Ausstellung Iggy Pop und Jimi Hendrix: Wie eine Magdeburger Fotografin die Musikgeschichte prägte

Das Literaturhaus Halle zeigt vom 4. September bis zum 17. Oktober 2021 in der Ausstellung "participant observer – Leni Sinclair, Fotografie" ikonische Fotos von MC5, Jimmi Hendrix und Iggy Pop. Aufgenommen wurden sie von einer Frau, die fester Bestandteil des Musiklebens der USA war und in Sachsen-Anhalt aufwuchs: die Fotografin Leni Sinclair. Ihre Fotografien zeigen, wie untrennbar Musik und der Kampf um Freiheits- und Bürgerrechte miteinander verknüpft sind.

Alexander Suckel, Leiter Literaturhaus Halle, vor dem Gebäude 4 min
Die Schau im Literaturhaus Halle wird die bisher größte Ausstellung Leni Sinclairs in Deutschland – und ihre erste Schau in ihrer früheren Heimat Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Ihren Namen kennt hierzulande so gut wie niemand, ihre Fotos sind Ikonen", sagt Thomas Blase, Kurator der Ausstellung "participant observer – Leni Sinclair", die im Literaturhaus Halle Fotografien aus den USA der Jahre 1960 bis 2000 zeigt.

Dennis Thompson von MC5
Dennis "Machine Gun" Thompson und Wayne Kramer, MC5-Fotoshooting, 1968 Bildrechte: Leni Sinclair

Bis auf wenige Ausnahmen sind es Schwarz-Weiß-Fotos, aufgenommen im dokumentarischen Stil der Zeit. Ihren ikonischen Charakter bekommen sie von den Motiven und den auf ihr gezeigten Personen. Da fallen zunächst bekannte Gesichter aus der Musikwelt dieser Jahre auf: Aus dem Jazz, der Musik der Beat-Generation und dem frühen Punk. Ein Who's Who von MC5, The Up über Ella Fitzgerald, Sun Ra, John Coltrane, Jimmi Hendrix, Mitch Ryder, Dr. John oder Iggy Pop bis hin zum ganz jungen Prince. Abgelichtet wurden sie von einer Frau, die immer mittendrin war im Musikleben der USA und eigentlich aus einem Dorf bei Magdeburg kam. Wer ist diese Leni Sinclair?

Von Magdeburg über Luxemburg in die USA

Geboren wurde sie 1940 als Magdalene Arndt in Königsberg. Sie kam mit ihrer Familie 1945 als Flüchtlingskind nach Vahldorf bei Magdeburg und begeisterte sich als junges Mädchen für Fotografie und Musik. Vor allem die, die sie im Rias und Radio Luxemburg hörte. 1958 ging sie in den Westen, ein Jahr später wanderte sie in die USA aus. In Detroit tauchte sie in die Szene der Beat-Generation ein. So lernte sie den Poeten, Musiker und Aktivisten John Sinclair kennen, den sie 1964 heiratete. "Damit war sie dann absolut drin im Hotspot von allem, was da geschah. Immer mit ihrer Kamera dabei und heute ist sie eigentlich die Chronistin dieser Zeit", erzählt Thomas Blase.

Sun Ra im Rainbow Room, Shelby Hotel, Detroit, 1974
Sun Ra im Rainbow Room, Shelby Hotel, Detroit, 1974 Bildrechte: Leni Sinclair

Musikalische und politische Rebellion

Doch es war nicht nur eine Zeit der künstlerischen und musikalischen Rebellion, sondern auch eine der politischen. Leni und John Sinclair gründeten mit der Band MC5 eine Kommune in der Universitätsmetropole Ann Arbor. Sie kämpften gegen den Vietnamkrieg, für Bürgerrechte und gegen Rassismus. Damit waren sie Teil der radikalisierten Hippie-Bewegung, die in ihrem Kampf ironischerweise auch an Grenzen stieß. Als sie sich der Black Panther Bewegung anschließen wollten, bekamen sie zur Antwort: Geht nicht, ihr seid Weiße.

Mitglieder der White Panther Party auf der Veranda des Hauses Hill Street 1520
Mitglieder der White Panther Party auf der Veranda des Hauses, Hill Street 1520 Bildrechte: Leni Sinclair

Kurzentschlossen gründeten sie die White Panther Party, die von ihren schwarzen Mitkämpfern auch schnell akzeptiert wurde. Man trat gemeinsam gegen das Establishment und wurde von ihm bekämpft. John Sinclair kam in den Knast. Ein Schicksal, das auch Lenis Bruder in der alten Heimat widerfuhr, wie Kurator Thomas Blase berichtet: "Eine verrückte Geschichte. Er hatte einen Ableger der White Panther in Magdeburg gegründet, was ihm zwei Jahre einbrachte."

Das Leben von Leni Sinclair ist ein Paradebeispiel für selbstermächtigstes Engagement.

Thomas Blase Kurator

Leni Sinclair fand es hochabsurd, dass ihr Mann und ihr Bruder in zwei unterschiedlichen Gesellschaftssystemen für das Gleiche eingesperrt wurden. Doch diese Zeiten sind Geschichte: Die Ausstellung erzählt in eindrucksvollen Bildern von ihr. Für wen eigentlich? Da zeigt sich Kurator Thomas Blase weniger nostalgisch als kämpferisch und hofft gerade auch auf ein junges Publikum. "Weil", wie er sagt, "das Leben von Leni Sinclair ein Paradebeispiel für selbstermächtigtes Engagement ist und dafür, was eine Gemeinschaft für eine Energie entwickeln kann und dabei auch zu politischer Größe findet. Das ist zwar alles lange her, aber irgendwie nicht vorbei."

Gitarrist Wayne Kramer von der Gruppe MC5, 1969 4 min
Bildrechte: Leni Sinclair

Das Literaturhaus Halle zeigt Fotos von MC5, Jimmi Hendrix und Iggy Pop – aufgenommen von einer Frau, die aus der Nähe Magdeburgs kam: Wolfgang Schilling über die Fotografin Leni Sinclair.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 04.09.2021 12:00Uhr 04:12 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gitarrist Wayne Kramer von der Gruppe MC5, 1969 4 min
Bildrechte: Leni Sinclair

Gitarrist Wayne Kramer von der Gruppe MC5, 1969
Gitarrist Wayne Kramer von der Gruppe MC5, 1969 Bildrechte: Leni Sinclair

Mehr zur Ausstellung Ausstellung extra_04 der Akademie der Künste Sachsen-Anhalt e.V.
"participant observer – Leni Sinclair, Fotografie"

Dauer der Ausstellung:
04.09.2021 bis 17.10.2021

Literaturhaus Halle im Kunstforum der Saalesparkasse
Bernburger Straße 8
06108 Halle (Saale)

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mittwoch bis Freitag: 10 bis 18 Uhr
Samstag und Sonntag: 13 bis 19 Uhr

Vernissage am 4. Semptember um 19:30 Uhr. Eintritt frei.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. September 2021 | 12:15 Uhr

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