzender des Leipziger Jahresausstellung e. V., beschreibt es lakonisch-ironisch als "altarmäßige Darstellungen, allerdings erotisch überhöht".

Impression von der Leipziger Jahresausstellung Hommage
REGEN, Handsatz, 2019, 32x87mm von Christina Wildgrube Bildrechte: Sylvia Schade, Leipziger Jahresausstellung

Geschichte des Leipziger Kunstvereins

Der Leipziger Kunstverein wurde von Max Klinger gegründet, dem die diesjährige Jahresausstellung gewidmet ist. Diese seit in den 90er-Jahren begründete Tradition wurde von Rainer Schade ins Leben gerufen. Mit dieser Ausstellungsreihe ist er durch Höhen und Tiefen gegangen: Vergangenes Jahr gab es wegen der Corona-Krise keine Ausstellung. Manche sahen das als wohltuende Zäsur nach dem Eklat um den Leipziger Maler Axel Krause sehen, der 2019 wegen seiner AfD-Nähe und nach öffentlichen Protesten vom Kunstverein wieder ausladen wurde.

Nun schaut man bei der Leipziger Jahresausstellung nach vorn. So hat der Kunstverein dieses Jahr die Künstler und Künstlerinnen nicht selbst ausgewählt, sondern dies unter dem Motto und Titel "Hommage" den eingeladenen 21. Preisträgern der vergangenen Jahre überlassen. "Die Hommage ist auch als eine Hommage an die Preisträger zu verstehen", erklärt Schade. "Denn sie wurden durch den Preis der Jahresausstellung geehrt und zum Teil auch initiativ gefördert."

Besondere Beziehungen

GRafdik Kunst, Linien, Wellenlinien.
Auch dieses Kunstwerk von Christina Wildgrube ist auf der Jahresausstellung zu sehen Bildrechte: Sylvia Schade, Leipziger Jahresausstellung

Ein bisschen ehrt der Verein "Leipziger Jahresausstellung e. V." mit dem Titel "Hommage" auch sich selbst! So kann man nun in diesem Jahr vielen Werken von bekannten Leipziger Künstlern und Künstlerinnen begegnen, eben den 21 Preisträgern, darunter Björn Siebert, Thomas Taube, Rosi Steinbach, Anette Schröter oder Christoph Ruckhäberle.

Ihre Werke hat die sogannte Hänge-Kommission des Kunstvereins meist beziehungsreich zur Kunst der von ihnen vorgeschlagenen Neuzugänge gehängt. Gelungenes, farbkräftiges Beispiel etwa: Die großformatige Malerei von Benjamin Dittrich, Preisträger 2016, über Eck zur den Großformaten von Lars Anker Rasmussen. "Wir haben beide in einer Ecke nebeneinander gehängt, weil sie eben nicht nur verwandt sind durch diese Patenschaft, sondern auch dadurch, dass sie sich in farblicher Hinsicht aneinander annähern und miteinander sprechen", betont Frank Berger, Mitglied der Hänge-Kommission.

Bilder aus der Leipziger Jahresausstellung

Jahresausstellung, Bild von Stefhany Yepes Lozano
Stefhany Yepes Lozano
Relieve of Discomfort No.2, 2021
Schnurwolle, Baumwolle und Textil
ca. 125 x 125 cm
Bildrechte: Jakob Adolphi
Jahresausstellung, Bild von Stefhany Yepes Lozano
Stefhany Yepes Lozano
Relieve of Discomfort No.2, 2021
Schnurwolle, Baumwolle und Textil
ca. 125 x 125 cm
Bildrechte: Jakob Adolphi
Jahresausstellung, Bild von Manuel Stehli
Manuel Stehli

ohne Titel, 2019
Öl auf Leinwand
220 x 170 cm           
Bildrechte: Leipziger Jahresausstellung
Jahresausstellung, Bild von Lars Anker Rasmussen
Lars Anker Rasmussen
CLAWS ooo ooo ø In den Fängen, 2021
Öl auf Leinwand
160 x 130 cm
Bildrechte: Leipziger Jahresausstellung
Jahresausstellung, Bild von Stefhany Yepes Lozano
Stefhany Yepes Lozano
Relieve of Discomfort No.4, 2021
Schnurwolle, Baumwolle und Textil
ca. 125 x 125 cm
Bildrechte: Jakob Adolphi
Jahresausstellung, Bild von Benjamin Dittrich
Benjamin Dittrich
Große Auswirkung auf vertikale Ebenen (Great impact on vertical levels), 2020
Öl auf Leinwand
240 x 160 cm
Bildrechte: Björn Siebert
Jahresausstellung, Bild von Manuel Stehli
Manuel Stehli

ohne Titel (Festung 3), 2021
Öl auf Leinwand
40 x 54 cm
Bildrechte: Leipziger Jahresausstellung
Impression von der Leipziger Jahresausstellung Hommage
Christina Wildgrube
REGEN, Handsatz, 2019, 32x87mm
Bildrechte: Sylvia Schade, Leipziger Jahresausstellung
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Durch die Ausstellung

Christina Wildgrube
Christina Wildgrube hat den Preis der Jahresausstellung erhalten Bildrechte: Sylvia Schade, Leipziger Jahresausstellung

Augenfällig sind auch die gegenständlich-großformatige, farbreduzierte Malerei von Manuel Strehli, der durch seine minimalistische Bildauffassung beeindruckt und von Annette Schröter vorgeschlagen wurden. Christina Wildgrube erhielt für ihre malerischen Arbeiten im Handsatz den diesjährigen Preis der Jahresausstellung. Auf den ersten Blick erinnern ihre Werke an Gewebe.

Doch es gibt nicht nur Malerei: Die aus Kolumbien stammende und in Leipzig lebende Stefhany Y. Lozano wurde von Christoph Ruckhäberle eingeladen. Sie zeigt drei "stark farbige, formdominante" Teppiche: "Es ist eben schön, wenn wir diese Materialvielfalt hier haben. Wir wissen alle, dass Teppiche zu weben, zu knüpfen ein ungeheuer aufwändiges Geschäft ist", begeistert sich Rainer Schade. Viele Plastiken, Installationen und sogar zwei Performances führen zudem in der Schau den Reichtum der Leipziger Kunstlandschaft vor Augen.

Weitere Informationen Die 27. Leipziger Jahresausstellung mit dem Titel "Hommage" ist noch bis zum 8. August in Halle 12 der Leipziger Baumwollspinnerei zu sehen.

Spinnereistraße 7
04179 Leipzig

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag von 13 bis 18 Uhr
Samstag von 11 bis 16 Uhr
Sonntag von 11 bis 14 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Juli 2021 | 12:10 Uhr

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