Interim bis 2024 Lindenau-Museum Altenburg zeigt Kunst im Einkaufscenter

Wer in Altenburg Kunst erleben will, steuert nicht mehr das schöne Lindenau-Museum am Schlosspark an, sondern die Kunstgasse 1 im ehemaligen Altenburger City Center. In einem Einkaufscenter schlägt das altehrwürdige Kunstmuseum seine Zelte auf, damit Altenburg und seine Besucher nicht ganz ohne Kunst auskommen müssen. Denn das Museumsgebäude am Schlosspark wird bis 2024 umfassend umgebaut.

Eine Plastik, eine überlebensgroße Athene, Göttin der Kunst, der Weisheit, aber auch des Kampfes, begrüßt die Besucher im überdachten Innenhof des Altenburger City Centers, einem postmodernen Zweckbau. Nun hat das Lindenau-Museum seine Zelte darin aufgeschlagen – in einem Interim. Die Athene gehört zur Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulpturen, Vasen und italienischer Gemälde, die Museumsbegründer von Lindenau im 19. Jahrhundert anlegte.

Einen Kampf für die Kunst, gegen viele Widerstände, leisten dieser Tage die Mitarbeiter des Lindenau-Museums, das normalerweise in einem Bilderbuch-Museumsbau des 19. Jahrhunderts beheimatet ist. Das Haus jedoch wird bis 2024 umgebaut und Teil eines neuen Museumszentrums sein. Bis dahin zeigt das Interim einen kleinen Teil der Sammlung.

Museumsdirektor Roland Krischke erklärt: "Wenn man einen Museumsmenschen fragt, ob er mit seinem Museum in ein Einkaufszentrum zieht, würde jeder wahrscheinlich den Kopf schütteln. Aber es ist hier doch eine andere Situation." Lange hätten sie nach einem Interim gesucht und seien mit dem Altenburger City Center sehr glücklich, weil es mitten in der Stadt ist. Für die Interims-Zwecke habe man es in Kunstgasse 1 –  die tatsächliche Adresse – umbenannt, so Krischke.

Exponate als Schaufensterpuppen

ie Gipsabgüsse von Skulpturen der Aphrodite aus Rom (r-l) und der Venus von Milo aus Paris sind in Altenburg (Thüringen) im Lindenau-Museum zu sehen.
links im Bild: Die Venus von Milo. Im Interim verwandelt sie sich in eine Schaufensterpuppe. Bildrechte: dpa

Wer vor der Athene im Lichthof steht, hat bereits ein großes Schaufenster passiert. In dem einstigen Laden nimmt ein stattlicher Teil der berühmten Lindenauschen Gipsabguss-Skulpturensammlung Aufstellung. Dicht gedrängt stehen hier die hehren Gestalten der Antike; nicht nur die Besucher des nach wie vor aktiven Fitness-Studios im City Center können sich an den klassischen Körpern ein Auge holen. Auch ansonsten ist die Situation unorthodox: Die Venus von Milo erscheint als Schaufensterpuppe, Laokoon, in seinem weltberühmten Todeskampf, geht mit dem Arm gar durch die Decke. Eine der Kassetten der relativ tief hängenden PVC-Verkleidung  musste geöffnet werden, damit der Arm des trojanischen Priesters durchpasst.

Ein Interim betont eben, dass man auch ins Haupthaus zurück will. Roland Krischke nimmt das mit Heiterkeit: "Das 'schönste Museumscafé Deutschlands' haben wir im Moment nicht. Aber wir haben eine Fülle von Abgüssen aus der Antike und Renaissance, die so dicht stehen, wie es unter Corona-Bedingungen eigentlich gar nicht erlaubt ist, aber die Herrschaften sind ja jetzt auch nicht so ansteckungsgefährdet."

das Lindenaumuseum in Altenburg
Das Museumsgebäude im Schlosspark wird umgebaut. 2024 soll es wieder öffnen. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhard

Interims-Schau auf 195 Quadratmetern

Ein Gipsabguss der antiken Figurengruppe des "Laokoon" nach dem griechischen Original aus der Werkstatt des Hagesandros, Polydoros und Athanadoros (verm. Mitte des 1.J. v.Chr.) steht im Eingangsbereich des Lindenau-Museums in Altenburg.
Ein Arm der Laokoon-Gruppe - auf dem Bild noch im Museum zu Hause - geht im Interim durch die Decke. Bildrechte: dpa

In der neuen ständigen Ausstellung, auf ganzen 195 Quadratmetern, wuchtet Susanne Reim, Restauratorin für Keramik, Gips und Skulptur, eine große panathenäische Preisamphore in die einzige Schauvitrine. Um 550 v. Christus wurden die Amphoren als Preis bei Sportwettkämpfen verliehen. Die im Interim gehört zur legendären Vasensammlung, die Bernhard August von Lindenau aus Italien, teils aus alten Etruskerstädten, beschaffen ließ.

Susanne Reim erklärt: "Lindenau wollte auch Originale aus der Antike zeigen, nicht nur Gipsabgüsse, und hat sich für antike Keramik entschieden: viele Formen, viele Darstellungen, auch aus unterschiedlichen Zeiten." Die in der Schau sei aus Apulien, also Unteritalien.

Die exponierte Präsentation der Preisamphore weckt neues Interesse an der antiken Vasensammlung. Die Amphore ist jedoch nicht das einzige dreidimensionale Objekt. In der kleinen Abteilung zeitgenössischer Kunst präsentiert man einen überdimensionierten Löffel vom Leipziger Maler Hartwig Ebersbach, der dessen Farb- und Formrausch verdeutlicht.

Auch das Kork-Modell der römischen Cestius-Pyramide – ein Publikumsfavorit – hat den Platz in die Interims-Schau gefunden, neben etlichen Lieblingsbildern des Hauses. Hier ein Werk von Gerhard Altenbourg, da von Volker Stelzmann, gar ein Beispiel für die berühmte Sammlung italienischer Tafelmalerei. Wilhelm Lachnits "Knabe mit dem Kanarienvogel" ist zum Logo der Schau avanciert, die in vielem einem Schaudepot gleicht.

Weitere Informationen Interim des Lindenau-Museums
Kunstgasse 1
04600 Altenburg

Geöffnet ab dem 14. Juli 2020

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Juli 2020 | 08:40 Uhr