Post vom Museum Kunstaktion: Das Lügenmuseum gibt es jetzt "to go"

Das Museum per Post: Das Lügenmuseum Radebeul bietet auf seiner Onlineseite eine Überraschungsbox für Kulturinteressierte an. Für 30 Euro kann sich jeder ein "Museum to go" nach Hause bestellen und so ein Stück Lügenmuseum in die eigenen vier Wände holen. Wenn es dann da ist, muss man sich auf die Absurditäten einlassen können.

Lügenmuseum to go
So in etwa sieht der Inhalt von "Museum to go" aus: lauter Dinge zum Kopfzerbrechen Bildrechte: Katja Evers

Die Kiste ist kleiner als erwartet – eher ein Taschenbuch statt eines Schuhkartons. Der Karton ist schwarz bemalt, gelbe Punkte zieren die dunklen Fläche, oben stehen handschriftlich die Worte "Museum to go". Die dezent bemalte Verpackung steht fast schon im Gegensatz zu dem bunten Inneren.

Von Titanic-Wasser bis hin zur Maultrommel

Lügenmuseum to go
Engel mit Mund-Nase-Bedeckung aus dem "Lügenmuseum to go" Bildrechte: Katja Evers

Dort findet sich eine Reihe von Absonderlichkeiten, etwa ein kleines Glasfläschchen mit Titanic-Wasser aus dem Jahr 1912. "Es ist ein Denkspiel", erklärt Museumsdirektor Reinhard Zabka. "Das heißt also, man muss sich einmal vorstellen, auf dem Sonnendeck der Titanic zu liegen und nicht an den Untergang zu denken. Das ist die Aufgabe." Verantwortung dafür, was dann passiert, übernehmen sie aber nicht, schreiben die Initiatoren mit einem Augenzwinkern in der mitgelieferten Gebrauchsanweisung. Die liefert zu jedem Gegenstand einen teils fast schon philosophischen Tipp. Die Klänge einer vietnamesischen Maultrommel etwa soll "das angeborene Talent der Menschen zu Freude" anregen. Zumindest, wenn man sie spielen kann.

Daneben gibt es Postkarten mit Kunstwerken und Collagen verschiedener Künstlerinnen und Künstler. Etwa das Bild eines alten Gemäldes mit Engeln, die nun selbst Maske tragen. Entstanden sei das in einer Aktion im Sommer, so Reinhard Zabka. "Wir haben alte Bilder eingesammelt, die man nicht mehr braucht, und die Künstler haben die überarbeitet." Das sei der Hit im Museum, so der Direktor. Er selbst hat auch ein paar Collagen beigesteuert. Wer möchte, kann außerdem in einem Fragebogen selbst der Fantasie freien Lauf lassen und philosophieren: "Was ist unter die Räder gekommen?" oder "Was ist die Frage alle Fragen?" Ein skurriles Gedankenspiel, das zugleich Licht und Schatten des Projekts offenbart.

Zwischen Jux, Geistesblitz und Plattitüde

Denn auf alles, was die Box bereithält, muss man sich trotz der Absurditäten einlassen. Wem alles zu beliebig scheint, der wird schnell enttäuscht. Es ist ein Spannungsfeld, das kennzeichnend ist für das Lügenmuseum. Statt historischer Geschichten von Lügen und Lügnern, finden Besucher abstruse Installationen. Das Museum versteht sich als ständig wachsendes Gesamtkunstwerk: "Man könnte sagen, es ist labyrinthisch. Es ist wie Schneefall", sagt Reinhard Zabka. Konventionell sei es definitiv nicht. Als Künstler versuche er mit dem Thema Museum und dem, was Besucher von einem Museum erwarten, zu arbeiten. Menschen würden abgeholt beim Außergewöhnlichen, so der Direktor.

Das Außergewöhnliche wechselt dabei zwischen Jux, Geistesblitz und Plattitüde. Es geht nicht darum, den Sinn zu suchen, sondern darum: zu unterhalten. Etwas, das für das Lügenmuseum vor Ort gilt, aber auch für die Miniaturversion im eigenen Wohnzimmer. Auf einem Zettel in der Box heißt es schließlich auch: "Es gibt Lügen, da hört der Spaß auf. Es gibt Lügen, da hört der Spaß an." Am Ende funktioniert diese wie auch alle anderen Botschaften nach dem Prinzip des Kaisers ohne Kleider: Wer glaubt, wird den Glanz hinter den Gegenständen und Anweisungen entdecken. Alle anderen werden wohl ewig weiter nach dem Sinn suchen.

Lügenmuseum to go
"Lügenmuseum to go"-Weisheiten: einfach mal sacken lassen Bildrechte: Katja Evers

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Februar 2021 | 06:15 Uhr

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