Ludwig von Gleichen-Rußwurm Bilder des einzigen Enkels von Friedrich Schiller in Weimar

Nach über 100 Jahren sind die Bilder des Impressionisten Ludwig von Gleichen-Rußwurm erstmals wieder in einer Ausstellung zu sehen. Die Wiederentdeckung eines nicht nur zu seiner Zeit herausragenden Künstlers – und des einzigen Enkels des Nationaldichters Friedrich Schiller.

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft mit Windmühle, Öl auf Leinwand, 1901
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft mit Windmühle, Öl auf Leinwand, 1901 Bildrechte: Andreas Bestle, © Museum im Kulturspeicher

Bilder von Ludwig von Gleichen-Rußwurm zeigt die Ausstellung "Landschaften im Licht" im Schillermuseum in Weimar. Ein vergessener, verkannter und unverstandener Künstler? Er war Adliger, Maler und der Enkel Friedrich Schillers. 1836 geboren, ist er hineingewachsen in die große Tradition der Weimarer Klassik. 

Schillers Enkel und deutscher Impressionist

Heute gilt Gleichen-Rußwurm als der Vertreter der deutschen Impressionisten – auch wenn sein Name weitgehend unbekannt geblieben ist. Doch die Klassik Stiftung will das jetzt u.a. mit dieser Ausstellung ändern. "Der Freiherr von Gleichen-Rußwurm ist für uns eine Wiederentdeckung.", sagt der Generaldirektor der Museen der Klassik Stiftung Weimar, Wolfgang Holler. "Er ist ein Enkel Schillers, der einzige Enkel, den Schiller hatte, von seiner Tochter Emilie, der Jüngsten."

Bilder der Ausstellung "Landschaften im Licht"

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Auf der Klippe von Helgoland, Öl auf Leinwand, um 1890
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Auf der Klippe von Helgoland, Öl auf Leinwand, um 1890 Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Auf der Klippe von Helgoland, Öl auf Leinwand, um 1890
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Auf der Klippe von Helgoland, Öl auf Leinwand, um 1890 Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Spaziergang unter blühenden Apfelbäumen, Öl auf Leinwand, 1893
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Spaziergang unter blühenden Apfelbäumen, Öl auf Leinwand, 1893 Bildrechte: Andreas Bestle, © Museum im Kulturspeicher
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Schafpferch bei Bonnland, Öl auf Leinwand, um 1900
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Schafpferch bei Bonnland, Öl auf Leinwand, um 1900 Bildrechte: Andreas Bestle/Museum im Kulturspeicher Würzburg
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Schlossgarten in Bonnland, Öl auf Leinwand, 1887
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Schlossgarten in Bonnland, Öl auf Leinwand, 1887 Bildrechte: Elmar Hahn/Museum im Kulturspeicher Würzburg
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Ilmpark in Weimar, Aquarell, 1899
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Ilmpark in Weimar, Aquarell, 1899 Bildrechte: DLA Marbach
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Die große Bleiche, Öl auf Leinwand, 1889
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Die große Bleiche, Öl auf Leinwand, 1889 Bildrechte: VAN HAM Kunstauktionen / Saša Fuis
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft bei Bonnland im Frühsommer, Öl auf Leinwand, 1893
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft bei Bonnland im Frühsommer, Öl auf Leinwand, 1893 Bildrechte: Museum im Kulturspeicher Würzburg
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Strand von Trouville, Aquarell, 1881
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Strand von Trouville, Aquarell, 1881 Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft mit Windmühle, Öl auf Leinwand, 1901
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft mit Windmühle, Öl auf Leinwand, 1901 Bildrechte: Andreas Bestle, © Museum im Kulturspeicher
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Gleichen-Rußwurm war wohlhabender Aristokrat, ein Mann, der viel auf Reisen ging und in seiner Kunst sehr progressiv war – ungewöhnlich für seine Zeit. Seine Vorbilder sind die französischen Impressionisten: Monet, Pissarro. Seine Bilder hingen in Galerien, selbst neben den namhaften Werken aus Van Goghs früher Zeit.

Und dennoch, jenen von Gleichen-Rußwurm kennt kaum jemand, obwohl er als künstlerische Begabung gilt und heute von Kuratorinnen und Kuratoren in den höchsten Tönen gelobt wird, so auch von Gerda Wendermann aus Weimar, die den Katalog zum Künstler herausgegeben hat.

Landschaften und einfache Menschen

Dass ihn seine Zeitgenossen als "Spinat-Mitmaler" bezeichneten, darf heute als Petitesse bemerkt werden, es war der humorvolle Hinweis: "Da malt jemand mit viel Grün!" Auf seinen bildern sieht man weite Landschaften, sonnige Hügel, malerische Szenen und immer wieder Bäume. Darin malte er tatsächlich alles: bäuerliche Szenen aus der Erntezeit, Menschen mit Kiepen inmitten einer Landschaft, Frauen, die Wäsche bleichen, ein Mädchen mit Reifen und Stab inmitten einer sommerlich-leichten Naturszene. Vieles habe er Open Air gemalt, so Gerda Wendermann, und hat immer wieder die Menschen – vor allem auch die einfachen – einbezogen.  

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Die große Bleiche, Öl auf Leinwand, 1889
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Die große Bleiche, Öl auf Leinwand, 1889 Bildrechte: VAN HAM Kunstauktionen / Saša Fuis

Zusammenarbeit von Weimar, Würzburg und Marbach

85 Werke sind nun in der Ausstellung "Landschaften im Licht" im Schillermuseum zu sehen:  26 Gemälde, etliche Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken. Gemeinsam mit Kollegen des Museums im Kulturspeicher Würzburg hat man in Weimar diese Schau zu dem so lange Vergessenen vorbereitet. Anschließend ist sie in Würzburg zu sehen. Auch das Deutsche Literaturarchiv Marbach ist Kooperationspartner, denn dort wird ein Großteil des Nachlasses von Ludwig von Gleichen-Rußwurm aufbewahrt.

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Strand von Trouville, Aquarell, 1881
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Strand von Trouville, Aquarell, 1881 Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar

Dem Künstler verdankte Weimar später sehr viel, denn aus dessen Familie stammen viele Dokumente, die heute im Goethe-Schiller-Archiv aufbewahrt werden. 

Neuorientierung durch Schicksalsschlag

Dabei war dem deutschen Impressionisten Ludwig von Gleichen-Rußwurm ein künstlerischer Weg nicht vorbestimmt. Zwar galt er schon immer als Talent, auch Schillers Schwester bemerkte und förderte dies, doch erst mit 30 Jahren startete er als Künstler durch. Zuvor hatte er, wie bei seinem Stand üblich, eine Ausbildung in der Landwirtschaft und mit juristischen Aspekten bekommen. Als seine Frau jedoch sehr jung im Kindbett starb, beschloss er nochmals einen neuen Weg.   

Unterstützt wurde er dabei von Großherzog Carl Alexander, so erzählt es Wolfgang Holler, "der ihn eingeladen hat, nach Weimar zu kommen, um dort zu studieren an der Kunstschule – und das hat er auch gemacht." Gleichen-Rußwurm schrieb sich bei einem viel jüngeren Professor ein, Theodor Hagen, einem wunderbaren Landschaftskünstler, so Holler, "Und was unglaublich ist, dass dieser Aristokrat, dieser Erbe Schillers – dass der zur Speersitze der Malerschule in Weimar wird."

Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft bei Bonnland im Frühsommer, Öl auf Leinwand, 1893
Ludwig von Gleichen-Rußwurm, Landschaft bei Bonnland im Frühsommer, Öl auf Leinwand, 1893 Bildrechte: Museum im Kulturspeicher Würzburg

Überliefert ist der Satz eines Galeristen und Kunstkritikers seiner Zeit: Er sei der Mann, der auch Kohlfelder malte. Die Klassik Stiftung Weimar setzt ihm jetzt mit dieser Ausstellung ein kleines Denkmal. Nach 103 Jahren, denn 1918 hatte man ihn hier bislang zum letzten Mal ausgestellt.

Die Ausstellung Landschaften im Licht. Der Impressionist Ludwig von Gleichen-Rußwurm

23. Oktober 2021 bis 16. Januar 2022

Schiller-Museum Weimar
Schillerstraße 12, 99423 Weimar

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 9:30 bis 18 Uhr | ab 2. November 9:30 bis 16 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, Schüler (16 bis 20 Jahre) 2 Euro

Katalog
Gerda Wendermann (Hg.): "Landschaften im Licht. Der Impressionist Ludwig von Gleichen-Rußwurm"
mit Beiträgen von Gerda Wendermann, Henrike Holsing, Stephan Dahme, Nico Kirchberger, Ines Franke
272 Seiten, 210 Farbabbildungen.
ISBN 978-3-95498-639-2
Sandstein Verlag, Dresden 2021

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. Oktober 2021 | 08:10 Uhr